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Konzert zum Nachhören | Beitrag vom 11.04.2017

Josep Pons beim RSBRelativ exotisch

Aufzeichnung aus der Philharmonie Berlin

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Der Dirigent Josep Pons (Igor Cortadellas/RSB)
Josep Pons gastierte beim Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin (Igor Cortadellas/RSB)

Josep Pons leitete das RSB in einem stark spanisch und russisch gefärbten Programm mit Musik von Strawinsky, Ravel und de Falla. Javier Perianes war der Klaviersolist in "den Nächten in spanischen Gärten" de Fallas.

Es ist fast eine kleine Weltreise: zwischen Kuba und einem russischen Jahrmarkt irgendwo in der Provinz entwickeln sich die musikalischen Bilder dieses Abends – allesamt prominente Kompositionen aus den Jahren um 1910.
Was Menschen für exotisch halten, ist ein wenig von der Epoche abhängig. Um 1910 herum jedenfalls waren die Reise- und damit auch die Musikwelt kleiner als heute, und wenn Komponisten wie Ravel und de Falla sanft nostalgisch dem alten Glanz des spanischen Weltreichs oder dem heiß pulsierenden Volksleben der Pyrenäenhalbinsel nachhorchten, hatte das zumindest für nordeuropäische Ohren immer noch einen Anstrich verwunschener Abenteuerlichkeit. Der Ost-West-Pendler Igor Strawinsky andererseits,  bereits zur Hälfte in Paris ansässig, setzte in seiner "Petruschka"-Ballettmusik auf den nicht weniger kitzelnden Reiz "barbarisch"-ungeschliffener östlicher Vitalität.

So offenbart das Programm, das der Dirigent als Vertreter vom erkrankten Kölner GMD François-Xavier Roth für sein Berliner Gastspiel größtenteils unverändert übernommen hat, eine unterschiedliche Handschrift der drei beteiligten Komponisten, die aber in ihrer neugierigen Haltung verwandt sind. Die Grenzen zwischen einer quasi ethnologischen Quellenerkundung und der schmunzelnden Nutzung eingebürgerter Klischees, zwischen sehnsüchtiger Sympathie und beobachtender Distanz sind dabei durchaus fließend. Alle drei Werke wurden in den Jahren zwischen 1911 (Strawinsky) und 1918 (Ravel) uraufgeführt.

Ein weiteres verbindendes Element zwischen den Werken des Abends ist ihr ausgeprägt tänzerischer Charakter. Zwar wurde nur Strawinkys grotesk-tragikomische "Petruschka"-Story direkt als Ballettmusik (für Sergej Diaghilews berühmt-skandalträchtige "Ballets russes"-Compagnie) geschrieben; doch auch die nächtlichen Gartenwanderungen de Fallas und Ravels "Morgenlied des Narren", beide von höchster koloristischer Raffinesse, gewinnen ihre wesentlichen Anregungen aus den vitalen Rhythmen von Fandango, Feria und anderen spanischen und lateinamerikanischen Tänzen.

Das Abendprogrammheft zum Nachlesen

Philharmonie Berlin
Aufzeichnung vom 8. April 2017

Moderation: Stefan Lang

Maurice Ravel
"Alborada del gracioso" (Morgenlied des Narren) für Orchester

Manuel de Falla
"Noches en los jardines de España”, Sinfonische Impressionen für Klavier und Orchester

Igor Strawinsky
"Petruschka" (Fassung von 1947)

Javier Perianes, Klavier
Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin
Leitung: Josep Pons

Konzert

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