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Im Gespräch | Beitrag vom 07.02.2018

Julia Stoschek Die Kunstsammlerin des Hier und Jetzt

Julia Stoschek im Gespräch mit Britta Bürger

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Die Kunstsammlerin Julia Stoschek am 29. Januar 2016 in der Kunstsammlung NRW in Düsseldorf (dpa / picture alliance / Federico Gambarini)
Die Kunstsammlerin Julia Stoschek am 29. Januar 2016 in der Kunstsammlung NRW in Düsseldorf (dpa / picture alliance / Federico Gambarini)

Julia Stoschek mag Kunst am liebsten frisch, gerne auch flüchtig. Die Leidenschaft der profilierten Sammlerin gilt der Medienkunst: den Video-, Foto- oder computergenerierten Arbeiten zeitgenössischer Künstler.

In der zeitbasierten Medienkunst erkennt sie den Herzschlag der Gegenwart:

"Der Aspekt der Zeitgenossenschaft ist, was mich unheimlich umtreibt. Deswegen sammle ich ja auch zeitgenössisch, und ich versuche wirklich, mit der Sammlung so ein Abbild meiner Generation herzustellen und zu generieren. Das ist eigentlich das Spannende an der Medienkunst, dass sie so aktuell ist, dass sie so nonkonform ist, dass sie so politisch ist und dass sie das Hier und Jetzt, finde ich, extrem stark auch kommentiert."

Aber was darf Kunst? Die neuerliche Diskussion um diese Frage angesichts von Sexismus-Vorwürfen und abgehängten Bildern verfolgt Julia Stoschek kritisch. Denn gerade im Bereich Videokunst habe die Auseinandersetzung mit dem Körper immer eine große Rolle gespielt:

"In den 60er-Jahren war es auf einmal möglich, ganz allein im Studio, ohne dass man einen Assistenten, eine Assistentin brauchte, mit der Kamera sehr intime Körperexperimente vorzunehmen, und das hat zu diesen großartigen, auch gerade Dokumentationen oder Performances von Künstlerinnen geführt in den 60er-Jahren. Wenn wir das jetzt nicht mehr zeigen dürften, (…) das wäre schon ein großes Problem."

Julia Stoschek zu Besuch im Funkhaus von Deutschlandfunk Kultur (Britta Bürger)Julia Stoschek zu Besuch im Funkhaus von Deutschlandfunk Kultur (Britta Bürger)

Julia Stoschek trägt Werke aus der ganzen Welt zusammen, bewahrt sie in ihrer Privatsammlung auf und stellt sie in Düsseldorf und Berlin aus: 

"Wir haben interaktive Arbeiten. Ich bin absolut der Überzeugung, es gibt Arbeiten, die auch eine physische Reaktion hervorrufen können, psychisch sowieso. Also es ist einfach eine wahnsinnig intensive Kunstform, die sich der Zeitgenossenschaft verschreibt und insofern ist natürlich für mich die Medienkunst ganz klar eine Kunstform der Avantgarde."

Stoschek war zudem Mitglied in der Ankaufskommission des MOMA in New York und hat mit darüber entscheiden, welche Kunstwerke das Museum erwirbt. Mit ihrem Spitznamen "Peggy Guggenheim von Coburg" will sie aber nicht angesprochen werden. Julia Stoschek ist auch abseits der Kunst eine Macherin: So ist sie Mitgesellschafterin eines Familienunternehmens, das weltweit Marktführer im Segment der Fahrzeugteile ist. Und als junge Frau war sie eine erfolgreiche Dressurreiterin.

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