Seit 10:07 Uhr Lesart
 
  • facebook
  •  
  • twitter
  •  
  • instagram
  •  
  • spotify
 
Seit 10:07 Uhr Lesart
 
 

Interview / Archiv | Beitrag vom 14.01.2016

Historiker Wolfgang Benz"Agitation der Muslimfeinde ist schon weit voran geschritten"

Wolfgang Benz im Gespräch mit Nicole Dittmer und Christian Rabhansl

Podcast abonnieren
Ein Anhänger der Pegida-Bewegung demonstriert gegen die angebliche Islamisierung Europas. Er hält ein Schild mit der Aufschrift: "Keine Islamisirung Europas". (Imago / Christian Ditsch)
Ein Anhänger der Pegida-Bewegung demonstriert gegen die angebliche Islamisierung Europas. Er hält ein Schild mit der Aufschrift: "Keine Islamisirung Europas". (Imago / Christian Ditsch)

Darf man Islamfeindlichkeit in Deutschland kritisieren, ohne gleichzeitig auch Dinge wie Islamismus zu erwähnen? Auf diese Kritik an einer aktuellen Tagung entgegnet der Historiker Wolfgang Benz, das ziele darauf, Muslime pauschal zu diffamieren. Diese Agitation zeige bereits Wirkung in der Gesellschaft.

Zur Frage, ob man Islamfeindlichkeit in Deutschland kritisieren darf, ohne gleichzeitig auch Dinge zu erwähnen wie Islamismus oder den muslimischen Hintergrund derer, die in der Silvesternacht in Köln sexuelle Übergriffe auf Frauen verübt haben, hat sich der Historiker und Antisemitismusforscher Wolfgang Benz im Deutschlandradio Kultur befremdet gezeigt:

"Das ist ja eine uralte Forderung seit Jahr und Tag, die darauf hinausläuft, friedlichen Islam mit ein paar wild gewordenen und äußerst verabscheuungswürdigen Islamisten in einen Topf zu werfen. Das ist doch nicht Kritik, das ist doch Agitation. Und da steht doch eine Absicht dahinter. Nämlich, jeden Muslim, weil er Muslim ist, zu diffamieren und zu denunzieren."

Auslöser für die Debatte ist die Tagung "Antimuslimischer Rassismus und Islamfeindlichkeit in Deutschland und Europa", die seit diesem Donnerstag in Osnabrück stattfindet. Am Donnerstagmorgen hatte der Politikwissenschaftler Clemens Heni im Interview mit Deutschlandradio Kultur kritisiert, .

"Eine wissenschaftliche Tagung bemüht sich um Differenzierung"

Dies wies Wolfgang Benz, Teilnehmer der Tagung in Osnabrück, zurück:

"Eine wissenschaftliche Tagung, wie die heute beginnende, bemüht sich aber um Differenzierung und nicht alles in einen Topf zu werfen und so lange zu rühren, bis ein schrecklicher Brei entsteht."

Dadurch, dass es an dieser Differenzierung in der deutschen Gesellschaft mangele, sieht Benz bereits negative Auswirkungen:

"Sie müssen ja nur nach Dresden blicken, Sie müssen ja nur diese furchtbaren Redensarten, die wir aus der sogenannten Alternative für Deutschland hören, betrachten, um zu sehen, dass die Agitation der Muslimfeinde schon ziemlich weit voran geschritten ist und schon ziemlich in der Gesellschaft Wirkung zeigt."

Die Tagung "Antimuslimischer Rassismus und Islamfeindlichkeit in Deutschland und Europa" findet noch bis Sonntag, 16. Januar 2016 in Osnabrück statt. Mehr Informationen auf der Webseite der Universität Osnabrück

Mehr zum Thema

Islamfeindlichkeit - "Pegida ist nicht speziell anti-islamisch"
(Deutschlandradio Kultur, Interview, 14.01.2016)

Religionsunterricht - Wie Schule religiöser Konfrontation vorbeugt
(Deutschlandradio Kultur, Politisches Feuilleton, 13.01.2016)

Türkischstämmige Männer in Berlin - "Wir sind auf der Seite der Frauen in Köln"
(Deutschlandradio Kultur, Studio 9, 12.01.2016)

Übergriffe auf Frauen in Köln - "Die Dimension ist eine andere"
(Deutschlandfunk, Interview, 06.01.2016)

Deutschland zum Jahresbeginn 2016 - Das Ende der Willkommenskultur?
(Deutschlandradio Kultur, Wortwechsel, 15.01.2016)

Herfried Münkler zu Pegida und Co. - "Dresden ist eher ein Sonderfall"
(Deutschlandradio Kultur, Interview, 12.01.2016)

Debatte nach Gewalttaten in Köln - Wir müssen streiten, nicht spalten
(Deutschlandradio Kultur, Politisches Feuilleton, 12.01.2016)

Interview

Was hilft gegen den Dauerregen?Die Stadt zum Schwamm machen
Touristen stehen vor dem Brandenburger Tor in Berlin Grad im Regen. (picture-alliance / dpa / Stephanie Pilick)

Wenn der Regen so kräftig fällt wie in den letzten Wochen, kann auch mal die Infrastruktur einer Stadt wie Berlin kollabieren. Experten raten deswegen zum Umdenken: Regenwasser soll nicht mehr so schnell wie möglich abgeleitet und abtransportiert werden. Sondern? Bleiben!Mehr

NSU-ProzessPlädoyer für den Plädoyer-Mitschnitt
Der Bundesanwalt Herbert Diemer (l-r), Oberstaatsanwältin Anette Greger und Bundesanwalt Jochen Weingarten stehen am 25.07.2017 im Gerichtssaal in München (Bayern) an ihrem Platz. Vor dem Oberlandesgericht wurde der Prozess um die Morde und Terroranschläge des "Nationalsozialistischen Untergrunds" (NSU) fortgesetzt. (dpa / Peter Kneffel)

In deutschen Gerichtssälen gilt das gesprochene Wort: Mitgeschnitten wird grundsätzlich nicht. Mit Beginn der Plädoyers beim NSU-Prozess ist die Debatte um Sinn und Unsinn dieser Regelung wieder entflammt. Rechtsexperte Udo Vetter hält das Mitschnittverbot für veraltet.Mehr

weitere Beiträge

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur