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Montag, 20.11.2017

Kulturnachrichten

Sonntag, 10. September 2017

Historikerin und Afghanistan-Expertin Dupree gestorben

Dupree widmete ihr Leben der Kultur und Geschichte Afghanistans

Die US-Historikerin Nancy Hatch Dupree ist tot. Dupree widmete mehr als fünf Jahrzehnte ihres Lebens dem Land am Hindukusch und setzte sich für die Erhaltung des kulturellen Erbes ein. Die im indischen Kerala geborene Historikerin starb in der Nacht auf Sonntag in Kabul, teilte das von ihr gegründete Afghanistan-Zentrum der Universität Kabul (ACKU) mit. Die auch als "Großmutter Afghanistans" bekannte Historikerin sammelte mehr als 80 000 historische Dokumente. Die Duprees mussten das Land nach dem Einmarsch der Sowjetunion 1979 verlassen. Die von Dupree und ihren Unterstützern gesammelten - und oftmals aus Afghanistan geschmuggelten - Bücher und Unterlagen sind oft die einzigen, die von den Plünderungen und Zerstörungen verschont blieben. Erst 2005 kehrte Dupree wieder nach Afghanistan zurück. Regierungsgeschäftsführer Abdullah Abdullah schrieb auf Twitter über den Respekt der Afghanen für Duprees Arbeit. "Nancy wird uns fehlen", fügte er hinzu. Das ACKU wurde durch ihre Arbeit zum größten Forschungszentrum im Land.

Kulturrat zieht Bilanz zum Reformationsgedenken

Geschäftsführer sieht verpasste Chancen der evangelischen Kirche

Der Deutsche Kulturrat zieht eine gemischte Bilanz des Reformationsgedenkens. Geschäftsführer Olaf Zimmermann erklärte, positiv für seine Institution sei "die intensive Beschäftigung mit der Reformation als Kulturereignis" gewesen. Zugleich habe die evangelische Kirche eine große Chance verpasst, "sich gerade zum Jubiläum zu öffnen und die verschiedenen zivilgesellschaftlichen Akteure zur Mitarbeit auf Augenhöhe einzuladen". In der Zeitung "Politik & Kultur" seines Gremiums lässt Zimmermann die vergangenen zehn Jahre der Lutherdekade kritisch Revue passieren, die der Deutsche Kulturrat mit vielen Veröffentlichungen begleitet hat. So erschien in zwei Auflagen das Buch "Disputationen: Reflexionen zum Reformationsjubiläum 2017". Darin setzen sich Autoren mit dem historischen Martin Luther und vor allem mit der aktuellen Bedeutung der Reformation auseinander. Die drei nationalen Sonderausstellungen zum Lutherjahr in Berlin, Eisenach und Wittenberg sind noch bis Ende November geöffnet.

Schriftsteller Uwe Timm: Soli nach Afrika umleiten

Einnahmen des Solidaritätszuschlags sind nicht zweckgebunden

Schriftsteller Uwe Timm schlägt vor, den Solidaritätszuschlag nach Afrika umzuleiten. "Das sind immerhin rund 14 Milliarden Euro. Statt zu überlegen, ob man damit Straßen in Nordrhein-Westfalen modernisiert, könnten Schulen, Gesundheitsaufklärung und Krankenhäuser in Afrika finanziert werden", sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Die Menschen in Afrika flüchteten vor Elend und schreiender Ungerechtigkeit. Europa baue Wälle und Grenzzäune, "dabei geht es doch darum, die Probleme an den Wurzeln zu berühren", sagte Timm. Den Soli umzuleiten, sei naheliegend und schnell umsetzbar. Große Chancen dafür sieht er allerdings nicht. Der Solidaritätszuschlag ist eine in den 90er Jahren eingeführte Ergänzungsabgabe zur Einkommenssteuer. Die Einnahmen sind nicht zweckgebunden und stehen dem Bund zu.

NRW-Staatspreis "Manu factum" verliehen

Werke sind im Museum für Kunst und Kulturgeschichte in Dortmund zu sehen

Fünf Kunsthandwerker aus Nordrhein-Westfalen haben den mit 60 000 Euro dotierten Staatspreis "Manu factum" erhalten. Wirtschafts- und Digitalminister Andreas Pinkwart würdigte bei der Verleihung ihre Arbeiten zu den Themenfeldern Medien, Möbel, Schmuck, Skulpturen und Wohnen. In Zeiten, in denen Handwerksbetriebe ihre Fertigung und ihre Geschäftsmodelle digitalisierten, brauche es kreative Impulse, sagte Pinkwart laut Mitteilung. Die Preisträger: Ira Marom aus Düren, Ulrike Becker aus Münster, Alessa Joosten aus Düsseldorf, Barbara Hattrup aus Salzkotten und Konrad Koppold aus Leverkusen. Die Landesregierung verleiht die Auszeichnung "Manu factum" seit den 1960er Jahren alle zwei Jahre. Die insgesamt 136 Werke der Wettbewerbsteilnehmer sind vom 10. September bis 5. November 2017 im Museum für Kunst und Kulturgeschichte in Dortmund zu sehen.

"Manchester Arena" nach Terrorattacke wiedereröffnet

Konzert-Einnahmen sollen Finanzierung einer Gedenkstätte dienen

Knapp vier Monate nach dem Terroranschlag in der "Manchester Arena" mit 23 Toten haben Musiker die Veranstaltungshalle mit einem Benefizkonzert wiedereröffnet. Zu den 14 000 Besuchern zählten auch Überlebende der Attacke. Mit den Einnahmen soll eine Gedenkstätte für die Opfer finanziert werden. "Die Opfer werden wir nie vergessen, aber wir müssen vorwärts gehen mit Liebe und nicht mit Hass - so werden wir gewinnen", rief der Komiker Peter Kay den Besuchern des Benefizkonzerts zu. Auf der bewegenden Veranstaltung traten Künstler aus dem Großraum Manchester auf. Darunter waren der ehemalige Oasis-Musiker Noel Gallagher und die Rockbands Blossoms und Courteeners. Bei dem Konzert "Wir sind Manchester" wurden auch die Namen der 22 Menschen verlesen, die der Attentäter Salman Abedi am 22. Mai mit in den Tod gerissen hatte. Etwa 250 Menschen waren verletzt worden. Der 22-jährige Täter war Brite mit libyschen Wurzeln.

Deutsche Netflix-Serie hat in Toronto Weltpremiere

Vorstellung der beiden Auftakt-Folgen der 10-teiligen Mystery-Staffel

"Dark", die erste deutsche Netflix Original-Serie, hat beim 42. Toronto International Film Festival (TIFF) Weltpremiere gefeiert. Mit der Vorstellung der beiden Auftakt-Folgen der 10-teiligen Mystery-Staffel soll Deutschland auf dem globalen Online-Serienmarkt voranrücken, der von Anbietern wie Netflix oder Amazon angetrieben wird. Für Regisseur Baran bo Odar und Drehbuchautorin Jantje Friese ist es nach gemeinsamen Kinofilmen die erste Serienproduktion. "Dark" spielt in der kleinen Industrie-Stadt Winden, in der zwei Kinder verschwinden. Bei der Suche nach den Verschollenen werden nicht nur Doppelleben und tiefe Ängste der Bewohner aufgedeckt, auch mysteriöse und dunkle Geheimnisse kommen langsam an die Oberfläche. Im Winter 2017 sollen die zehn Episoden für Netflix-Abonnenten in 190 Ländern zu sehen sein. Ein genauer Termin steht laut Netflix noch nicht fest.

"Tag des offenen Denkmals" eröffnet

Über 7500 Denkmäler für Besucher geöffnet

Bundesbauministerin Barbara Hendricks hat in Oldenburg den bundesweiten "Tag des offenen Denkmals" eröffnet. In ganz Deutschland sind mehr als 7500 Denkmäler für Besucher geöffnet. Neben historischen Gebäuden sind auch viele Parks und archäologische Stätten zugänglich. Unter dem Motto "Macht und Pracht" soll diesmal ein Fokus darauf gelegt werden, wie Adel, Bürgertum und Kirche in den vergangenen Jahrhunderten durch Architektur und Kunsthandwerk ihren Führungsanspruch sichtbar machten. Die Organisatoren von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz erwarten wieder mehrere Millionen Besucher. "Die über eine Million Denkmäler in Deutschland sind Ausdruck unserer Identität und Geschichte", betonte Hendricks. Sie dankte dem Veranstalter und den vielen Haupt- und Ehrenamtlichen, "die sich für das Bewahren und die Pflege des baukulturellen Erbes in Deutschland einsetzen und mit großen Engagement jedes Jahr aufs Neue den Tag des offenen Denkmals zu einem unvergesslichen Erlebnis machen".

Goldener Löwe für Märchen "The Shape of Water"

Regisseur del Toro gewinnt Hauptpreis des Filmfestivals Venedig

Zum ersten Mal nimmt damit ein mexikanischer Regisseur die höchste Auszeichnung mit nach Hause. Guillermo del Toro bekam den Preis für sein bildgewaltiges und fantasievolles Märchen "The Shape of Water" über eine ungewöhnliche Liebe zwischen einer Putzfrau und einem rätselhaften Amphibienwesen. Die Hauptrollen besetzte del Toro mit der Britin Sally Hawkins und dem US-Amerikaner Doug Jones. Der Große Preis der Jury ging an die deutsche Koproduktion "Foxtrot". Der israelische Regisseur Samuel Maoz beobachtet darin, wie die Familie eines jungen Soldaten mit dessen Tod umgeht. Als bester Schauspieler wurde der Palästinenser Kamel El Basha für "The Insult" geehrt, die Britin Charlotte Rampling wurde beste Schauspielerin für ihre Rolle in "Hannah".

Nike Wagner nennt Verhaftung von Akhanli "absurd"

Wagner kritisiert auch die "furchterregende Rückbesinnungen ins Nationale"

Die Intendantin des Beethovenfests 2017, Nike Wagner, hat die Verhaftung des türkischstämmigen Autors und Bürgerrechtlers Dogan Akhanli kritisiert. Es sei "vollends absurd, wenn deutsche Türken wegen türkeikritischer Haltung auf Wunsch der türkischen Regierung in Spanien verhaftet werden", sagte sie. Der in Köln lebende deutsche Staatsbürger Akhanli wird seit 19. August in Spanien festgehalten. Anders als zur Zeit Beethovens sei die Türkei heute "mitten in Deutschland", sagte die Urenkelin von Richard Wagner in ihrem Festvortrag zur Eröffnung des Beethovenfests 2017.

Journalistenverbände forden Freilassung Yücels

Medienorganisationen sehen auch die Bundesregierung in der Pflicht

In einem Offenen Brief an den türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan fordern 14 journalistische Organisationen die sofortige Freilassung von "Welt"-Korrespondent Deniz Yücel und allen anderen aus politischen Gründen inhaftierten Journalisten in der Türkei. Die Unterzeichner, darunter die Gewerkschaft DJV (Deutscher Journalisten-Verband), die Recherche-Verbände journalists.network, Netzwerk Recherche und Correctiv sowie der Verein n-ost vertreten nach eigenen Angaben mehrere zehntausend Journalisten weltweit.
Frank Überall, Bundesvorsitzender des DJV, wies am Samstag darauf hin, dass sich die Türkei zum "weltweit größten Journalistenknast" entwickelt habe.

Künstler JR montiert Foto von Kleinkind auf Grenzmauer

JR ist für seine überlebensgroßen Portraits bekannt

Der französische Streetart-Künstler JR hat ein riesiges Foto eines Kleinkindes auf eine Stahlmauer zwischen den USA und Mexiko montiert. Das 20 Meter hohe Foto des mexikanischen Kindes, dem einjährigen Kikito aus Tecate, zeigt, wie der Junge versucht, etwas zu greifen. Über der Mauer platziert, wird so der Eindruck erweckt, als sei das Stahlkonstrukt ganz leicht in die Luft zu heben. In dieser Woche erklärte US-Präsident Donald Trump, er werde ein Schutzprogramm für Einwanderer beenden, die illegal als Kind in die Vereinigten Staaten gebracht worden waren. JR sagte, sein Projekt überschneide sich nicht absichtlich mit der Nachricht.

Eric Clapton und Rod Steward stehen jetzt im Gesangbuch

Songs werden offiziell kirchliches Liedgut

Die Lieder von Eric Clapton und Rod Stewart stehen in einem Gesangbuch, das die evangelische Kirche in Hessen-Nassau am Sonntag eingeführt hat. Rod Steward sei mit "Sailing" vertreten, heißt es in einer Mitteilung. Der Clapton-Klassiker "Tears in heaven" wird zum Thema Sterben und Ewiges Leben empfohlen. Unter den 164 neuen Liedern ist auch die Fußballhymne "You'll never walk alone", die unter Fans Kultstatus hat. Die Auswahl wurde in einem Beiheft zum klassischen Gesangbuch zusammengefasst.

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