Sonntag, 21.01.2018

Kompressor | Beitrag vom 20.09.2017

Georg-Herold-Ausstellung in BonnMit Humor gegen den Ernst der Lage

Georg Herold im Gespräch mit Timo Grampes

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Georg Herold im Kunst Museum Bonn hinter seinem Werk "The Empress" (picture alliance / dpa / Rolf Vennenbernd)
Georg Herold im Kunst Museum Bonn hinter seinem Werk "The Empress" (picture alliance / dpa / Rolf Vennenbernd)

Ab heute stellt Georg Herold im Bonner Kunst Museum aus. Immer wieder befasst sich der Bildhauer mit der Frage, ob Humor die bessere Antwort auf grundsätzliche Fragen ist als ernsthaftes Sinnieren.

Eine Ausstellung im Kunstmuseum Bonn widmet sich jetzt dem Wirken von Georg Herold. Der ehemalige Schüler von Sigmar Polke ist mit hintersinnigen Installationen aus Holz, Ziegelsteinen, Dachlatten oder Unterhosen bekannt geworden.

"Realer Realismus Gebirge" von 1987: Damenunterhose galvanisiert auf Drahtgestell und Marmorplatte (picture alliance / dpa / Ursula Düren)"Realer Realismus Gebirge" von 1987: Damenunterhose galvanisiert auf Drahtgestell und Marmorplatte (picture alliance / dpa / Ursula Düren)

Die Ziegelsteine formierte er zu einem "Rumsfeld" in Anlehnung an den Namen des ehemaligen US-Verteidigungsministers, aus den Dachlatten nagelte er "Deutschland in den Grenzen von 1937" zusammen. Kunst dieser Art brachte ihm den Ruf ein, ein "humorvoller Held der Kunstwelt" zu sein, die taz zählt ihn zur "Spaßkunstguerilla". Die FAZ schrieb, Herold schaffe es, den Ernst der Lage immer wieder zu unterbieten.

Suche nach den ungewöhnlichen Perspektiven

Mit diesen Einschätzungen schmücken mag sich Herold allerdings nicht - eine Lanze für den Humor bricht er dennoch. Humor sei keine schlechte Eigenschaft in Bereichen, die sonst nur ernsthaft diskutiert würden, sagte Herold im Interview mit Deutschlandfunk Kultur. "Der Humor verhilft einem oft zu ganz unorthodoxen Sichtweisen." Dinge würden so eventuell viel klarer, "als wenn man sie systematisch und ernsthaft beleuchtet", betonte der Bildhauer.

"Schande" von 1986: Schwarz-weiß-Fotografie mit Dachlatten in Gold (picture alliance / dpa / Ursula Düren)"Schande" von 1986: Schwarz-weiß-Fotografie mit Dachlatten in Gold (picture alliance / dpa / Ursula Düren)

Die allgemeine Weltlage ist für Herold sehr ernst: "Es wird im Prinzip immer ernster, vom Gefühl her." Es helfe aber nicht viel, nur ernst über die Lage zu sinnieren. "Immer wenn man zwischen zwei Punkten wandert und sich in einem Zwischenraum bewegt, gibt es sehr viele unerwartete Momente. Und genau der Zwischenraum war für mich immer wichtig, weil: Alles andere, was eindeutig formuliert ist, zwingt einen in eine Richtung." Er sei immer auf der Suche nach der Freiheit, sagte Herold: "die Freiheit von den Dingen wie auch die Freiheit, sie zu interpretieren". (ahe)

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