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Fazit / Archiv | Beitrag vom 13.10.2010

"Gainsbourg - Der Mann, der die Frauen liebte"

Jörg Taszman über die Musikerbiografie

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Serge Gainsbourg war eine Ikone des französischen Chansons. Regisseur Johann Sfar hat nun die Musikerbiografie verfilmt, die eine der sehenswertesten Produktionen des Jahres geworden ist.

Frankreich 2009; Regie: Joann Sfar; Darsteller: Éric Elmosnino, Doug Jones, Laetitia Casta, Lucy Gordon, Anna Mouglalis, Mylène Jampanoï, Sara Forestier, Kacey Mottet Klein; Länge: 121 Minuten

Man folgt zunächst einem gezeichneten Gainsbourg mit Riesennase und Zigarette, wie er durch den Ozean schwimmt, später durch Paris fliegt. Es begegnen ihm dabei rauchende Fische, dann im Gleichschritt marschierende deutsche Soldaten, ihr Anführer ebenfalls mit Zigarette. Im ersten Kapitel "Der Jude und Frankreich" starrt den frühreifen Jungen Lucien Ginzburg im von den Deutschen besetzten Paris die Fratze des "hässlichen Juden" von einem antisemitischen Poster an.
Der Comiczeichner und Regisseur Joann Sfar lässt sie fortan als überdimensionale Maske, als zweites Ich des zum Künstler mutierten Serge Gainsbourg erscheinen. Schon allein dieser ästhetische Kunstgriff bewahrt den Film davor, ein klassisches Biopic zu werden, das sich zu ehrfürchtig oder respektvoll dem unangepassten Gainsbourg nähert.

Im Original hat Joann Sfar den Nebentitel "vie héroique", also heldenhaftes Leben, eingefügt, ein ironischer und liebevoller Kommentar. Und so verfolgt man im Film die Kindheit mit den jüdisch-russischen Eltern ebenso wie Gainsbourgs Anfänge als Maler, Pianist und Songwriter. Geschickt vermischt Sfar die Ebenen, zeigt gerade in den Szenen mit der Bardot auch viel Erotik, jedoch immer beiläufig, eingebettet in den jeweiligen Karrierepunkt von Gainsbourg und niemals voyeuristisch oder spekulativ.

Und so ist diese filmische Biografie, die ihr Schöpfer Joann Sfar im Vorspann ganz offen "ein Märchen" nennt, eine der unterhaltsamsten und sehenswertesten Produktionen des Jahres geworden. Ein Realfilm mit animierten Sequenzen, ein wunderbarer Reigen zum Entdecken und Wiederentdecken von Serge Gainsbourg.


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