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Montag, 11.12.2017

Im Gespräch | Beitrag vom 12.10.2017

Journalistin Gabriele Krone-Schmalz"Der Kalte Krieg ist noch in den Köpfen"

Moderation: Susanne Führer

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Die Journalistin Gabriele Krone-Schmalz (dpa/Tom Schulze)
Die Journalistin Gabriele Krone-Schmalz (dpa/Tom Schulze)

Sie war die erste Frau auf dem ARD-Korrespondentenplatz in Moskau und die erste westliche Korrespondentin, die Michail Gorbatschow interviewte. Ihre Frisur ist Kult. Jetzt erscheint Gabriele Krone-Schmalz' neues Buch "Eiszeit".

Vier ereignisreiche Jahre lang – von 1987 bis 1991 – hat Gabriele Krone-Schmalz für das ARD-Fernsehen aus Moskau berichtet und ist zur Russland-Expertin geworden. Doch Russland beschäftigte die mittlerweile 67-Jährige bereits seit ihrem Studium Ende der 60er-Jahre in Köln.

Ihre Kritiker nennen sie eine "Putinversteherin". Gabriele Krone-Schmalz wird nicht müde, sich für ein besseres Verhältnis zwischen dem Westen und Russland zu einzusetzen. Mehrere Bestseller über Russland, aber auch Deutschland hat sie bereits verfasst. Nun erscheint ihr neustes Werk "Eiszeit – Wie Russland dämonisiert wird und warum das so gefährlich ist".

"Ich denke, dass die Dinge, die im Kalten Krieg verbreitet wurden, nicht mit dem Federstrich eines Vertrages weg sind. Das ist ja noch in den Köpfen. Das ist sicher etwas, das wir unterschätzen. Das Denken des Kalten Krieges ist nicht weg. Denn in einer immer unübersichtlicher werdenden Welt, ist es einfach bequemer zu sagen, daran orientiere ich mich (...). Was man nicht unterschätzen darf, ist der Gruppendruck. Aus welchem Grund auch immer ist Russland die Inkarnation des Bösen. Dagegen etwas zu sagen, damit sind Sie von vornherein out. Also müssen Sie sich dagegen wehren. Dazu braucht man Informationen, dazu braucht man Zeit (...). Ich versuche, die fehlenden Geschichten zu erzählen."

Schon als sie das erste Mal als Korrespondentin 1987 nach Moskau kam, sei sie ihren ganz eigenen Weg gegangen. So habe sie nicht etwa die "Dissidenten als Freunde von ihren Vorgängern" übernommen.

"Mein Vater war sehr unkonventionell"

"Ich habe versucht, ganz normale Menschen kennenzulernen. Das ging ja in Perestroika-Zeiten. Und mein Mann ist in die allgemeinen Geschäfte gegangen, um zu sehen, wie das ist. Und ich glaube, dass ist wichtig, wenn man aus einem Land berichtet, dass man in den Alltag eintaucht, damit man die Menschen versteht."

Tief geprägt ist Gabriele Krone-Schmalz von ihrem Elternhaus, erzählt sie "Im Gespräch".  Ein besonderes Verhältnis habe sie mit ihrem Vater verbunden.

"Das war ein toller Mann, das war ein Mensch, das war ein Künstler. Mein Vater war Konzertmeister im Sinfonieorchester des WDR und hat mich schon sehr früh an die Musik herangeführt. Ich bin schon als Kind mit zu den Proben gegangen und fand das toll. Mein Vater war auch jemand, der sehr differenziert gedacht hat, der sehr unkonventionell war. Er war so unkonventionell, wir als Kinder haben ihn gefragt, ob man auch abends frühstücken kann und da hat er gesagt, klar kann man auch abends frühstücken und mein Vater hat mit uns abends gefrühstückt."

"Zwischen Micky Maus und Mephisto alles recht"

Unkonventionell ist auch die Frisur, die das Bild von Gabriele Krone-Schmalz prägt, und die sie bis heute der Haarschneidekunst ihres Mannes zu verdanken hat.

"Mittlerweile ist mir alles zwischen Micky Maus und Mephisto recht und ich glaube, ich kann mich davon auch nicht mehr trennen und das wird solange ich Haare auf dem Kopf habe auch so bleiben."

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