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Lesart | Beitrag vom 31.03.2017

Heimat-Boom im BuchSehnsucht und quälende Erinnerung

Jörg Magenau im Gespräch mit Frank Meyer

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Hirschgeweihe hängen in der Stube vom Ludwig Thoma Haus auf der Tufften am Tegernsee an der Wand. (imago )
Heimatidylle: Man spreche heute wieder positiv über Heimat, meint Jörg Magenau. Selbst Hirschgeweihe könne man sich wieder an die Wand hängen. (imago )

"Heimaterde", "Am Anfang war Heimat" oder "Was ist eigentlich Heimat?": Deutsche Autoren beschäftigen sich gerade viel mit diesem Thema. Ganz neu ist das aber nicht, weiß unser Literaturkritiker Jörg Magenau.

Natürlich spreche man immer über Heimat, habe immer eine oder vermisse eine, sagt Literaturredakteur Jörg Magenau. Zum literarischen Heimat-Boom meint er: Derzeit werde sehr viel Heimat vermisst - aus zwei gegensätzlichen Gründen:

"Auf der einen Seite gibt es die Flucht- und Migrationsbewegungen - Menschen, die in andere Länder kommen und ihre Heimat verloren haben, sich vielleicht zurücksehnen, die aber hier sind (...). Und auf der anderen Seite gibt es die Globalisierung und eine zunehmende Mobilität, die uns dazu zwingt, unsere Herkunftsorte zu verlassen und woanders unser Glück zu suchen."

Sehnsucht nach der Heimat - ein oft wiederkehrendes Motiv. Bei dem Autor Daniel Schreiber ("Zuhause") jedoch werde klar: Heimat müsse man sich mitunter neu schaffen, so Magenau. Gerlach beschreibe in seinem Buch seine Kindheit in einem Dorf in Mecklenburg als "die schwierigste Zeit überhaupt", weil er als Schwuler drangsaliert worden und ein Außenseiter gewesen sei.

Dorfromane sind keine Besonderheit

Heimat habe in der Literatur "eigentlich immer" eine Rolle gespielt, es sei "keine Besonderheit, dass es heute viele Bücher gibt, die in der Provinz spielen, die Dorfromane sind". Dazu zähle Juli Zehs großer Erfolg "Unterleuten", so Magenau. "Die deutsche Literatur nach dem Zweiten Weltkrieg hat sich eigentlich immer auch durch Heimatbezug und Provinzzugehörigkeit definiert." Das reiche von Grass über Lenz und Johnsson bis zu Walser.

"Das Regionale ist (…) ein Grundbestandteil überhaupt der deutschen Literatur."

(bth)

 

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