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Freitag, 15.12.2017

Interview / Archiv | Beitrag vom 23.11.2015

Jüdische Willkommenskultur für Flüchtlinge"Religion ist im Augenblick nicht wichtig"

Nina Peretz im Gespräch mit Marianne Allweiss und André Hatting

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Die Synagoge Fraenkelufer in Berlin-Kreuzberg: Der Baumeister der jüdischen Gemeinde Alexander Beer (1873-1944) errichtete die Synagoge in den Jahren 1913 bis 1916 im neoklassizistischem Stil. (picture alliance / zb)
Die Synagoge Fraenkelufer in Berlin-Kreuzberg: Der Baumeister der jüdischen Gemeinde Alexander Beer (1873-1944) errichtete die Synagoge in den Jahren 1913 bis 1916 im neoklassizistischem Stil. (picture alliance / zb)

Wenn es um Mitmenschlichkeit und Hilfe für Flüchtlinge geht, sollten religiöse und kulturelle Unterschiede keine Rolle spielen. Und genau das stellt gerade eine Berliner jüdische Gemeinde unter Beweis.

Skepsis herrscht traditionell auf beiden Seiten, wenn es um das Miteinander von Juden und Muslimen geht. Gerade gab der Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland zu bedenken, dass viele Flüchtlinge, die derzeit nach Deutschland kämen, in Kulturen aufgewachsen seien, in denen der Hass auf Juden fest verankert sei.

Die Gemeinde der Berliner Synagoge am Fraenkelufer dagegen vertritt die Ansicht: "Religion ist im Augenblick nicht wichtig". Die Mitglieder sammelten Spenden und verbrachten kürzlich einen ganzen Tag in einer Flüchtlingsunterkunft. "Ängste gibt es natürlich", sagt Nina Peretz vom Verein der Synagoge. Wichtig sei es jetzt, intensiv in die Integration der Flüchtlinge zu investieren, und zwar Zeit und Geld. 

Kinderbetreuung als "Eisbrecher"

Zur Atmosphäre in der Unterkunft sagte Peretz, sie und ihre Mithelfer hätten von Anfang an offen gelegt, dass sie Juden seien: "Ich bin mir sicher, dass es auch dort Vorurteile gibt. Sie haben sie uns aber nicht spüren lassen an diesem Tag."

Die Gemeindemitglieder hätten sich um die Kinder gekümmert. Das sei der große "Eisbrecher" gewesen. In einem Interview habe ein syrischer Flüchtling dazu gesagt: "Interessant: Zu Hause wären sie meine Feinde, oder wir hätten zumindest ein feindschaftliches Verhältnis, und hier helfen sie mir. Und das ist auch das, was wir vermitteln wollten."

Peretz betonte, sie wünsche sich, dass das Beispiel ihrer Gemeinde "viele Leute animiert, genau die gleichen Schritte zu gehen."

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