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Studio 9 | Beitrag vom 22.01.2018

Gender FoodMüslis für Sie und Ihn

Uta Meier-Gräwe im Gespräch mit Nicole Dittmer und Julius Stucke

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(Unsplash.com/Yanina Trekhleb)
Zeig mir dein Müsli - und ich sage dir, ob du Männlein oder Weiblein bist. Gender Food könnte ein neuer Trend werden, den Ernährungsexperting Uta Meier-Gräwe aber für einen Marketing-Gag hält (Unsplash.com/Yanina Trekhleb)

Gender Food – maßgeschneiderte Ernährung für Frau und für Mann: Ist das wieder nur eine Trend-Sau, die durchs Dorf getrieben wird? Oder ist da was dran? Für die Haushaltswissenschaftlerin Uta Meier-Gräwe ist es vor allem ein amüsanter Marketing-Gag.

Auf der alljährlichen Landwirtschafts-Messe "Grüne Woche" werden die neuesten Ernährungstrends vorgestellt. Die schwäbische Start Up-Firma Oyá zum Beispiel stellt Smoothies speziell für Frauen her, andere Smoothies wiederum speziell für Männer. Die einen enthalten mehr eisenhaltige Zutaten, die anderen mehr selenhaltige.

Es gibt bereits Studien zu unterschiedlichen Ernährungsvorlieben von Männern und Frauen. Kommt nach dem Bio-, dem Slow-, dem Superfood jetzt das geschlechtergerechte Gender-Food – und ist das wirklich gesund und nötig?

"Es wird immer mehr gegendert"

Für die Haushaltswissenschaftlerin Uta Meier-Gräwe, Professorin an der Uni Gießen, ist diese Geschlechtertrennung vor allem ein Marketing-Gag. "Es wird immer mehr gegendert." Da sei es wohl nur eine Frage der Zeit gewesen, bis die Ernährung ins Visier gerate. Frauen hätten zwar einen höheren Bedarf an eisenhaltiger Nahrung, Männer, aufgrund ihrer anderen Muskelmasse, benötigten wiederum andere Elemente. Aber: "Bei einer ganz normalen Ernährung braucht man keine Spezialnahrung für Männer und für Frauen", betont Meier-Gräwe.

Nach wie vor gebe es Geschlechter-Stereotypen, das belegten Studien. So werde Fleisch – etwa in Form eines saftigen Steaks – automatisch mit Männern in Verbindung gebracht, Obst und Salat dagegen mit Frauen.

Ernährung ist eine kulturelle Angelegenheit

Tatsächlich sei Ernährung auch eine kulturelle Angelegenheit und habe zudem viel mit Sozialisierung zu tun. Bestes Beispiel: Getränke. Wer trinkt was?

"Wenn sich in einer Kneipe ein Pärchen ein Wasser und ein Bier bestellt, dann müssen Sie einfach mal sehen, wo die Kellnerin das hinstellt, wenn sie es bringt. Das zeigt einfach sehr stark, dass da kulturelle Hintergründe und Symbole eine Rolle spielen."

Vermutlich wäre jeder Kellner überrascht, wenn die Frau sich genüsslich über das Bier hermacht, während ihr Partner am Wasserglas nippt.

(mkn)

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