Hologramm aus dem Jenseits

US-Forscher arbeiten an digitalem Klon

Ein Hologramm des verstorbenen Popmusikers Michael Jackson.
So wie dieses Hologramm des verstorbenen Popmusikers Michael Jackson könnte der digitale Klon aussehen. © imago/Pixsell
Von Martin Ganslmeier · 09.08.2016
Der virtuelle Klon des verstorbenen Opas tritt mit den Enkeln in Kontakt? Forscher aus Boston wollen das möglich machen. Aus Online-Daten sollen möglichst exakte digitale Abbilder von Menschen erschaffen werden.
Man kennt es aus Hollywood-Filmen wie "Superman": Mit Hilfe eines dreidimensionalen Hologramms können Verstorbene wieder unter den Lebenden auftauchen und sogar um Rat gefragt werden.
Was bisher Fiktion war, will einer der führenden Experten für künstliche Intelligenz in den USA in die Realität umsetzen: Hossein Rahnama forscht am Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Boston. Er will die IT-Voraussetzungen dafür schaffen, dass wir auch nach unserem Tod als digitale Klone lebendig bleiben können.
"Alles eine Frage von Daten-Input und möglichst genauen Algorithmen", betont der Forscher im ARD-Interview, deshalb müssten zunächst viele Informationen gesammelt und ausgewertet werden. "Je mehr Mails, Twitter- und Facebook-Einträge der Computer sammelt und auswertet, umso exakter entspricht der digitale Klon dem biologischen Original", sagt Rahnama.

Als Text-Dialog, Stimme oder 3-D-Avatar

Wenn das Original dann irgendwann stirbt, springt für die Nachwelt der digitale Klon ein. Indem er zum Beispiel Fragen der Enkelkinder so beantwortet, wie das Opa getan hätte, wenn er noch leben würde.
In welcher Erscheinungsform der digitale Klon des verstorbenen Großvaters mit seinen Enkeln in Kontakt tritt, dafür werde es künftig mehrere Möglichkeiten geben, so der Professor.
"Das könnte als Dialog erfolgen, so wie bei Whatsapp. Es könnte aber auch ein Audio wie bei Siri sein. Oder wenn man einen talentierten 3-D-Designer hat, sogar als Avatar." Also als körperliche Manifestation in Form einer 3-D-Projektion oder sogar als Hologramm.
So wie 2014 bei den Billboard Music Awards bereits geschehen, als plötzlich Michael Jackson als Hologramm täuschend echt auf der Bühne tanzte, obwohl er fünf Jahre zuvor gestorben war.

9,99 Dollar im Monat

Professor Rahnama, der in den USA als Vordenker der Zukunft gilt, forscht nicht nur, sondern hat auch ein Unternehmen gegründet, um mit seiner Idee Geld zu verdienen. Ab dem kommenden Jahr können sich Interessierte bei seiner Firma melden, um ihre Mails und Social-Media-Aktivitäten auswerten zu lassen. Das alles werde nicht mehr kosten als eine günstige Lebensversicherung:
"9,99 Dollar im Monat. Je früher man anfängt, um so besser. Die Daten werden gesammelt und wachsen zu einer starken Datengrundlage und virtuellen Person."
Der findige Zukunftsforscher aus den USA ist überzeugt, dass das Geschäft mit der digitalen Unsterblichkeit Erfolg haben wird. Die Frage, ob man nicht Angst vor einem Missbrauch seiner persönlichen Daten haben müsse, verneint Professor Rahnama. Alle Mails, Textbotschaften und Tweets würden so verschlüsselt, dass sie auch vor Hackern sicher sind.
Und den Schlüssel zum digitalen Klon eines Verstorbenen sollen nur jene Angehörigen und Freunde bekommen, die das biologische Original zu seinen Lebzeiten dazu auserwählt hat.
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