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Freitag, 22.06.2018
 
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Klangkunst | Beitrag vom 22.06.2018

Hörstück von Jan JelinekZwischen – 22 Lautgedichte

Von Jan Jelinek

Wir alle kennen das Verhängnis des Sprechens: Der Redner stockt (picture alliance / dpa / Peter Steffen)
Wir alle kennen das Verhängnis des Sprechens: Der Redner stockt (picture alliance / dpa / Peter Steffen)

Wir alle kennen das Verhängnis des Sprechens: Der Redner stockt, dehnt Laute, pausiert, schweigt, setzt mehrfach an. Es entsteht eine Verzögerung, viel mehr ein Sprachgeräusch. Solche Leerstellen führen oftmals zu Irritationen, stehen sie doch für das Scheitern rednerischen Geschicks. Was aber, wenn sie zum konstitutiven, poetischen Moment werden?

Die lautpoetische Collage versammelt 22 Antworten auf 22 Fragen. Allen Antworten ist gemeinsam, dass sie in öffentlichen Interviewsituationen aufgezeichnet worden sind. Aus der Artikulation der Befragten – allesamt eloquente, in der Öffentlichkeit stehende Persönlichkeiten – werden ihre Verzögerungen extrahiert und aneinander montiert. Es entstehen Klangcollagen der Stille. Doch ist diese Stille trügerisch, denn in ihr schweigt lediglich Bedeutung. Hörbar bleibt eine archaische Körpersprache: Modi des Atmens, Planungsphasen, gärende, nach Sinn ringende Wortpartikel, die sowohl in lautmalerischen Tumult ausbrechen, als auch in sonores Rauschen abdriften können.

Zwischen – 22 Lautgedichte
Von Jan Jelinek
Mit: Bodo Primus
Technische Realisierung: Norbert Vossen, Bettina Krol
Produktion: SWR 2017

Länge: 43'33

Jan Jelinek, geboren 1971 in Bad Hersfeld, lebt und arbeitet als Musiker und Musikproduzent in Berlin. 2008 gründete er das Label Faitiche. 2012 erhielt er den Karl-Sczuka-Förderpreis. Im Jahre 2016 war Jan Jelinek Artist-in-Residence in der Villa Aurora in Los Angeles, USA.

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