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Sein und Streit | Beitrag vom 12.03.2017

Gerhard Streminger über Adam Smith"Für Smith ist nur der ethische Mensch glücklich"

Gerhard Streminger im Gespräch mit Joachim Scholl

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Ein Porträt zeigt den schottischen Philosophen und Ökonomen Adam Smith (1723-1780) (imago / Leemage)
Der schottische Philosoph und Ökonom Adam Smith (imago / Leemage)

Bis heute gilt Adam Smith als Ideengeber des Neoliberalismus: Der schottische Aufklärer habe aber nie ein egoistisches Menschenbild propagiert, sagt der österreichische Philosoph Gerhard Streminger - sondern immer Markt und Moral zusammengedacht.

Adam Smith, so Gerhard Streminger, sei im religiösen Umfeld des Calvinismus aufgewachsen. Zwar sei der Philosoph zeitlebens kein Christ gewesen, aber durchaus religiös: "Dass es einen wohlwollenden und guten Gott gibt, der die Ordnung der Natur schafft", daran glaubte Smith ein Leben lang, was seine Philosophie tief prägte.

Nie dem Egoismus das Wort geredet

Neben David Hume sei auch Adam Smith ein Gefühlsethiker gewesen. Gefühle seien entscheidend für das menschliche Handeln: Allerdings müssten das natürlich geläuterte Gefühle sein, und dafür seien die Fantasie und der Verstand notwendige Mittel. In seiner ersten großen Schrift "Die Theorie der ethischen Gefühle" (1759) habe Smith den Weg aufgezeigt, "wie Menschen moralisch handeln können und glücklich sein können (...); für Smith ist nur der ethische Mensch glücklich". Eine Auffassung, die Smith mit der antiken Philosophie teile.

"Smith", so Streminger, habe "niemals einem Egoismus das Wort geredet." Dass "die Summe der Einzelegoismen das Gemeinwohl" fördere, daran glaubte er keine Sekunde.

Smith hatte ein positives Menschenbild, das sich auch in seinem bahnbrechenden Hauptwerk "Der Wohlstand der Nationen" (1776) niederschlug. "Im idealen Markt verhält sich jeder wie ein fairer Sportler", so beschreibt Streminger den Ansatz Smiths. Niemand agiere unabhängig von der "moralischen Instanz", dem "unparteiischen Beobachter", der den Menschen zu moralischem Handeln anhält.

Staat und Markt zusammendenken

Doch hat Smith die Güte des Einzelnen auch nicht überschätzt, sondern dem Staat als Kontrollinstanz durchaus sein Recht zugesprochen. Die unsichtbare Hand des Marktes und die sichtbare Hand des Staates müsse man zusammendenken: Genau in dieser Einsicht liege der Kern des großen Werks, meint Streminger. Die Aufgaben des Staates seien: Exekutive, Legislative, Verteidigung, Infrastruktur, aber vor allem: Bildung. Nur durch Bildung wird aus einer Person eine Persönlichkeit, die sich im Zusammenleben moralisch verhält. "Erst wenn man Gerechtigkeitssinn hat, ist man ein fairer Sportler."

Dass Adam Smith tatsächlich an einer sozialen Ordnung des Marktes interessiert war, zeigt sich daran, dass selbst Sarah Wagenknecht ihn zitiert: "Es gibt zwei Wege, eine Nation zu erobern und zu versklaven. Der eine ist das Schwert, die andere die Verschuldung."

Gerhard Streminger: "Adam Smith - Wohlstand und Moral"
C.H. Beck, München 2017
254 Seiten, 24,95 Euro
Lesen sie hier die Rezension der Smith-Biografie von Arno Orzessek.

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