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Kompressor | Beitrag vom 15.03.2018

Info-Offensive mit Wikipedia YouTubes zweifelhafter Kampf gegen Verschwörungstheorien

Philip Banse im Gespräch mit Timo Grampes

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Wir schauen einer Frau über die Schulter, die ein Mobiltelefon hält, auf dem Logos von YouTube zu sehen sind. (picture alliance / Revierfoto/Revierfoto/dpa)
Mobiltelefon mit Youtube-Logos (picture alliance / Revierfoto/Revierfoto/dpa)

Wer bei YouTube Inhalte recherchiert, landet zuweilen auch bei Videos, die Verschwörungstheorien verbreiten. Zukünftig sollen zur Aufklärung Wikipedia-Einträge direkt daneben eingeblendet werden. Medienwissenschaftler Philip Banse sieht das kritisch.

YouTube beabsichtigt, Wikipedia-Artikel neben Videos einzublenden, die Verschwörungstheorien und Fehlinformationen verbreiten. Die zu Google gehörende Plattform ist schon länger am Problem Verschwörungstheorien dran. Erst wurde der Algorithmus verändert, jetzt also die Info-Offensive mit Wikipedia. Medienwissenschaftler Philip Banse sieht auf jeden Fall Handlungsbedarf.

"Wenn auf der größten Video-Webseite der Welt bei der Suche nach großen Ereignissen, Verschwörungsvideos unter den ersten Suchergebnissen auftauchen und dir danach dann auch weitere empfohlen werden, dann finde ich schon, ist das ein großes Problem – gerade, weil auch viele Jugendliche erreicht werden."

"Diese Aktion zeigt eher die Ratlosigkeit von YouTube"

Er glaubt allerdings nicht, dass die Verlinkung zu Wikipedia-Artikeln einen großen Effekt haben wird. "Diese Aktion zeigt eher die Ratlosigkeit von YouTube, aber auch den anderen Netzwerken wie Twitter und Facebook", sagt Banse im Deutschlandfunk Kultur.

"Die sehen sich ja traditionell als neutrale Plattform, die einfach nur Inhalte verteilen, aber sie merken jetzt immer mehr, dass sie durch dieses Geschäft eben auch eine riesige Verantwortung haben – und die Gesellschaft verlangt, dass sie dieser nachkommen."

Das falle den Netzwerken aber schwer, "weil sie auf gar keinen Fall als journalistische Organisationen gesehen werden wollen, die inhaltliche Entscheidungen treffen und dann auch anderen Gesetzen unterliegen", so Banse weiter.

Wikipedia ist "verärgert"

Wikipedia hat inzwischen ein offizielles Statement zu den Plänen von Youtube herausgegeben.

"Das liest sich, würde ich sagen: überrascht, verwirrt, verärgert", meint Banse. Die hinter der Wikipedia stehende Stiftung schreibe, sie sei weder informiert worden, noch gebe es eine formale Partnerschaft mit YouTube.

Mit dieser Wikipedia-Artikel-Aktion versuche YouTube den Eindruck zu erwecken, man wolle Verantwortung übernehmen, kritisiert Philip Banse. 

"In Wahrheit aber verlagern sie diese Verantwortung billig raus in die Wikipedia, damit eben wieder weitere Millionen Dollars reinkommen können durch Videos, durch Werbeeinblendungen, die eben die Mondlandung als Hirngespinst oder die Erde als Scheibe darstellen."

(cwu)

Fazit

"Fashion Drive"Die Geschichte der Mode im Spiegel der Kunst
Édouard Manet (1832–1883) Jeanne Duval, la maitresse de Baudelaire (La dame a l’éventail), 1862 Öl auf Leinwand, 89,5 × 113 cm Museum of Fine Arts, Budapest (Budapest Museum of Fine Arts)

Zerrissene Jeans gehören heute ganz alltäglich zum Straßenbild, aber zerrissene Mode gab es auch schon in der Renaissance. Wie sie damals aussah zeigen prächtige Gemälde aus dem 16. Jahrhundert, die jetzt im Kunsthaus Zürich zu sehen sind – in der neuen Sonderausstellung "Fashion Drive – Extreme Mode in der Kunst".Mehr

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