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Im Gespräch | Beitrag vom 06.04.2018

Journalist Manuel Möglich"Die authentische Reportage gibt es nicht"

Moderation: Gisela Steinhauer

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Der Journalist Manuel Möglich (Benjamin Eichler)
Mit seiner Arbeit wolle er auch einen Denkprozess beim Zuschauer anstoßen, sagt Manuel Möglich. (Benjamin Eichler)

Über emotionale Themen völlig neutral zu berichten sei im Grunde nicht möglich, sagt der Journalist Manuel Möglich. In seiner Arbeit hat er sich den radikal subjektiven Ansatz zum Programm gemacht.

"Streng genommen ist der Ansatz des Gonzo-Journalismus nur in der Literatur möglich. Mein Ansatz ist aber, dass der Reporter sein 'Ich' benutzt, eine Haltung und eine Meinung hat und sich zum Teil der Geschichte macht. Im Bereich Reportage ist das heute meiner Ansicht nach der einzig richtige Weg, um glaubwürdig zu bleiben."

Der studierte Kultur- und Medienwissenschaftler Manuel Möglich zog sich bis auf die Unterhose aus, um für eine Reportage in einen Sexclub zu kommen, oder hing in schwindelerregender Höhe in den Behausungen von Waldbesetzern im Hambacher Forst.

"Ich zeige Verständnis oder Unverständnis für den Weg der Menschen, die ich porträtiere. Das ist das essenzielle, und zwar in ihrer Gegenwart, nicht in einem Off-Text. Auch wenn Menschen fern von dem sind, was ich persönlich denke und meine, versuche ich sie so zu respektieren, wie sie sind."

Journalismus muss auch unbequem sein

Mit der neuen Sendereihe "Rabiat!", die der 39-Jährige für die ARD entwickelt hat, soll diese Idee nun auch ihren Weg ins öffentlich-rechtliche Fernsehen finden.

"Ich hoffe, dass die Leute, die das sehen, erstmal nachdenken. Auch wenn es ihnen nicht gleich gefällt. Journalismus muss auch unbequem sein. Wenn er einen Denkprozess beim Zuschauer auslöst, war es das wert."

Gerade ist außerdem sein neues Buch erschienen. In "Alles auf Anfang" hat sich Manuel Möglich – wiederum subjektiv – auf die Spuren von Menschen begeben, die versuchen, ihre persönliche Utopie Wirklichkeit werden zu lassen.

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