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Donnerstag, 23.11.2017

Im Gespräch / Archiv | Beitrag vom 20.04.2017

Fritz EllerVisionär der Nachkriegsarchitektur

Moderation: Gisela Steinhauer

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Der Architekt Fritz Eller. (privat)
Der Architekt Fritz Eller. (privat)

Fritz Eller ist einer der großen Architekten der Nachkriegszeit. Zu seinen bekanntesten Gebäuden zählen der NRW-Landtag in Düsseldorf. Anlässlich seines 90. Geburtstags sprechen wir mit ihm über sein Faible für die Moderne – und die Liebe zu seiner Frau, mit der er seit über 60 Jahren verheiratet ist.

Fritz Eller, 1927 in Tirol geboren, studierte gemeinsam mit seinen Freunden und späteren Büro-Partnern Robert Walter und Erich Moser Architektur in Graz. Auf die Idee, in den 50er-Jahren nach Düsseldorf zu ziehen, kamen sie durch einen Tipp an der Universität:

"Wir waren also bei unserem Lieblingsprofessor und haben gesagt: 'Wir sind jetzt fertig.' Da hat er gesagt: 'Ja, Sie können bei uns wohl Assistenten werden, aber da können Sie nicht davon leben. Ich empfehle Ihnen, gehen Sie nach Düsseldorf, da beginnt der Wiederaufbau. 1953, die Engländer haben die Demontage eingestellt, und da können Sie bauen.'"

Schon als Student hatte Fritz Eller Kontakt zu seinen großen Vorbildern. Er war gemeinsam mit seinen beiden Studienfreunden zu einem Kongress in Südfrankreich eingeladen worden – und sah sich plötzlich den ganz Großen seiner Zunft gegenüber:

"Wir klingelten, und da machte einer die Tür auf, das war der berühmte Schulbauer Alfred Roth aus Zürich. Der sagte: 'Kommt rein, wir sind gerade am Frühstücken!' Und da kommen wir in einen Raum rein, und da saßen die ganzen Götter – das muss man sich mal vorstellen: Gropius, Candilis usw. Und wir hatten wahrscheinlich so große Augen gemacht, dass Gropius gesagt hat: 'Guckt nicht so, wenn ihr begabt und fleißig seid, bringt ihr es auch zu was! Setzt euch her und frühstückt mal.' Und er hat uns in diesen französischen Tassen Milch und Kaffee eingeschenkt." 

"Man soll schon von außen die Botschaft erkennen"

Fritz Eller holte schließlich die Moderne in das vom Krieg gezeichnete Westdeutschland. Ihm ging es immer darum, dass der Zweck eines Baus in der Architektur deutlich wird. Seine Bauten sollten hell und durchlässig sein – und die Menschen einladen, darin zu wohnen und zu arbeiten. Noch heute ist er stolz, wenn er Berichte aus dem von ihm entworfenen Düsseldorfer Landtag sieht, direkt am Rhein gelegen, mit dem taghellen runden Plenarsaal und der offenen Bürgerhalle:

"Immer eine große Freude, zu sehen, wie lebendig das Haus geworden ist. Der Architekt baut ein Haus ja nicht für sich, sondern für die Menschen, die darin leben."  

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