Seit 13:05 Uhr Länderreport
 
  • facebook
  •  
  • twitter
  •  
  • instagram
  •  
  • spotify
 
Seit 13:05 Uhr Länderreport
 
 

Interview | Beitrag vom 26.09.2017

IslamismuspräventionDie nächste Generation Salafisten?

Kaan Orhon im Gespräch mit Vladimir Balzer und Axel Rahmlow

Beitrag hören Podcast abonnieren
Kinder und Eltern bei der Abschlussfeier in einem salafistischen Kindergarten in Dagestan (Bild: Gesine Dornblüth) (Gesine Dornblüth)
Salafistischer Kindergarten in Dagestan - der Betrieb eines salafistischen Kindergartens in Deutschland wurde erst vor wenigen Wochen vom Sächsischen Oberverwaltungsgericht verboten. (Gesine Dornblüth)

Sie sind Kinder von Salafisten oder IS-Rückkehrern - und für die Präventionsarbeit gegen islamistische Radikalisierung eine große Herausforderung, so Kaan Orhon von der Beratungsstelle "Hayat". Denn diese Kinder wüchsen in einer totalen ideologischen Blase auf.

Vor wenigen Wochen verbot das Sächsische Oberverwaltungsgericht den Betrieb eines salafistischen Kindergartens in Leipzig - und lenkte damit auch den Blick auf ein Problem, das bisher kaum im Blick war: Viele junge Salafisten in Deutschland haben Familien gegründet, auch manche IS-Kämpfer haben bei ihrer Rückkehr nach Deutschland Kinder dabei. 

Ahmed Abdelasis A. alias Abu Walaa von hinten bei einer Video-Botschaft. (dpa / Screenshot)Der Salafist Ahmed Abdelasis A. (32), alias Abu Walaa, gab vielen Jugendlichen im Prozess ihrer Radikalisierung den "Feinschliff". (dpa / Screenshot)

Diese Kinder wachsen in totalen ideologischen Blasen auf, beklagt Kaan Orhon von "Hayat", einer Beratungsstelle für islamistisch radikalisierte Jugendliche und deren Angehörige. "Das ist eine Herausforderung für die Zukunft für alle, seien es Behörden, seien es zivilgesellschaftliche Akteure, die sich mit dem Bereich Prävention und Deradikalisierung befassen", sagte der Islamwissenschaftler im Deutschlandfunk Kultur.

Nur begrenzte Eingriffsmöglichkeiten der Behörden

Besonders schwierig sind solche Fälle, da gerade das familiäre Umfeld bei der Deradikalisierung eine wichtige Rolle spielt. Wenn nun aber die Radikalisierung gewissermaßen aus Familie selbst kommt, sind die Handlungsmöglichkeiten beschränkt, wie Orhon betont. Insofern müsse man "bis zu einem gewissen Grad" damit leben, dass es so etwas in Deutschland gibt. Es sei denn, es ergeben sich Eingriffsmöglichkeiten durch den Staat.

In Zukunft wird es Gerichte beschäftigen, inwieweit eine Indoktrination in salafistisches Gedankengut eventuell eine Gefährdung des Kindeswohls darstellt", so Orhon. "In extremen Fällen können Behörden dann tätig werden, um die Kinder aus den Familien herauszuholen."

Zum Thema Salafismus in Deutschland hören Sie auch den Bericht unseres Korrespondenten Alexander Budde zum Prozessauftakt gegen den IS-Prediger Abu Walaa in Celle:

Allerdings seien die Hürden dafür in Deutschland sehr hoch: "So lange da keinerlei Gewalt im Spiel ist, weder gegen das Kind noch im Sinne einer terroristischen, extremistischen Indoktrination, Vorbereitung von Gewalt gegen andere, müssen wir uns tatsächlich damit abfinden, dass eine Generation von Kindern aufwachsen wird aus dieser Szene, die in diesem Gedankengut groß wird."

In diesem Fall müsse man warten, bis die Kinder in einem Alter seien, wo sie eigene Erfahrungen außerhalb der Familie machten. Dann könne man ihnen ein Angebot machen "im Sinne von Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und einem anderen Islamverständnis".

(uko)

Mehr zum Thema

Islamistenszene - Dschihad aus dem Kinderzimmer
(Deutschlandfunk, Hintergrund, 24.02.2017)

Islamismus-Prävention - Die Salafisten haben einfache und klare Antworten
(Deutschlandfunk, Campus & Karriere, 09.12.2015)

Interview

Tier- und ArtenschutzThüringen und der böse Wolfhund
Wolsmischlingsumrisse und glänzende Augen sind vor dem schwarzen Hintergrund zu erkennen. (picture alliance / Bundesanstalt für Immobilienaufgaben / dpa)

Seit dem Jahr 2000 gibt es in Deutschland wieder Wölfe. In Thüringen seit diesem Jahr auch sechs Wolf-Hunde. Die allerdings werden nun zum Problem für den Artenschutz und zum Politikum. Ein Gespräch über die Angst vor Wölfen, Gefahren für Menschen und eine reinrassige Wolfspopulation.Mehr

weitere Beiträge

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur