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Mittwoch, 22.11.2017

Fazit | Beitrag vom 22.10.2017

Gelungene Opernpremiere in Stuttgart Halbe Inszenierung ohne Regisseur Kirill Serebrennikow

Rainer Zerbst im Gespräch mit Sigrid Brinkmann

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Die Opernsängerin Esther Dierker (Gretel) probt am 19.03.2017 im Opernhaus in Stuttgart (Baden-Württemberg) eine Neuinszenierung der Oper "Hänsel und Gretel". Die Inszenierung war von dem in Moskau in Hausarrest sitzenden Regisseur Kirill Serebrennikow geplant. Die Oper hielt trotzdem an der Neuinszenierung der Oper «Hänsel und Gretel» fest. Die Premiere der unvollendeten Arbeit ist am 22.10.2017. (zu dpa: "Oper "Hänsel und Gretel" vom 23.10.2017) Foto: Bernd Weißbrod/dpa | Verwendung weltweit (dpa)
Die Märchenoper "Hänsel und Gretel" feierte in Stuttgart in Premiere. Der Regisseur konnte sie nicht vollenden, weil er in Moskau im Hausarrest festsitzt. (dpa)

Die Stuttgarter Oper hat die Märchenoper "Hänsel und Gretel" inszeniert. Weil aber der Regisseur der Inszenierung, Kirill Serebrennikow, in Russland unter Hausarrest steht, führte das Haus das Stück als eine Art Fragment auf und unterstützte damit die Forderung nach einer Freilassung des Künstlers.

Mit großer Spannung hatte das Stuttgarter Opernpublikum die Premiere von Engelbert Humperdincks Märchenoper "Hänsel und Gretel" erwartet. Der Hausarrest des russischen Regisseurs Kirill Serebrennikow war um drei Monate verlängert worden. Deshalb konnte der Theatermacher seine Inszenierung nicht vollenden, sodass Intendant Jossi Wieler vor dem  Dilemma stand, die unvollendete Arbeit dennoch zur Aufführung zu bringen.

Kirill Serebrennikov, artistic director of the Gogol Center Theater, attends a book presentation at the Gogol Center in Moscow, 27 February 2013. Photo: Vladimir Astapkovich/RIA Novosti | (RIA Nowosti)Der Theatermacher Kirill Serebrennikow steht in Moskau unter Hausarrest. (RIA Nowosti)

Vorstellung mit Symbolkraft 

"Wir haben die halbe Inszenierung zu sehen bekommen", sagte unser Kritiker Rainer Zerbst im Deutschlandfunk Kultur über die ungewöhnliche Opernpremiere. Und er fügte hinzu: "Ich halte die Entscheidung für grandios, für sehr feinfühlig  und das passt natürlich zu Jossi Wieler, egal, ob der nun eine Oper inszeniert  oder ob er diese Oper Stuttgart leitet", sagte Zerbst über die gefundene Lösung. "Er denkt immer sehr genau nach und alles, was er tut hat Symbolkraft." So traten die Darsteller in Alltagskleidung auf und das Opernhaus schmückten Banner mit der Forderung nach Serebrennikows Freilassung. 

Verquickung mit Filmszenen  

Zerbst lobte die gelungene Verzahnung von Film, Bühnengeschehen und Musik. Auf der Bühne wurden Serebrennikows in Ruanda und Stuttgart aufgenommene Filmszenen gezeigt.  Sie versetzten "Hänsel und Gretel" in das Spannungsfeld zwischen afrikanischer Armut und europäischer Konsumwelt. Im Programmheft heißt es jetzt: "Ein Märchen von Hoffnung und Not, erzählt von Kirill Serebrennikow." Zerbst sagte, er glaube, dass der Regisseur sich über den Opernabend und dieses brillant gemachte Experiment freuen könne.  

Plädoyer für die Freiheit der Kunst

Der Abend habe verdeutlicht, dass man vor politischer Machtausübung nicht einknicke und sei damit ein Plädoyer für die Freiheit der Kunst gewesen. "Und wenn die Kunst noch nicht ganz fertig ist, dann bringen wir sie so subtil auf die Bühne, wie es uns möglich ist." Sobald Serebrennikow frei komme, könne er die Inszenierung weiterführen. Zerbst sagte, er gehe davon aus, dass es dann noch einmal eine Premiere von "Hänsel und Gretel" geben werde. 

Einen weiteren Beitrag  zur Opernpremiere in Stuttgart von Susanne Kaufmann hören Sie hier:

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