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Tonart | Beitrag vom 06.04.2018

"Golden" von Kylie MinogueMit Country-Pop gegen Herzschmerz

Von Marcel Anders

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Kylie Minogue (picture alliance/dpa/Foto: Robert Ghement)
Die australische Sängerin Kylie Minogue 2015 in Doha, Katar (picture alliance/dpa/Foto: Robert Ghement)

Vor 30 Jahren ging es mit "I Should Be So Lucky" und "The Locomotion" los. Jetzt ist die australische Sängerin Kylie Minogue mit ihrem Album "Golden" auf Tour. Wir haben mit ihr über die Liebe gesprochen und darüber, wer den Mächtigen die Leviten lesen könnte.

"Mein Manager meinte, ob ich nicht Lust hätte, in Nashville zu arbeiten. Nach dem Motto: ´Schau mal, ob du ein Country-Element in deine Musik einfließen lassen kannst – das tut dir bestimmt gut.` Ich wusste nicht recht, was das bedeuten sollte. Bis ich mit diesen tollen Musikern im Studio war, die meine Songs viel bodenständiger und erdiger umgesetzt haben. Dadurch sind sie in eine andere Welt vorgestoßen – klingen aber trotzdem nach mir."

Was die 1,52 Meter große Dame aus Melbourne hier umschreibt, ist ein Hybrid aus dem ihr angestammten Dance-Sound und Anleihen bei Tex Mex, Folk, 70s Pop und Country. Weniger synthetisch als man es von ihr erwartet, als vielmehr überraschend handgemacht und erdig. Ein Ansatz, der auf richtigen, konventionellen Instrumenten und allenfalls wohldosierten Beats basiert. Das Ergebnis eines zweiwöchigen Arbeitsaufenthalts in Nashville, der eine – für ihre Verhältnisse – fast schon mutige Kylie zeigt. Eine, die sämtliche Texte selbst schreibt, tiefe Einblicke in ihre Gefühlswelt gewährt und lupenreine Selbsttherapie betreibt.

Privat ist Kylie Minogue nie sonderlich glücklich geworden

"Ich habe alles rausgelassen, was sich bei mir angestaut hat. Einfach, um mein Selbstwertgefühl zu steigern und mich wieder stark zu fühlen. Ich meine, ich kann nur für mich sprechen, aber gleichzeitig ist es ein universelles Thema. Nämlich: Warum verändern wir uns in einer Beziehung? Wonach suchen wir? Warum halten wir etwas für richtig, wenn es offensichtlich falsch ist? Dieselben alten Fragen…"

Ein Thema, mit dem sich die 49-Jährige auskennt. Schließlich gilt sie als Expertin für verkorkste Beziehungen. Denn trotz 80 Millionen verkauften Tonträgern, Welthits wie "The Locomotion", "I Should Be So Lucky" oder "Can´t Get You Out Of My Head" sowie jeder Menge Auszeichnungen: Privat ist Kylie nie sonderlich glücklich geworden. Erst im Februar 2017 löste sie die Verlobung mit dem britischen Schauspieler Joshua Sasse – und erlitt einen Nervenzusammenbruch. Die Hoffnung auf "den einen", so sagt sie, gebe sie aber nicht auf.

"Ich glaube nicht, dass es jemanden gibt, der wirklich alles hat. Denn: Was würde dich dann noch antreiben? Wie wolltest du eine Beziehung zu anderen Menschen aufbauen? Du würdest permanent auf Wolke 7 schweben. Und ich bin der Meinung: Es gibt kein Glück ohne Trauer. Du erreichst immer wieder den Punkt, an dem du dich fragst: ´Kann ich das alles noch einmal durchlaufen?`Und das kann ich ganz bestimmt. Es werden andere Höhen und Tiefen sein, und eine andere Form von Drama – aber das gehört zum Leben. Ich denke nicht, dass es Liebe ohne Komplikationen gibt."

Kylie Minogue während eines Konzerts 1990 (imago/Future Image)Kylie Minogue 1990 in der London Arena (imago/Future Image)
Eine Erkenntnis, die von Lebenserfahrung zeugt. Und die hat Kylie Minogue definitiv. Als Schauspielerin, Sängerin und Performerin. Aber auch als Gallionsfigur der Schwulenbewegung oder als Botschafterin gegen Brustkrebs, mit dem sie selbst zu kämpfen hatte. Nur politisch hat sie sich nie geäußert oder engagiert. Dabei hat sie durchaus eine Meinung und eine fast schon revolutionäre Lösung für die Probleme dieses Planeten.

"Die Mächtigen dieser Welt bräuchten im Grunde eine Großmutter, die ihnen die Leviten liest. Wenn sie um ihren großen Konferenztisch sitzen, müsste da eine Omi mit einem Servierwagen auftauchen und fragen: ´Tee? Kaffee? Noch einen Keks dazu? Hier, bitteschön – und jetzt redet gefälligst vernünftig miteinander.` Nicht, dass das je passieren wird, aber es ist eine lustige Vorstellung, dass die Probleme unserer Welt bei einer guten Tasse Tee gelöst werden könnten. Das ist es, was wir alle wollen. Und es ist nicht leicht zu begreifen, was in der heutigen Welt passiert. Ich hasse es, die Nachrichten einzuschalten."

Will als Musikerin Spuren hinterlassen

Sie selbst, das wird im Interview klar, hat den Wunsch, zumindest als Musikerin Spuren zu hinterlassen. "Golden", Kylies 14. Studio-Album, ist denn auch ähnlich experimentell wie ihre Arbeit mit Nick Cave oder den Manic Street Preachers aus den 90ern – der Versuch, sich neuen Herausforderungen zu stellen und einfach sie selbst zu sein. Ganz im Gegensatz zu ihrem kommenden 50. Geburtstag.

"Normalerweise feiere ich nicht. Und damit treibe ich meine Freundinnen zur Verzweiflung. Wenn sie sagen: ´Dein Geburtstag steht an – lass uns was planen`, ist meine Reaktion meistens: ´Können wir nicht einfach in ein nettes Restaurant gehen?`Nur: Dieses Jahr werde ich eine richtig große Party in London schmeißen."

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