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Tonart | Beitrag vom 07.05.2018

Heinz Rudolf Kunze und sein Album "Schöne Grüße vom Schicksal""Wir bewegen uns in einer Art Neo-Weimar"

Heinz Rudolf Kunze im Gespräch mit Matthias Mauersberger

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Heinz Rudolf Kunze (picture alliance / Sina Schuldt)
Profiliert, eigenwillig, vielfältig: Heinz Rudolf Kunze (picture alliance / Sina Schuldt)

Die große Mehrheit müsse endlich aufwachen und sich wehren, sagt Heinz Rudolf Kunze. Denn: Die Mitte werde von den extremen Rändern gefährdet. Mit seinem neuen Album "Schöne Grüße vom Schicksal" will Kunze sein Publikum auch aufrütteln.

Am Freitag erschien mit "Schöne Grüße vom Schicksal" das insgesamt 36. Album von Heinz Rudolf Kunze. Es ist die erste Zusammenarbeit mit Electrola / Universal Music und soll, so ist zu hören, keine Eintagsfliege bleiben. Ein rockiges Album in der Tradition seiner legendären (Begleit-)Band Verstärkung, die bis heute in wechselnden Besetzungen als kreativer Kern seiner Rocksongs und -balladen gilt.

Überall Idiotie, Blödheit und Verflachung

Mit seinen Songs wolle er seine Zuhörer auch aufrütteln, sagt Kunze: "Wir, das sind alle, die sich nicht abfinden wollen mit galoppierender Idiotie, mit Blödheit, Verflachung, Schwachsinn in jeder Form - vom Weißen Haus bis nach Bielefeld."

Der Musiker und Schriftsteller verglich die aktuelle Entwicklung mit der Situation in Weimar. Wir bewegten uns uns in einer "Art Neo-Weimar", so Kunze. "Die vernünftige Mitte wird bombardiert von den extremen Rändern und ist stark gefährdet. Man muss sich große Sorgen machen, wenn die große Mehrheit nicht endlich aufwacht und sich wehrt."

Vorwürfe richtet Kunze auch an die etablierten Parteien. "Wir haben immer mehr Menschen, die sich zornig und enttäuscht von der etablierten Politik abwenden und sich im Stich gelassen fühlen und zu den Rändern, zur AfD oder auch zur Linken, laufen und die etablierte Politik, die bürgerlichen Normalparteien, kaprizieren sich auf esoterische Elfenbeinturmthemen und verlieren die einfachen Menschen aus dem Blick."

Der Echo sollte reformiert werden

Kunze bedauerte, dass der Echo abgeschafft wird. Er habe zwar nie einen bekommen. Aber: "Ich will nicht, dass der Echo abgeschafft wird. Er soll reformiert werden." Lächelnd ergänzte er: "Ich will nochmal den Lebenswerkpreis haben." Zugleich übte er Kritik an der Vergabe des letzten Echo auf seiner Facebook-Seite veröffentlichte er den Text "Die Allianz der Ränder":

Texter, Übersetzer und Dozent

Kunze nur auf sein Wirken als Musiker, Komponist und Songschreiber zu reduzieren, würde ihm nicht gerecht werden. Er veröffentlicht seit vielen Jahren Gedicht- und Textbände, den Roman "Vor Gebrauch schütteln", er hat Musicals ins Deutsche übertragen oder neue Libretti geschrieben und er wirkt als Dozent für Songwriting.

In erster Linie ist HRK aber als Rockmusiker, als Liedermacher und mit seinem akustischen Trio-Projekt "Räuberzivil" unterwegs. Er arbeitet mit anderen Musikern zusammen, schreibt für Kolleginnen und Kollegen neue Lieder und arbeitet mit ihnen im Duett. Er hat sich mit der Figur Quentin Qualle dem Kinderlied verschrieben und gilt vielen heute als einer der profiliertesten und eigenwilligsten deutschen Songpoeten.

Tonart

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