Seit 18:30 Uhr Hörspiel
 

Sonntag, 17.12.2017

Konzert / Archiv | Beitrag vom 12.10.2017

Internationales Musikfestival im 20. JahrgangKammermusik in Jerusalem

Aufzeichnung aus dem YMCA West-Jerusalem

Die Pianistin Elena Bashkirova (Dan Porges/forartists)
Die Pianistin und Festivalleiterin Elena Bashkirova (Dan Porges/forartists)

Vor zwanzig Jahren hätte niemand geglaubt, dass das möglich ist: In der Stadt Jerusalem, die von religiösem Eifer und politischem Starrsinn gezeichnet ist, ein Festival zu gründen, das allein der Kammermusik gewidmet ist und nur die Klänge, nicht irgendeinen Kontext zum Gegenstand eines rauschenden, und zugleich anspruchsvollen Festes macht.

Eine Person steht als "Alma Mater" hinter dem Jerusalem International Chamber Music Festival: Die in Berlin lebende Pianistin Elena Bashkirova. Sie nennt das Festival stolz ihr drittes Kind, zwei erwachsene echte Söhne hat sie ja schon. Auch im diesem 20. Jahr versammelten sich wieder international renommierte Vokalisten und Musiker in der Heiligen Stadt - auf Einladung der Pianistin und eines kleinen, aber sehr aktiven israelischen Freundeskreises. Sie probten und spielten ein umfangreiches und vielfältiges Konzertprogramm. Daraus können Sie hier an diesem Abend einen Auszug hören.
Alle Mitwirkenden treten beim Festival ohne Gage auf und nehmen die Anstrengungen des dichten Proben- und Konzertmarathons und die teilweise äußerst strengen Untersuchungen bei der Ein- und Ausreise zum Vergnügen und aus Zuneigung zur immer größer werdenden Familie der "Jerusalemiten" auf sich. Spielort ist das christliche Kulturzentrum des YMCA in West-Jerusalem unweit des berühmten King-David-Hotels. Das steht für eine offene, religiös und politisch tolerante Atmosphäre.
Schwerpunkte gab es auch im 20. Festivaljahr mehrere - neben den größeren Formationen des Genres, zum Beispiel dem Nonett, waren das Werke der russisch-sowjetischen Literatur und die Romantik aus Deutschland.
Elena Bashkirova und ihr Team setzen bewusst und ganz im Sinne der Festivalphilosophie auf unbekannte Stücke und Namen. Immer ist auch ein Auftragswerk dabei, dieses Jahr gab es das Bläserquintett des jungen Jerusalemer Komponisten Omri Abram, der dem Festival schon länger als Dirigent und Organisator verbunden ist.
Das Musikprogramm dauerte acht Tage und prägte die Atmosphäre an den Sommerabenden in der Heiligen Stadt der drei Weltreligionen wieder besonders friedlich und zukunftsfroh. Dabei wirkt der Anspruch dieses musikalischen "Familientreffens" gar nicht mehr so utopisch: Selbst in Jerusalem kann Musik wichtiger, ja heiliger sein als Religion und Politik.

Jerusalem International Chamber Music Festival
YMCA West-Jerusalem
Aufzeichnungen vom 31. August und 1. und 2. September 2017

Omri Abram
Quintett (Uraufführung)

Tel Aviv Wind Quintet

Sergej Prokofjew 
Sonate für 2 Violinen C-Dur op. 56

Mohammed Hiber, Lidia Baich, Violine  

Franz Schubert 
Fantasia f-Moll für Klavier zu 4 Händen D 940

Elena Bashkirova, Shai Wosner, Klavier

Dmitrij Schostakowitsch
Zwei Stücke für Streichoktett op. 11

Alexander Sitkovetsky, Tatiana Samouil, Lidia Baich, Mohammed Hiber, Violine  
Miri Manasherov, Madeleine Carruzzo, Viola
Alexander Knyazev, Tim Park, Violoncello

Nikolaj Roslavets 
Nocturne

Yigal Kaminka, Oboe
Lidia Baich, Tatiana Samouil, Violine  
Tim Park, Violoncello
Julia Rovinsky, Harfe

Bohuslav Martinů 
Nonett H 374

Tel Aviv Wind Quintet
Tatiana Samouil, Violine
Madeleine Carruzzo, Viola
Tim Park, Violoncello
Nir Comforty, Kontrabass

Konzert

Martinů FesttageAm letzten Wirkungsort
Eine Gedenktafel für den tschechischen Komponisten Bohuslav Martinu (1890 - 1959) in seinem Geburtsort Policka. (imago / CTK Photo)

Geboren und aufgewachsen ist Martinů in einem ostböhmischen Kirchturm, künstlerisch sozialisiert wurde er in Frankreich und den USA – doch am Ende kehrte er ins Herz Europas zurück. Dort, in Basel, gibt es nun ein ihm gewidmetes Festival.Mehr

Weihnachtskonzert des NDR-ChoresZeitlos ergreifend
Die Jungfrau Maria mit ihrem neugeborenen Sohn Jesus von Nazaret. Glassmalerei in Passau. (imago / Danita Delimont)

Weihnachten: ein Fest der Hoffnung und Vorfreude darauf, dass auch aus tiefer Finsternis immer etwas Neues wachsen kann. Der NDR-Chor hat für sein Programm vor allem skandinavische und dem englischsprachige Kompositionen zusammengestellt.Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur