Seit 09:07 Uhr Im Gespräch
 
  • facebook
  •  
  • twitter
  •  
  • instagram
  •  
  • spotify
 
Seit 09:07 Uhr Im Gespräch
 
 

Fazit / Archiv | Beitrag vom 09.03.2016

Grimmepreise 2016Eine Auszeichnung für einen falschen Stinkefinger

Von Matthias Dell

Podcast abonnieren
Moderator Jan Böhmermann beim Corsogespräch im Deutschlandfunk (Adalbert Siniawski)
Hat Grund zur Freude: Moderator Jan Böhmermann erhält einen Preis für sein "Varoufake"-Video. (Adalbert Siniawski)

Die wichtigste Auszeichnung im deutschen Fernsehen, der Grimme-Preis, geht in diesem Jahr überwiegend an Privatsender. Immerhin beweist das Grimme-Institut Humor: So erhält Jan Böhmermann einen Preis für sein "Varoufake"-Video.

Die Preise senden in diesem Jahr mindestens zwei Botschaften aus. Die erste steht in der Pressemitteilung des Instituts. Sie lautet: ein "starkes Jahr für die Privaten", weil vier der fünfzehn Auszeichnungen an Privatsender gehen, die mit Qualität zu assoziieren im Öffentlich-Rechtlichen deutschen Fernsehen traditionell schwer fällt.

Die zweite Botschaft lautet: Die Grimme-Preis-Jury hat Humor. Und zwar nicht nur, weil im Wettbewerb Unterhaltung die beiden überragenden Beiträge des vergangenen Jahres gekürt wurden – Olli Dittrichs weitsichtige Franz-Beckenbauer-Parodie "Schorsch Aigner" und Jan Böhmermanns Wirklichkeitskonjunktiv "Varoufake", der mit dem scheinbar gephotoshoppten Mittelfinger eines griechischen Finanzministers den medialen Irrsinn der Politikberichterstattung zumindest für ein paar Stunden in die Nähe des Selbstzweifels brachte.

Zweifelhafte Wahl

Humor beweisen die Grimme-Preise 2016 aber vor allem mit den prämierten Serien "Deutschland 83" und "Weissensee". Lustig ist diese Entscheidung, weil die Grimme-Jury damit der diffusen Sehnsucht quasi amtlich nachgibt, dass nicht alles schlecht ist im deutschen Fernsehen, wenn nun endlich die Serie, das strahlendste und avancierteste Medium filmischen Erzählens der letzten Dekade, auch hierzulande produziert werden kann. Einerseits.

Andererseits aber dann gerade zwei Serien auszeichnet, die wie "Deutschland 83" entweder den Eindruck machen, dummerweise schon im Stadium der Entwicklung verfilmt worden zu sein, oder ihre auch nicht ruhmreichen besseren Zeiten schon hinter sich haben wie die dritte Staffel von "Weissensee".

"Deutschland 83" sind im Laufe der Ausstrahlung im letzten die Zuschauer verloren gegangen, was viele Gründe haben kann, aber sicher nicht den, dass diese Zuschauer sich nägelkauend verzehrt hätten, wie es mit der 80er-Jahre-Show ohne Oliver Geissen, dafür mit Ost-West-Spion weitergehen sollte.

Bei der DDR-Kolportage "Weissensee" ist die von vielen gelobte Erfinderin schon in der zweiten Staffel durch einen Standardautor ersetzt worden, weshalb das Lob für dessen Arbeit wenig überzeugend wirkt.

Kulturpresseschau

Aus den FeuilletonsDüstere Prognose für die arabische Welt
Das vom US-Verteidigungsministerium am 11.3.2003 veröffentlichte Foto zeigt die Superbombe MOAB (Massive Ordnance Air Blast) vor einem Test auf dem Eglin-Luftwaffenstützpunkt in Florida (Archivfoto). (DB DOD/DOD dpa picture alliance)

Wussten Sie, dass mit der Abkürzung MOAB nicht "mother of all bombs" gemeint ist? Die Wochenzeitung "Die Zeit" klärt über den tatsächlichen Sinn auf. Um das Foto einer MOAB herum entwirft ein Islamwissenschaftler ein düsteres Szenario der arabischen Welt im Jahr 2027.Mehr

weitere Beiträge

Fazit

PreisverleihungWelche sind die besten deutschen Computerspiele?
Das Spiel "On Rusty Trails" ist als "Bestes Deutsches Spiel" für den Deutschen Computerspielpreis 2017 nominiert.  (Deutscher Computerspielpreis)

Am Mittwochabend wird der Deutsche Computerspielpreis in Berlin vergeben. Für das "Beste Deutsche Spiel" sind drei Kandidaten nominiert. "On Rusty Trails" bringt zum Beispiel die Themen Flüchtlinge, Diskriminierung und städtische Wohnungsnot zusammen. Es gibt Preise in 14 Kategorien. Mehr

weitere Beiträge

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur