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Tonart | Beitrag vom 04.12.2015

Händel-Haus in HalleVom Mini-Opernhaus bis zum Öl-Gemälde

Von Claus Fischer

Ein Porträt, das mit höchster Wahrscheinlichkeit Georg Friedrich Händel zeigt, platzieren Clemens Birnbaum, Direktor der Stiftung Händel-Haus und Mitarbeiterin Christiane Barth im Händel-Haus in Halle. (picture alliance / dpa / Hendrik Schmidt)
Ein Porträt, das mit höchster Wahrscheinlichkeit Georg Friedrich Händel zeigt, platzieren Clemens Birnbaum, Direktor der Stiftung Händel-Haus und Mitarbeiterin Christiane Barth im Händel-Haus in Halle. (picture alliance / dpa / Hendrik Schmidt)

Das Händel-Haus in Halle an der Saale ist in Deutschland das einzige erhaltene Gebäude, in dem der Komponist nachweislich gelebt hat. Doch nicht nur deshalb ist das heutige Museum international bekannt.

"Händel war zu seiner Zeit einer der meistgereisten Komponisten. Er ist natürlich in Halle geboren, in diesem Haus, ist dann aber über Hamburg nach Italien gegangen, hat dort viel gelernt in Italien, unter anderem auch die italienische Sprache, und dann später nach England, wo er den Großteil seiner letzten Lebensjahrzehnte verbracht hatte",

sagt Clemens Birnbaum, Direktor des Händel-Hauses in Halle.

"Wir blicken ja von heute auf Händel, und da denke ich, kann man behaupten, Händel war ein Europäer."

"Das Haus ist weit älter als die Familie Händel. Das Gewölbe, der älteste Teil des Hauses, stammt aus der romanischen Zeit. Es ist vielmals umgebaut worden. Wenn man durch das Haus geht, sieht man Stuckdecken, die nicht 18. Jahrhundert, sondern frühes 19. Jahrhundert sind, sodass so viele Umbauten erfolgten, dass wir auch gar nicht wissen, in welchem Zimmer Händel geboren wurde und auch nicht wissen, wo zum Beispiel dir Küche gewesen ist."

Für Experten und Laien

Die insgesamt 14 Ausstellungsräume des Museums sind in schlichtem Weiß gehalten. Zur Beleuchtung dienen runde, mit weißem Leinenstoff bezogene Lampen von etwa 50 Zentimetern Durchmesser. Die 160 Ausstellungsstücke, darunter zahlreiche Gemälde und Musikinstrumente, werden mit kurzen Texten prägnant vorgestellt. So kann der Fachmann sein Wissen auffrischen. Aber auch der Laie, der nichts über Händel weiß, bekommt alle nötigen Informationen, ohne überfordert zu werden.

Der Rundgang beginnt im Dachgeschoss des Hauses. Hier werden die Kindheit und Jugend Händels präsentiert. Birnbaum:

"Man kann natürlich beklagen, dass es kleine Räumlichkeiten sind. Es ist eben kein Museumsneubau, sondern man kann durch historische – wie auch immer sie historisch geartet sind – aber historische Räumlichkeiten gehen."

Ausgangspunkt ist ein 40 Quadratmeter großer Raum. Auf dessen Fußboden ist ein Stadtplan Halles aufgezeichnet. So können die Besucher die einzelnen Stationen der ersten Lebensjahre des späteren Komponisten abschreiten und sie dann in benachbarten kleineren Räumen auch durch Abbildungen in Augenschein nehmen.

Historische Tasteninstrumente

Blickfang für die Besucher ist der Knabe Georg Friedrich Händel, in Öl gemalt.

"Dieses Porträt ist zu Händels Lebzeiten hier in Halle entstanden, von einem Maler mit dem Namen Platzer. Das Original aber leider ist in den 50er-Jahren hier im Händel-Haus gestohlen worden und ist nicht wieder aufgetaucht. Gott sei Dank gibt es eine Nachbildung dieser Miniatur, und die ist jetzt halt im Händel-Haus zu sehen – und damit der jüngste Händel wie er abgebildet ist."

Eine Etage tiefer gelangt man dann nach Italien und England, wird über Händels Opernerfolge und seine spätere Hinwendung zum Oratorium informiert. Besonderes Exponat ist ein barockes Mini-Opernhaus. Es gibt eine etwa vier Meter breite Bühne, auf der die Besucher mit Händels Opern bekannt gemacht werden. Auf improvisierten Zuschauerrängen können sie davor Platz nehmen

"Vorne tritt Händel auf als Person am Cembalo sitzend, mal stehend, und erzählt über seine Oper, über die Entstehung. Es kommen schattenrissartige Figuren, aber es ist zweidimensional."

Neben den Ausstellungsräumen zu Leben und Werk Händels können die Museumsbesucher auch eine stattliche Anzahl historischer Tasteninstrumente sehen und bei Führungen auch hören. Die Sammlung ist eine der größten in ganz Europa. Zum Bestand, so Hausherr Clemens Birnbaum gehört auch ein barockes Cembalo, reichlich mit Ornamenten und Blattgold verziert:

"Aus der Werkstatt Ruckers – das war eine ganz berühmte Familie, muss man sagen, Cembalobauer-Familie aus dem flämischen Reiche. Wir wissen, dass Händel auch ein Ruckers-Cembalo besessen hat. Aber es war nicht dieses Instrument gewesen."

"Auch viele andere berühmte Komponisten aus Halle"

Für Fachleute, sprich: Musiker und Musikwissenschaftler, besonders interessant ist die Schatzkammer des Händel-Hauses. Ein abgedunkelter, klimatisierter Raum, der es ermöglicht, besonders wertvolle Exponate zu zeigen.

"Entweder Handschriften von Händel als Leihgaben - oder viele andere Originale, weil in unserem Sammelbestand ist nicht nur Händel, sondern auch viele andere berühmte Komponisten aus Halle: Carl Loewe beispielsweise oder auch Robert Franz oder auch Samuel Scheidt, von dem wir einige Originale haben. Diese Originale können wir hier ausstellen. Oder auch Frühdrucke. Wir haben eine ganz große Sammlung von Früh- und Erstdrucken händelscher Werke aus dem 18. Jahrhundert – vermutlich die größte Sammlung in Deutschland. Und davon können wir hier auch immer wieder etwas in der Schatzkammer präsentieren."

Die erwähnte Sammlung von Erstdrucken kann man übrigens auch im Internet komplett einsehen, der Bestand ist voll digitalisiert. Nicht zuletzt dadurch ist das Geburtshaus Georg Friedrich Händels inzwischen weltbekannt. Für die Kulturnation Deutschland hat es schon allein deshalb eine enorme Bedeutung, weil es das einzige erhaltene Haus hierzulande ist, in dem der Komponist nachweislich gelebt hat.

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