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Sonntag, 19.11.2017

Feiertag - Kirchensendung | Beitrag vom 06.08.2017

GlücksforschungWas uns glücklich macht

Von Ute Stenert, Bonn (Eine Sendung der katholischen Kirche)

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Ein kleines Mädchen knuddelt auf einer Wiese mit einem weißen Hund. (imago)
Ein kleines Mädchen knuddelt mit einem weißen Hund (imago)

Von Finnland bis Australien hat Glücksforscherin Maike van den Boom 13 Länder bereist, in denen die glücklichsten Menschen leben. Ihr Ziel: herausfinden, was diese glücklich macht. Der vielleicht wichtigste Faktor - bereit sein, anderen zu vertrauen.

Ein zärtlicher Blick, Kinderlachen, die Traumreise, ein Sechser im Lotto oder ein lauschiger Grillabend mit Freunden, vielleicht auch ein Gebet. Glücksmomente sind höchst individuell. Wie kann ein glückliches und sinnstiftendes Leben gelingen? Maike van den Boom wollte das wissen. Und reiste dafür einmal um die Welt.

Auf ihren Reisen erfährt Maike van den Boom, warum Glück mehr ist als ein flüchtiger Moment. Es entspringt einer Lebenshaltung. Glück ist die Summe dessen, wie wir unserer Leben als Ganzes ausrichten. Gerade auch bei existenziellen und spirituellen Fragen. Über ihre Begegnungen und Erfahrungen hat Maike van den Boom ein Buch geschrieben: "Wo geht’s denn hier zum Glück? Meine Reise durch die 13 glücklichsten Länder der Welt und was wir von ihnen lernen können"[1].

Eine Suchende und Fragende

Mit ihrem Erstlingswerk landete sie umgehend auf der Spiegel-Bestsellerliste. Seither wird sie in den Medien als Glücksexpertin gehandelt. Zu Unrecht, wie sie meint. Sie sieht sich eher als Suchende und Fragende. Passender findet sie daher die Bezeichnung Glücksforscherin. Als solche hält sie bundesweit Vorträge, berät große Firmen und ist ein gefragter Gast in Talkshows.

(picture-alliance/ ZB)Zwei Glückskatzen ((japanisch: Maneki Neko) stehen in einem Schaufenster in Berlin, (picture-alliance/ ZB)

Hausbesuch in der Bonner Südstadt. Ein herrlicher Altbau. Hier also wohnt die Autorin gemeinsam mit ihrer elfjährigen Tochter Elisa. Kurz geklingelt, rasch die Treppen hinauf. An der Wohnungstür empfängt mich die quirlige Frau mit den langen blonden Haaren. Richtig schick hat sie sich gemacht. Das rote Kleid und sie strahlen um die Wette. Fröhlich bittet sie mich herein. Im Esszimmer stehen Getränke und Snacks schon bereit. Gastfreundschaft ist wichtig, bemerkt die gebürtige Heidelbergerin mit niederländischen Wurzeln. Mit einladender Geste fordert sie mich auf, doch Platz zu nehmen. Ja, hier kann man sich wohlfühlen, denke ich und setze mich an den großen alten Holztisch. Beste Voraussetzung für ein Gespräch über das universale Glück. Kaum ist das Mikrofon offen, sprudelt die 45-Jährige los.

"Ich bin in die 13 glücklichsten Länder gereist, nach dem World Database of Happiness. Es gibt ja verschiedene Erhebungen zum Glück. Und das waren Länder in Lateinamerika, also Mexiko, Panama, Kolumbien und Costa Rica. Die Skandinavier, die ja immer mitmischen, und zwar alle, von Finnland bis nach Dänemark, Island und dann noch unsere Nachbarn, die Schweizer, die Luxemburger, unsere kleinen Nachbarn und ganz weit weg, Australien und Kanada."

"Wieso kriegen wir das hier nicht so optimal hin in Deutschland?"

Was hat die Glückdetektivin überhaupt motiviert, nach den Glücksfaktoren zu forschen?

"Das war so ein bisschen mein Thema, nachdem ich selber einmal in so eine kleine Krise gerutscht bin und gemerkt habe, wie kraftvoll es ist, wenn man positiv eingestellt ist, um es mal so zu sagen. Und dann habe ich mich immer mehr damit beschäftigt, darüber geredet. Weil ich ja viel im Ausland gewesen bin, in Mexiko und in den Niederlanden gewohnt habe, und das sind ja sehr glückliche Länder, dachte ich mir immer so, warum kriegen wir das hier nicht so optimal hin in Deutschland."

Mit Mikrofon, Kamera und Stativ zog sie los. Van den Boom hat keine akademischen Fragen gestellt. Sie ist einfach auf die Menschen zugegangen. Ganz direkt hat sie gefragt: Was macht dich glücklich, was ist das Wichtigste für dich? Was ist dein größter Wunsch? Was würdest du uns Deutschen mitgeben? Manche Gesprächspartner haben sie nachhaltig beeindruckt. Und auch sehr berührt.

"Eine Person war ein Papiersammler in Bogotá, ganz einfach, weil der den miesesten Job eigentlich hat, sollte man sagen. Im Nobeleinkaufsviertel – Sonotre heißt das, glaube ich - in Bogotá unter den ganzen schick gekleideten Leuten das Papier zusammen zu kratzen. Der war aber so beseelt, von dem was er tat, also, ich habe noch selten jemanden so strahlen sehen. Das hat mich wirklich berührt. Und der war wirklich begeistert. Also, was ihn glücklich gemacht hat, ist, wenn dieser Papierkarren voll ist: 'jeno, jeno', hat er gesagt, dann ist er glücklich, weil dann kann er was beitragen dazu, dass die Leute nicht so viel wegschmeißen und dass das irgendwie recycelt wird. Das ist in der Tat das, was Menschen antreibt, dass sie einen Sinn sehen, in dem, was sie tun. Das beeindruckt mich immer wieder. Jeder möchte immer beitragen, contribute, irgendwie wichtig sein, auch für andere."

Glück ist immer mit der Sinnfrage verbunden

Man wird also glücklich, wenn man einen Sinn in seinem Tun erkennt. Wenn man sich als Teil eines Ganzen versteht. Es kommt auf die Einstellung an: Ob ich selber meine Arbeit wertschätze oder nicht, ist eben viel mehr als die Frage des Lohns.

Das hat auch Miranda bestätigt. Sie lebt in Panama-Stadt. Ihr Job ist nicht ungefährlich. Zuweilen erfordert er ihren mutigen Einsatz. Früher hatte sie besser bezahlte und harmlosere Stellen. Ihr war es aber wichtig, anderen Menschen zu helfen. Für die Kirche betreut sie heute Straftäter in den Gefängnissen. Und ist hoch zufrieden dabei.

Ein Ehepaar sitzt auf einer Liege am Starberger See.  (imago )Gespräch und Vertrauen machen einen großen Teil des Glücks aus. (imago )

Eine weitere Antwort hat van den Boom überzeugt: Der Sinn des Lebens ist das Gespräch. Damit eng verbunden sind viele Glücksmacher, die ihr auf den Reisen immer wieder begegnen: Gemeinschaft, Konsens, Mitmenschlichkeit. Unbedingt dazu gehört auch: Vertrauen. Die Glücksforscherin sieht hierzulande Nachholbedarf. Vor allem in der Arbeitswelt:

"Also, wir haben es in Deutschland - wir sind jetzt nicht die Weltmeister im Vertrauen. Wenn man jetzt in Skandinavien fragt, denkst du, dass man anderen Menschen vertrauen kann. Oh - da kann man nicht vorsichtig genug sein -  dann sagen um die 63 Prozent, klar, kannst du anderen vertrauen und hier sind es 38. Das ist echt total wenig. Wir verbauen uns einfach ganz viele Wege ins Glück, wenn wir anderen Leuten nicht vertrauen. Weil, du kannst keine Gemeinschaft formen, mit anderen Menschen, wenn du denen nicht vertraust. Und du verlierst deine Freiheit und die Flexibilität."

In den skandinavischen Ländern ist es längst üblich: ob Chef oder einfacher Mitarbeiter, jeder kann um 15 Uhr gehen, um sein Kind von der Kita abzuholen. Für die Skandinavier gilt die flexible Arbeitszeit als Investition. Auch in Deutschland gibt es Ansätze von sogenannter Vertrauensarbeitszeit. Van den Boom findet das gut. Aber sie ist auch überzeugt: Hierzulande sollte man das noch mutiger angehen.

"Also, es muss das Gefühl sein, das Gefühl, dass dir vertraut wird. Es kann eine Frage schon zerstören: 'Wie? Sie gehen schon?' Oder: 'Das machen Sie aber noch fertig, Frau Schmidt?!' Das sind ganz kleine Fragen, die zeigen, nein, du vertraust mir eben nicht. Aber das Vertrauen ist unbezahlbar, weil die Menschen in den skandinavischen Ländern, die sehen das als eine so große Ehre an, dass ihnen vertraut wird. Und die Flexibilität, die sie dadurch bekommen, dafür sind sie so dankbar. Das kannst du gar nicht bezahlen, weil, die setzen sich dann halt um sechs Uhr abends noch einmal hin und machen die Präsentation fertig."

Der große Glücksfaktor: Vertrauen

Die Menschen sind in der Lage, flexibel ihr Leben zu gestalten, Beruf und Familie einfacher zu organisieren. Dazu gehört aber auch Selbstverantwortung:

"Das geflügelte Wort, das ich von Norwegen, Schweden bis nach Dänemark gehört habe, ist: 'Freedom under the responsibility' - Freiheit unter Verantwortung. Du kannst keine Freiheit haben, wenn du nicht bereit bis, die Verantwortung zu übernehmen. Ich glaube, wir wollen gerne die Freiheit haben oft hier, aber wir wollen dann nicht die Verantwortung. So geht es ja nicht, würde der Schwede sagen."

Glücksfaktoren sind also: Vertrauen in andere Menschen und Vertrauen in sich selber. Vertrauen in andere Menschen heißt, Beziehungen zu anderen Menschen aufbauen. Und Vertrauen in sich selbst heißt, mutig sein und sein eigenes Leben leben. Seinen Weg gehen, dazu gehört auch Selbstbewusstsein, innere Stärke. Ohne Mut hätte die Autorin ihre Reisen weltweit, auch in gefährliche Gebiete, nicht gewagt. Was hat Maike van den Boom geprägt? Was haben ihre Eltern ihr mitgegeben?

"Mut, Vertrauen und Kreativität."

Van den Booms Apell ist eindeutig: Wir müssen etwas bewirken. Das passiert zum Beispiel, wenn man andere Menschen unterstützt und stärkt. Ganz gleich wo: am Arbeitsplatz, im Sportverein und natürlich in der Familie. Sich für andere Menschen unerschrocken und mutig einzusetzen, kann helfen, seine innere Ruhe zu finden. Um ein glückliches Leben zu führen, ist es wichtig, dieses zu gestalten. Und in ihm einen Sinn zu erkennen. Van den Boom versteht das nicht zwingend in einem religiösen Sinn. Und doch widmet sie sich wiederholt der Frage, ob religiöse Menschen glücklicher sind als andere. Sie verweist auf die Kraft, die gläubige und spirituelle Menschen erfahren. Diese Kraft kann Menschen einen besonderen Halt geben. Sie in ihrem Streben nach Glück bestärken.

Ein steinernes Kreuz an der Kreuzung der Calle de Toledo und der Calle de los Cuchilleros im Zentrum der spanischen Hauptstadt Madrid. (imago / Mangold)Auch der Glauben trägt zum Glücklichsein bei. (imago / Mangold)

Wenn wir unserem Leben keinen Sinn abgewinnen können, wird es auch schwierig mit dem Glücklich-Sein. Letztendlich ist die Erfahrung von Sinn die persönliche Antwort auf die Fragen: Warum bin ich hier? Was treibt mich an? Was will ich bewirken? Worauf will ich zurückblicken, wenn ich sterbe? Wem vertraue ich mich an – vielleicht auch in der Hoffnung, über den Tod hinaus?

Van den Boom ist überzeugt: Wir alle haben das Bedürfnis zu wissen, wie unsere Bestimmung lautet. Lange Zeit mussten wir uns diese Frage nicht stellen. Der Glaube, fest verankert in das gesellschaftliche Leben, hat diese Frage für uns beantwortet. Aber dieser Glaube gilt längst nicht mehr für alle Menschen. Viele glauben jetzt an 'etwas', an den großen Plan. Nennen es Leben oder Schicksal. Es sei, so die Autorin, eine ähnliche spirituelle Ebene wie der Glaube an Gott. Es geht um das Bedürfnis, sich in einem großen Ganzen aufgehoben zu wissen. Diese Spiritualität kann sehr wichtig sein. So hat es ihr auch Robert Cummins erklärt, Australiens bekannter Glückforscher.

"Der Glaube unterstützt die Gabe, sich selbst zu schützen. Bei Menschen, die sehr religiös sind, stärkt der Glaube das subjektive Wohlbefinden. Er hilft, Konflikte, Niederlagen und Lebenskrisen zu meistern: eine schwerere Erkrankung, der Verlust eines geliebten Menschen, Unfälle, eine Entlassung oder eine traumatische Erfahrung. Glaube bekräftigt die seelische Widerstandsfähigkeit und Unverwüstlichkeit. Er ist gleichsam das Immunsystem der Seele. Denn Glaube ist eng verbunden mit Hoffnung und Vertrauen auf eine Erlösung, die weit über das irdische Leben hinausweist."[2]

Der Glaube hilft in Krisen

Wer sich aufgehoben weiß in einem höheren Zusammenhang, der kann das Leben auch entspannter angehen. Daher der Rat der Glücksforscherin: Gelassenheit, Humor und das Leben einfach mal nicht so ernst, sich nicht über alles einen Kopf machen. Auch das hat wieder zu tun mit Vertrauen: in sich, die Zukunft, vielleicht auch in Gott.

Gottvertrauen – das begegnete Maike van den Boom vor allem in den lateinamerikanischen Ländern. Dort ist Gott auch im Alltag sehr präsent. Die Menschen reden viel über ihn. Van den Boom hat beobachtet: Gott ist auch dort Baustein einer Gemeinschaft. Und sie hat festgestellt: Der Glaube an Gott und die Liebe, die Menschen zum Beispiel in der Familie erfahren, kann glücklich machen. Auch, wenn die Lebensumstände noch so schwierig sind. So wie bei Katja:

"Die hab ich in Costa Rica getroffen, am Straßenrand, und zwar haben die wirklich in so einer Baracke gelebt, also wie man sich das halt so vorstellt, und zwar mit fünf Kindern und sie. Und dann haben sie auch noch eine kleine Ecke, abgetrennt nur mit einer Decke, untervermietet an irgendeinen Mann. Also, der hat dann da in der Küche geschlafen. Also, das war wirklich sehr interessant, aber die waren wirklich alle sehr begeistert. Und sehr offen, und die sagte mir tatsächlich, also, wir haben die Familie und wir haben Gott, wir haben Reis und wir haben Bananen. Mehr brauchen wir nicht. Wenn du Liebe hast, hast du eigentlich schon alles. Wir haben kein Geld, aber wir haben dafür Liebe."

Van den Boom ist kein besonders religiöser Mensch. Betet sie dennoch? Vielleicht ab und zu? Sie zögert mit einer Antwort, hält inne. Irgendwann dann ein ernstes Nicken:

"Das sind schon tiefere Gebete, würde ich sagen, doch ja, ob er mir aus einer Lebenssituation helfen kann, oder mit irgendeiner Weisheit. Ja, doch. Es ist schon so, dass ich denke, da muss schon irgendwas sein oder irgendjemand. Also, es ist schon mehr als einfach nur ich mit mir. Aber was das ist, da habe ich keine Antwort."

Ihr Glücksbringer: ein kleiner Engelsflügel

Immer auf Reisen dabei war ihr oranger Koffer. Hatte sie auch einen Glücksbringer im Gepäck?

"Nö. Den habe ich um den Hals. Das ist ein kleiner Engelsflügel. Das ist mein Glücksbringer."

Vor der Abreise nach Costa Rica bekam sie ihn geschenkt – als Schutzengel. Hat er ihr Glück gebracht? Sie vielleicht sogar behütet?

"Vielleicht hat er mich beschützt, also, das weiß man ja nie. Man weiß ja nicht so recht, an welchem Glück oder Unglück man knapp vorbeisegelt. Also, ich bin schon aus Versehen in die Verhaftung eines Drogendealers in Panama geraten. Das war schon nicht so fein."

Eine eher harmlose Umschreibung für die Situation. Immerhin musste die Polizei van den Boom und ihrem Begleiter Geleitschutz geben.

"Da mussten wir so geduckt zum Auto. Und dann habe ich aus dem Auto heraus gefilmt. Und dann standen die da mit ihren schusssicheren Westen, mit Maschinenpistolen usw., weil die da jetzt im Moment in Panama massiv gegen Drogenhändler vorgehen oder gegangen sind damals, also ja, ich denke, wahrscheinlich hatte ich da einen Schutzengel, ja."

In dem Augenblick hat sie gewiss an ihre Tochter Elisa gedacht.

"Ja, in der Tat, da dachte ich mir, Maike, das war jetzt nicht so die beste Idee. Ist zwar alles cool und interessant und spannend, aber es hätte ja nur ein Querschläger kommen müssen oder irgendetwas passieren können, du weißt ja nie, was sich entwickelt, und dann wäre Elisa ohne Mutter gewesen. Das war in dem Moment, dachte ich mir, ziemlich dumm."

Und schließlich: die Freiheit

Ist von Glück die Rede, wird hierzulande eines oft vergessen: Freiheit. Ein elementarer Baustein für Glück. Van den Boom hat das unmittelbar erfahren. Während ihres Aufenthalts in Mexiko City. Ihr Mann suchte damals in Südamerika eine neue berufliche Herausforderung. Die Familie lebte zwei Jahre in einem hochbewachten Viertel für Europäer – ein Leben ohne Freiheit.

"Wenn man da ist, entsandt von einem deutschen Unternehmer, ist man automatisch reich. Viel reicher als all die anderen Menschen. Man wohnt in einem bewachten Haus, man hat einen Chauffeur. Man wird bewacht. Man kann nicht überall hinfahren, man muss immer aufpassen, dass man nicht irgendwo gekidnappt wird oder überfallen. Und da war ich richtig neidisch: Dann fährst du immer an den armen Leuten vorbei, die machen Grillfeuer, die reiten auf Ponys, und die machen irgendwelche Spiele auf der Wiese. Und du kannst nicht raus, weil es für dich zu gefährlich ist. Ein goldener Käfig macht echt nicht glücklich, also mich zumindest nicht. Da dachte ich mir: wir sind so frei in Deutschland, wir können uns überall bewegen. Und wir können alles entscheiden, und wir haben so viele Möglichkeiten, also jeder von uns. Freiheit ist echt Reichtum."

Menschen in Santa Maria Atzompa widmen am "Tag der Toten" den Verstorbenen Blumen, Getränke und Essen. (dpa / picture alliance / EFE / Mario Arturo Martinez)Menschen in Santa Maria Atzompa widmen am "Tag der Toten" den Verstorbenen Blumen, Getränke und Essen. (dpa / picture alliance / EFE / Mario Arturo Martinez)

Van den Boom versprüht die Lust, Neues zu entdecken. Sie will lernen von Menschen, vor allem auch von denen in anderen Ländern. Ihre Kulturen und Traditionen erleben und verstehen. Den Blickwinkel zu weiten – auch das ist Reichtum. In Mexiko war sie vor allem fasziniert von der Verschmelzung christlicher Tradition mit dem Erbe der Azteken und Maya. So am Tag der Toten: Überall sind auf Altären Fotos der Verstorbenen aufgestellt. Kerzen werden für sie angezündet und das Lieblingsessen für sie zubereitet. Ein so liebevolles Zeichen von Gemeinschaft. Mir gefällt das. Zeigt es doch: Der Tod gehört zum Leben, verliert möglicherweise dadurch seinen Schrecken. Der unverkrampfte Umgang mit dem Tod kann eben auch ein Baustein für ein glückliches Leben sein.

Glück braucht Mut

Eines hat van den Boom auf ihren Reisen gelernt. Glück braucht Mut: Mut zur Veränderung, zum Lernen, vor allem auch von anderen Menschen. Individuelle Tipps für das Glück will sie nicht geben. Ihre Anleitung zum Glücklich-Sein lautet: Vertrauen schenken. Und mutig sein, für sich und andere. Eine kleine Geste reicht schon. Nur ein Beispiel: nicht mitmachen, auch wenn alle anderen den Kollegen wegen seiner schlechten Präsentation wieder einmal auslachen.

Van den Boom weiß: die eine Glücksformel, die gibt es nicht. Jeder muss sein Leben leben. Seinen Traum verwirklichen. Van den Boom hat sich ihren Lebenstraum erfüllt. Sie hat ihren sicheren Job aufgeben. Sie hat ihre Komfortzone verlassen. Um die Welt ist sie gereist und hat das gemacht, was sie liebt: auf Menschen zugehen und mit ihnen sprechen. Über das, was van den Boom antreibt: die Suche nach dem Glück und der persönlichen Bestimmung. Ein glückliches, sinnerfülltes Leben ist möglich. Gerade für den Gläubigen. Van den Booms Fazit: Jeder hat Sehnsüchte. Mutig sollen wir diese verfolgen. Dabei muss aber jeder sein eigenes Motto finden.

"Nicht geschossen, ist immer daneben, ist mein Lebensmotto, das ist aus Holland, (sie spricht holländisch) und das kommt von meiner Großmutter. Ich war jetzt selber überrascht, wie schnell das bei mir heraus herausgesprudelt kam. Aber das ist tatsächlich mein Lebensmotto. Wenn du irgendwas nicht probierst, dann wirst du nie irgendwas erfahren: also nicht geschossen ist immer daneben."


[1] Maike van den Boom: Wo geht’s denn hier zum Glück? Meine Reise in die 13 glücklichsten Länder und was wir von ihnen lernen können. Fischer Taschenbuch Verlag 2016.
[2] Maike van den Boom: Wo geht’s denn hier zum Glück? Meine Reise in die 13 glücklichsten Länder und was wir von ihnen lernen können. Fischer Taschenbuch Verlag 2016, S. 354.

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