Seit 15:05 Uhr Musiktag
 

Mittwoch, 22.11.2017

Interview / Archiv | Beitrag vom 14.03.2017

Jo Bager über Bot-Profile bei Twitter"Bot-Armeen sind leicht zu programmieren"

Jo Bager im Gespräch mit André Hatting

Podcast abonnieren
Smartphone mit Twitter-Logo auf Computertastatur (imago / Christian Ohde)
Smartphone mit Twitter-Logo auf Computertastatur (imago / Christian Ohde)

Die Roboter sind los. Vor allem auf Twitter sollen Millionen Profile künstlich sein. Wie stark ist ihr Einfluss auf die öffentliche Meinung? Nicht allzu groß, meint Jo Bager vom Computermagazin c't.

Bis zu 15 Prozent der rund 319 Millionen Twitter-Nutzer sind Bots. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie von Forschern der University of Southern California und der Indiana University, wie heise online meldet. 

Jo Bager, Redakteur des Fachmagazins c't hät diese Größenordnung für durchaus realistisch. Bots seien leicht zu programieren und Twitter halte eine Schnittstelle bereit, über die künstlich generierte Kurzmitteilungen auf die Plattform eingespeist werden könnten. 

Vor allem in Wahlkämpfen würde diese Möglichkeit genutzt, um die öffentliche Meinung zu beeinflussen:

"Man setzt einfach ein paar zehntausend Bots auf, die alle jetzt einen Kandidaten toll finden und die anderen halt nicht so – und hofft auf den Herdentrieb der Menschen."

Unwetterwarnungen kommen über Bots

Allerdings würden Bots auch programmiert, um legitime Informationen in Umlauf zu bringen - zum Beispiel Unwetterwarnungen oder Informationen aus dem Kundenservice.

Twitter könne besonders leicht von Bots bespielt werden, sagt Bager, weil die Nutzer-Profile auf dem Kurzmitteilungsdienst nur wenig aussagekräftig seien und über wenige Indikatoren verfügten, also leicht zu fälschen seien.

Bots sind oft einfach nur "strunzdumm"

Auf Facebook sei es schwieriger, "Bot-Armeen" einzusetzen, da Facebook-Nutzer stärker in soziale Netze eingebunden seien.

"Und Facebook legt ja auch Wert beispielsweise auf Realnamen-Angaben, wenn sich das auch nicht besonders intensiv durchgesetzt hat."

Tatsächlich gebe es bisher aber keine Untersuchung, die schlüssig belegen könne, das der Einsatz von "Bot-Armeen" auch zum gewünschten Ziel der Meinungsmanipulation führe, meinte Bager. 

Und ein paar einfache Merkmal könnte Bots oft schon entlarven, etwa der Takt, in dem sie Post absetzen. Bager meinte, er könne sich zudem vorstellen, dass Bots einfach nur "strunzdumm" seien, das heißt, dass sie "gar nicht reagieren, wenn man sie anspricht". (huc)

Interview

weitere Beiträge

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur