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Im Gespräch | Beitrag vom 06.05.2017

Industrie 4.0Wie sieht die Arbeit der Zukunft aus?

Gäste: Prof. Dr. Gerhard Bosch, Arbeitsmarktexperte und Dr. Joachim Bühler vom Branchenverband Bitkom e.V. der Digitalwirtschaft

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Eine junge Frau sitzt mit ihrem Laptop an einem Seeufer im Grünen (imago/Westend61)
Wie werden wir in Zukunft arbeiten? Wahrscheinlich flexibler. (imago/Westend61)

Digitalisierung und Automatisierung haben unsere Arbeitswelt von Grund auf verändert: Kein Büro ohne Computer, kaum eine Werkshalle ohne computergestützte Maschinen. Das Zauberwort heißt: "Industrie 4.0".

Durch digitale Technik werden immer mehr Produktionsabläufe vernetzt und laufen vollautomatisch ab. Roboter übernehmen Aufgaben, die bisher von Menschen gelöst wurden.

Wie sehr wird sich unsere Arbeitswelt noch verändern? Wie werden wir in Zukunft arbeiten? Seit' an Seit' mit dem Kollegen Roboter – oder wird er uns auf kurz oder lang den Job wegnehmen?

Welche Berufe werden bleiben? Wie werden sie sich verändern? Welche fallen weg? Und wie sehen die neuen Jobs der Industrie 4.0 aus? Wo liegen die Chancen, wo die Gefahren?

Industrie 4.0 als "Wohlstandstreiber"

"Dies ist der größte Umbruch seit der Industrialisierung", sagt Dr. Joachim Bühler, Geschäftsführer Politik & Wirtschaft beim Branchenverband Bitkom e.V. der Digitalwirtschaft.

"Wenn Sie sehen, wie das Smartphone die Arbeit in den letzten zehn Jahren verändert hat, wie flexibel arbeiten geworden ist. Das sind Dinge, die vor 20 Jahren noch nicht denkbar waren. Heute können Sie Ihre Büroarbeit von der Parkbank aus erledigen."

Die Arbeitsweisen und Wertschöpfungsketten veränderten sich rasant.

"In jedem Beruf, sei er noch so analog angelegt, wird man sich damit auseinandersetzen müssen. Nehmen sie den Elektriker, der musste noch vor zehn Jahren ordentlich Kabel verlegen können. Wenn der in zehn Jahren nicht mit den Herausforderungen des 'Smart Home' umgehen kann, dann wird er in Zukunft keinen Job mehr haben." 

Bühler sieht in der Industrie 4.0 große Chancen: "Sie ist der Wohlstandstreiber."

"Klassische Arbeit nicht gegen digitale ausspielen"

Derzeit seien die Unternehmen, aber auch das Ausbildungssystem auf diesen Wandel nicht ausreichend vorbereitet.

"Heute müssen wir die Bildungssysteme ändern, heute müssen wir die Ausbildungsberufe ändern, heute müssen wir das Hochschulsystem verändern, damit wir für die Zukunft gerüstet sind."

Sein Apell: "Wir dürfen die klassische Arbeit nicht gegen die digitale Arbeit ausspielen." Seine Prognose: "Ich gehe davon aus, dass wir im Jahr 2025 eine komplett andere Arbeitswelt haben, aber es wird eine bessere Arbeitswelt sein."

Mehr Verdichtung, mehr Kontrolle

"Ein Riesenvorteil ist, dass damit Arbeit entlastender gestaltet werden kann, dass Routinefunktionen übernommen werden, so dass die Arbeit interessanter werden kann", sagt Prof. Dr. Gerhard Bosch. Der Arbeitsmarktexperte war bis 2016 der Direktor des Instituts für Arbeit und Qualifikation an der Universität Duisburg-Essen.

Der Wissenschaftler warnt aber auch vor den Nachteilen:

"Die Arbeit wird immer mehr verdichtet, es gibt immer mehr Kontrolle. Auch durch die Vernetzung: Sie werden transparenter, der Konkurrenzdruck nimmt zu, das Arbeitsleben wird hektischer."

Dies bestätigt auch eine aktuelle Studie des DGB.

Boschs Beobachtung:

"Wir haben bereits jetzt eine Menge von verarbeitenden Prozessen, die automatisiert sind. Und die Roboterisierung geht weiter: Bürotätigkeiten werden wegfallen, auch im Versicherungs- und Bankenbereich. Dafür werden andere Tätigkeiten zunehmen: In der Pflege, in der Bildung, Freizeittätigkeiten, die Gastronomie kann weiter wachsen, Haushaltsleistungen werden ausgelagert. Es ist nicht so, dass wir keine Bedarfe haben."

Industrie 4.0 – Wie werden wir arbeiten?

Darüber spricht Klaus Pokatzky heute von 9 Uhr 05 bis 11 Uhr mit Joachim Bühler und Gerhard Bosch. Hörerinnen und Hörer können sich beteiligen unter der Telefonnummer 00800 2254 2254, per E-Mail unter gespraech@deutschlandradiokultur.de – sowie auf Facebook und Twitter.

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