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Freitag, 15.12.2017

Studio 9 - Der Tag mit ... | Beitrag vom 15.06.2017

Herbert Feuerstein wird 80Auf der Suche nach dem Witz

Tilmann Spengler im Gespräch mit Korbinian Frenzel

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Der Schauspieler, Entertainer und Kabarettist Herbert Feuerstein im Jahr 2012. (picture alliance / dpa / Stephanie Pilick)
Der Kabarettist Herbert Feuerstein feiert heute seinen 80. Geburtstag (picture alliance / dpa / Stephanie Pilick)

Zum 80. Geburtstag des Kabarettisten Herbert Feuerstein hat der Schriftsteller Tilmann Spengler über die interkulturelle Dimension des Humors nachgedacht. Es sei eigenartig, wie leicht dessen angelsächsisch geprägter Stil sich adaptieren lasse.

"Diese Art von Humor wurde in Deutschland nicht erfunden, sondern der ist sehr stark durch den angelsächsischen Raum natürlich geprägt worden", sagte der Sinologe und Schriftsteller Tilmann Spengler im Deutschlandradio Kultur über die humoristischen Leistungen des Kabarettisten Herbert Feuerstein.  Der Entertainer österreichischer Herkunft war Chefredakteur des deutschen MAD Magazins und wurde einem breiten Publikum vor allem durch seine Zusammenarbeit mit Harald Schmidt in den TV-Sendungen "Psst" und "Schmidteinander" bekannt. Feuerstein feiert heute seinen 80. Geburtstag. "Es ist ganz eigenartig, wie leicht sich das adaptieren lässt, da geht nicht irgendetwas verloren", sagte Spengler. Feuerstein und Schmidt seien dabei niemals nur die B-Version US-amerikanischer Vorbilder gewesen, wie beispielsweise des TV-Moderators und Komikers David Letterman.

Tilman Spengler (Deutschlandradio / Manfred Hilling)Tilman Spengler (Deutschlandradio / Manfred Hilling)

Humor aus der Sung-Zeit

"Worüber lachen wir noch und worüber finden wir es sehr schwierig zu lachen?", sagte Spengler. Als Sinologe habe er schon in der Münchner Studentenzeit frühe Erfahrungen mit den interkulturellen Grenzen des Humors gesammelt. Bei einem Seminar über den chinesischen Humor der späten Sung-Zeit im 11. Jahrhundert habe er einen brillanten Professor gehabt, der mit seinen Studenten chinesische Witze aus der Sung-Zeit las. "Hätte nicht der Professor an den entsprechenden Stellen sein Gesicht zu einem Lachen verzogen, wären wir nie darauf gekommen, dass hier irgendeine Form der Komik sein könnte", sagte Spengler. "Das machte es zu einer richtig komischen Veranstaltung, aber die war nicht irgendwie durch den Text vorgegeben, sondern allein durch die Situation." Ein sehr ähnliches Erlebnis gab es Jahre später während einer Theatervorstellung in einem tibetischen Kloster, bei der weise, wichtige Männer unvermittelt zu lachen begannen. "So merkte ich, dass das keine Universalsprache ist", sagte Spengler.     

Die ganze Sendung mit Tilmann Spengler hören sie hier  

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