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Literatur / Archiv | Beitrag vom 10.07.2016

Joseph Conrad"Wir leben, wie wir träumen − allein"

Von Lutz Bunk

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Der Schriftsteller Joseph Conrad, aufgenommen im Dezember 1915 (picture-alliance / dpa / dpaweb  )
Der Schriftsteller Joseph Conrad, aufgenommen im Dezember 1915 (picture-alliance / dpa / dpaweb )

In der Nähe von Kiew wurde Joseph Conrad 1857 als Józef Teodor Konrad Korzeniowski geboren. Er begriff sich bald als Pole, wurde Seemann und schrieb unter anderem "Herz der Finsternis". Conrad starb als britischer Staatsbürger und gefeierter Autor − doch sein Nachruhm ist höchst umstritten.

Joseph Conrads berühmte Novelle "Herz der Finsternis" entwirft ein Bild von Afrika als einer "anderen Welt", einer Antithese zu Europa − das heißt, zur Zivilisation. Ein Ort, wo die ausgeklügelte und raffinierte Intelligenz am Ende nur verspottet wird von triumphierender Bestialitat.

Und natürlich sieht er es nicht als seine Schriftsteller-Pflicht an, jenen "zurückgebliebenen Seelen", wie er die Afrikaner nennt, eine wirkliche Sprache zukommen zu lassen. Joseph Conrad war durch und durch Rassist. Die Frage ist, ob eine Novelle wie "Herz der Finsternis", die Entmenschlichung zelebriert, wirklich ein großes Kunstwerk genannt werden kann?

Für eine Ehrenrettung Conrads unter den Schriftstellern der nicht-weißen Welt sorgte der bedeutendste Romancier und Literaturkritiker der Karibik: Nobelpreisträger V.S. Naipaul, Sohn indischer Eltern, auf Trinidad geboren und heute in Großbritannien lebend:

"Es ist interessant, wie Dichter mit Mythen umrankt werden. In Conrad sehen manche den imperialistischen Mythos des Ehrenmannes, den Autor der Seeabenteuer. Das Beste übersehen sie dabei. Egal, immerhin hat Conrads Literatur soviele dunkle Platze dieser Welt erhellt: Und
das ist das Thema conradscher Meditation: sie erzählt uns etwas über unsere neue moderne Welt. Und vielleicht ist es gar nicht so wichtig, was wir von Conrad halten, solange wir ihn lesen und über ihn sprechen."

Den Spuren von Joseph Conrad, der 1857 in Polen unter russischer Herrschaft geboren wurde, folgt die Porträtskizze von Lutz Bunk.

"We live as we dream − alone." Dieser Satz des britischen Schriftstellers steht am Anfang.

Mehr zum Thema:

Literatur und Kolonialismus - Robinson Crusoe als Kolonialherr
(Deutschlandradio Kultur, Zeitfragen, 27.5.2016)

"Herz der Finsternis" - Mit Flüchtlingen im selben Boot
(Deutschlandfunk, Corso, 22.7.2015)

Roman - Schuld als Schatten
(Deutschlandradio Kultur, Buchkritik, 22.7.2014)

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