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Vollbild | Beitrag vom 12.05.2018

Internationale Filmfestspiele von Cannes Serebrennikov, Godard und Troll-Sex

Moderation: Susanne Burg und Patrick Wellinski

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Fimfestspiele in Cannes: Schauspielerin Irina Starshenbaum (M) hält ein Schild mit dem Namen des in Russland unter Hausarrest stehenden Theatermachers Kirill Serebrennikow, während sie mit Produzent Charles-Evrard Tchekhoff (l-r), Schauspieler Roma Zver, Teo Yoo, Kameramann Vladislav Opelyants und Produzent Ilya Stewart zur Filmpremiere "Leto" kommt. (dpa-Bildfunk / Invision / AP / Joel C. Ryan)
Irina Starshenbaum (M) hält ein Schild mit dem Namen des in Russland unter Hausarrest stehenden Regisseurs Kirill Serebrennikow hoch und fordert dessen Freilassung. (dpa-Bildfunk / Invision / AP / Joel C. Ryan)

Die Filmfestspiele von Cannes zeigen an den ersten Tagen vor allem Filme über politisch unterdrückte Künstler. Außenseitern wird eine Chance geboten. Wir berichten live über die wichtigsten Themen und Tendenzen an der Croisette - über flimmernde Freiheitsbilder.

Die ersten Filme bei der 71. Ausgabe des Festivals in Cannes geben sich ziemlich politisch. Im Zentrum stehen vor allem der Künstler und die Kunstfreiheit. 

Animierte und reale Bilder

Der polnische Kriegsreporter Ryszard Kapuscinski ist legendär. In Cannes erfuhr er nun eine postume Kinoehrung. "Another Day of Life" heißt die Verfilmung eines seiner Bücher. Der Produzent Stefan Schubert freute sich nach der Premiere in Cannes über großen Applaus für den Film, wie er im Deutschlandfunk Kultur erzählte. Er hatte sich vor dieser Produktion nie mit dem Werk des Reporters beschäftigt.  Der Film erzählt eine Geschichte aus dem Angola-Krieg  1975. Kapuscinski reiste damals durch das zerstörte Land. "Er war ein bisschen besessen davon, aus diesen Gebieten zu berichten", sagte Schubert. Die Regisseure Raúl de la Fuente und Damian Nenow erzählen davon in einem Mix von animierten und realen Bildern. Damals sei Kapuscinski vom Journalisten zum Schriftsteller geworden, sagte Schubert.

Godards Revolutionen

Er ist fast 90 Jahre alt und kann es nicht lassen: Regisseur Jean Luc Godard zeigte seinen neusten Film "Le livre D‘image" (Bilderbuch) im Wettbewerb. Vor 50 Jahren war er einer der Regisseure, die dafür sorgten, dass das Festival im Zuge der 68er-Proteste abgebrochen wurde. Heute sei es allerdings kaum noch denkbar, dass sich französische Filmemacher in vergleichbarer Weise beispielsweise mit den Streikenden bei der Bahn solidarisierten, sagte Filmredakteurin Katja Nicodemus im Deutschlandfunk Kultur. "Der Film ist ein großer Essay aus Filmausschnitten, aus Fotos, aus Zitaten, aus Musikzitaten und es geht auch immer wieder um die Frage,wie man mit BIldern was erzählen kann", sagte Nicodemus. Es gehe um die Vorbilder, vor denen sich Godard verbeuge und das ganze verschmlze zu einer Art Lavafluss, aus dem große Fragen emporstiegen.

Kirill Serebrennikov mit "Leto" präsent 

Das große Festivalgespräch war der in Moskau unter Hausarrest stehende Regisseur Kirill Serebrennikov. Er fehlte deshalb bei der Premiere seines Wettbewerbsbeitrag "Leto" (Sommer), der das Leben der russischen Punk- und Rockszene der 1980er-Jahre zeigt. "Für uns ging es darum, dass der Film für Kirill spricht", sagte der Produzent Ilya Stewart im Deutschlandfunk Kultur. "In seiner Abwesenheit bedeutet das die größtmögliche Präsenz." Der Regisseur habe keine Möglichkeit sich zu äußern, aber der Film vertrete ihn.

Jubel um "Cold war"

Auf Begeisterung bei den meisten internationalen Kritikern stößt der Film "Cold war" des polnischen Regisseurs Pawel Pawlikowski. Kinokritiker Jörg Taszman beobachtet, dass das osteuropäische Kino in Cannes besonders präsent und erfolgreich sei. Amazon habe bereits die US-Rechte von Pawlikowskis Film gekauft, auch deutsche Verleiher seien dran. In Ida, seinem Oscar-gekrönten Drama um eine junge Nonne, ging es bereits darum, wie stark individuelle Lebensbahnen von äußeren Umständen abhängen. Trotz weltweitem Erfolgs sei der Film aber in Deutschland nicht gut gelaufen, sagte Taszman. Bei "Cold war" gehe er von einem größeren Erfolg aus, weil Cannes zu einem Hype und größerem Markterfolg beitragen werde.

Troll-Sex und Kriegshetzer

Die größten Kontroversen in Cannes betreffen die harten Bilder des Ukrainers Sergej Losnitza, der in "Donbass" mit den Milizen und Separatisten in der Ostukraine hart ins Gericht geht. Und der schwedische Film "GRÄNS" sorgt für einen fantastischen Höhepunkt, indem er sich sehr realistisch mit den Fortpflanzungsmechanismen skandinavischer Trolle auseinandersetzt. Welche merkwürdigen Kinobilder das Festival sonst noch produziert hat und was das für die Kinokunst bedeutet, debattieren wir gemeinsam mit Kritikerin Anke Leweke.

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