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Die Reportage | Beitrag vom 02.07.2017

Flüchtlinge als Erntehelfer auf Sizilien Für eine Handvoll Euro

Von Philipp Eins

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Olivenernte in Sizilien (imago/Gustavo Alabiso)
Olivenernte auf Sizilien - für die Arbeit greifen Landwirte oft auf Flüchtlinge zurück. (imago/Gustavo Alabiso)

Bis zu zwölf Stunden arbeiten sie täglich in der Sonne und verdienen kaum mehr als 45 Euro: Flüchtlinge ohne Arbeitserlaubnis verdingen sich auf Sizilien als Feldarbeiter. Landwirte, Obstbauern und illegale Arbeitsvermittler beuten sie aus.

Ich will hier rein. In den Hotspot, das Aufnahmezentrum für Flüchtlinge. Im Hafen der sizilianischen Küstenstadt Pozzallo. Komme aber nicht weit. Schon am Eingang werde ich von zwei italienischen Soldaten und sechs Carabinieri gestoppt.

Das Camp ist einer von vier Hotspots in Italien. Hier werden Menschen identifiziert und registriert. Flüchtlinge, die es aus Libyen übers Mittelmeer geschafft haben. Organisationen wie Ärzte ohne Grenzen kritisieren die Zustände im Camp: Kakerlaken auf der Krankenstation, defekte Toiletten, überfüllte Schlafsäle, heißt es in einem Bericht. Abdou, ein Flüchtling aus Gambia, wird mir später erzählen, dass er mehrere Tage im Hotspot von Pozzallo eingesperrt war.

Immer nur das Thema Flüchtlinge

Von außen sehe ich nicht viel. Hinter meterhohen Stahlgittern steht ein weißer Pavillon, unter dem mit Schlagstöcken ausgerüstete Soldaten wachen. Wer Ausgang hatte und zurück in den Hotspot will, wird von ihnen mit einem Metalldetektor auf Waffen untersucht. Eine Betreuerin aus dem Hotspot verweist mich bei Fragen an die Präfektur in Ragusa. Und empfiehlt mir einen ausgedehnten Spaziergang an der Strandpromenade. Schließlich gebe es mehr zu berichten aus Pozzallo als immer nur das Thema Flüchtlinge, sagt sie leicht genervt – das sollte ich den Hörern in Deutschland erzählen.

Der Hafen von Syrakus. (Philipp Eins)Der Hafen von Syrakus. (Philipp Eins)

Kurze Zeit später an der Strandpromenade. Wellen brechen sich am Ufer, die Sonne neigt sich dem Horizont. Einige Einwohner von Pazzollo bestellen halbe Hähnchen an einem Schnellimbiss. Auf den Bänken hinter dem Imbiss trifft sich eine Gruppe von etwa 20 Flüchtlingen. Pozzallo ist ein klassisches sizilianisches Touristenstädtchen, das zu einem Sehnsuchtsort für Menschen wie sie geworden ist.

60 Prozent der Asylgesuche werden abgelehnt

Mehr als 200.000 Flüchtlinge könnten dieses Jahr Italien über das Mittelmeer erreichen. Wer eine Aufenthaltsgenehmigung bekommt, bleibt nicht lange. Er zieht weiter Richtung Norden, nach Rom oder Mailand, nach Frankreich oder Deutschland. 60 Prozent der Asylgesuche aber werden laut UNHCR in Hotspots wie dem in Pozzallo abgelehnt.

Sie bekommen auch nur schwer eine Arbeitserlaubnis. Wer beides nicht hat, wird aufgefordert, Italien zu verlassen. Auf eigene Kosten. Das macht aber kaum jemand.

Was also geschieht mit den Menschen, die auf Sizilien stranden? Das möchte ich herausfinden.

Eines wird mir schnell klar: Viele Einwohner von Städten wie Pozzallo möchten von den Flüchtlingen nichts mehr wissen. So wie Luca, der seinen richtigen Namen nicht im Radio hören will.

"2010 kamen die ersten Flüchtlinge nach Pozzallo, da haben wir gerne geholfen. Aber heute sind es einfach zu viele. Sie kommen fast täglich im Hafen an, manchmal 500 auf einmal! Es geht dort zu wie auf einem Flughafen! Früher haben die Hilfsorganisationen die Flüchtlinge aufgenommen, als sie mit den Booten auf dem Meer waren. Heute fahren sie bis an die libysche Grenze!"

Luca, ein Anhänger der populistischen Fünf-Sterne-Bewegung von Beppe Grillo, meint, so gehe es nicht weiter.

"Was sollen wir mit den Flüchtlingen machen? Italien hat große wirtschaftliche Probleme. Vielleicht finden sie Arbeit in Deutschland und Frankreich. Aber selbst ihr könnt ja mittlerweile keine Flüchtlinge mehr aufnehmen, weil schon so viele aus Syrien da sind. Man kann nicht jedem helfen! Viele Italiener ziehen nach Deutschland, um dort selbst Arbeit zu finden. Warum? Weil es hier nicht genügend Jobs gibt. Aber den Flüchtlingen aus Afrika sollen wir Arbeit geben? Das ist unmöglich!"

Die Kirche Maria Madre Della Chiesa in Syrakus. (Philipp Eins)Die Kirche Maria Madre Della Chiesa in Syrakus. (Philipp Eins)

Am nächsten Tag reise ich weiter. Etwa 60 Kilometer nordöstlich von Pozzallo, am nördlichen Stadtrand von Syrakus, liegt die Kirche Maria Madre Della Chiesa. Hier, beim Priester Padre Carlo, finden einige Zuflucht, die auf Sizilien gestrandet sind.

70 Schlafplätze im Pfarrhaus und Kirchenschiff

Dutzende Männer leben zusammen mit Padre Carlo in der engen Wohnung. Sie kommen aus Gambia, Senegal und Mali, viele von ihnen gelten als sogenannte Wirtschaftsflüchtlinge. Oft haben sie keine gültigen Dokumente. Ohne Padre Carlo wären sie auf der Straße gelandet. Der 19-jährige Abdou Bah aus Gambia in Westafrika ist einer von ihnen.

Aus dem Wohn- und Speisezimmer des Padre sind Schlafräume für die Flüchtlinge geworden. Zwischen sechs und zwölf Personen teilen sich einen Raum. Wer keinen Schlafplatz im Pfarrhaus abbekommt, übernachtet im Kirchenschiff. Bis zu 70 Flüchtlinge können in der Gemeinde von Padre Carlo schlafen.

Überall sitzt, liegt, döst jemand vor sich hin. Auch auf den beiden beige-braunen, ausgesessenen Sofas im Aufenthaltsraum. Im Fernseher laufen Italowestern aus den 80ern.

Vor anderthalb Jahren, im Dezember 2015, brach Abdou auf. Reiste mithilfe von Schleppern durch Mali, Burkina Faso und Niger. Er durchquerte acht Tage lang die Sahara, bis er schließlich in Libyen landete.

Wie so viele Flüchtlinge auf dem Weg nach Sizilien wurde Abodu von der Marine im internationalen Gewässer hinter der libyschen Küste gerettet. Schon damals auf dem Schlauchboot, mitten auf dem Meer, ist ein Teil seiner großen Träume vom Leben in Europa geplatzt.

"Ich dachte, es sei einfach, in Europa einen guten Job zu finden. Dass ich die Möglichkeit habe, zu studieren. Ich wollte etwas mit IT machen. Dann aber habe ich gesehen, wie viele Menschen das Mittelmeer überqueren und nach Europa wollen. Die alle den gleichen Traum haben wie ich. Neben meinem Boot wurden noch vier andere gerettet, es waren jeweils mehr als 100 Menschen darauf. Ich dachte mir: Es sind so viele Menschen. Nicht alle werden eine Chance bekommen."

Eingesperrt im Hotspot

Im Januar 2016 kam Abdou auf Sizilien an, in der Hafenstadt Pozzallo. Die ersten Tage verbrachte er in dem Hotspot, in den ich gestern nicht rein durfte.

"Es ist wie ein Gefängnis. Ich war vier Tage lang dort eingesperrt, ohne Tageslicht. Ob es Tag ist, ob es Nacht ist – du weißt es nicht. Ich bin fast verrückt geworden!"

Im Hotspot sollte Abdous Identität festgestellt werden. Einen Asylantrag hatte er nicht gestellt. Gambia gilt als eines der ärmsten Länder der Welt, gilt aber auch als friedlich. Da er noch minderjährig war, durfte Abdou dennoch in Italien bleiben und erhielt eine Aufenthaltsgenehmigung. Er kam in eine Casa Familia, ein Herberge, wo er mit zwölf anderen Jugendlichen lebte.

Abdou ging zur Schule, lernte vier Tage die Woche Italienisch, belegte Kurse in Gastronomie. Als er volljährig wurde, gab es vom Staat keine Unterstützung mehr. Er musste die Wohngemeinschaft verlassen.

"Ich habe meinen Rucksack gepackt und bin nach Syrakus weitergezogen. Einen Monat lang habe ich auf der Straße gelebt. Eines Tages habe ich eine Frau aus dem Senegal getroffen. Sie hat mir von Padre Carlo erzählt. Sie meinte, es ist November, es ist kalt. Bevor du weiter auf der Straße schläfst, geh zu Padre Carlo."

Nachtarbeit für vier Euro die Stunde

Padre Carlo hat Abdou Unterschlupf gewährt, Kleidung gekauft und ihm geholfen, einen Job zu finden. Nicht einfach auf Sizilien: Die Jugendarbeitslosigkeit liegt in Italien bei 37 Prozent, im Süden ist die Quote noch höher. Doch Abdou hat Glück. Seine Aufenthaltsgenehmigung wird in eine für Erwachsene umgewandelt.

Seit zwei Monaten hat er eine Stelle in einer Pasticceria, einem Coffeeshop. Sechs Tage die Woche bereitet er dort Essen zu, nachts, von drei bis neun Uhr morgens. Ohne Vertrag. Für 600 Euro im Monat, gerade mal vier Euro die Stunde. Den Großteil schickt er an seine Familie. Sie soll denken, dass es ihm gut geht.

Padre Carlo in seinem Büro. (Philipp Eins)Padre Carlo in seinem Büro. (Philipp Eins)

In der Kirche, die gleich hinter dem Pfarrhaus liegt, ist gerade der Abendgottesdienst zu Ende gegangen. Padre Carlo hat seinen weißen Talar abgelegt und mich in sein Büro im Erdgeschoss des Pfarrhauses gebeten. Dass er sich für Flüchtlinge engagiert, hält Padre Carlo für seine Pflicht.

Das sehen in seiner Gemeinde nicht alle so. Seit er in den vergangenen Jahren immer mehr Flüchtlinge aus Afrika bei sich aufgenommen hat, haben sich viele von ihm abgewandt. Entmutigt hat ihn das nicht. Ganz im Gegenteil.

"Ich sehe das so: Diejenigen, die kommen, glauben an das Evangelium. Diejenigen, die fernbleiben, denen möge Gott helfen. Das interessiert mich nicht."

Rassismus auf Sizilien weit verbreitet

Ihm ist bewusst, dass gerade die Bewohner der Küstenstädte dem steten Ansturm der Flüchtlinge abwehrend gegenüber stehen und Rassismus auf Sizilien weit verbreitet ist. Auch deshalb hätten es Flüchtlinge aus Afrika wie Abdou so schwer, einen durchschnittlich bezahlten Job zu bekommen.

Zwei Tage später treffe ich Padre Carlo wieder. Heute begleite ich ihn in ein illegales Camp vor Cassibile, einer 20 Kilometer südlich von Syrakus gelegenen Ortschaft. Hier leben Flüchtlinge, die oft keine Dokumente haben, da ihr Antrag auf Asyl oder Arbeit abgelehnt wurde. Sie verdienen ihr Geld als illegale Erntehelfer.

Giovanni Cardella von Amnesty International in Syrakus und dessen Frau Anna Maria fahren auch mit. Eben haben sie noch den weißen Kleinwagen von Padre Carlo bis oben hin mit Reis, Tomatensaft, Zucker, Öl und anderen Lebensmitteln bepackt. Hilfslieferungen für die Flüchtlinge im Camp.

"Die Flüchtlinge arbeiten nicht in regulären Jobs. Sie erledigen kleine Hilfsarbeiten, ernten Kartoffeln und Tomaten."

Manchmal werden 30 Arbeiter für die Ernte gebraucht, manchmal 50. Eine Garantie oder gar Arbeitsverträge gibt es nicht. Bis zu zwölf Stunden arbeiten sie in der Sonne, verdienen pro Tag selten mehr als 45 Euro. Ein italienischer Feldarbeiter würde für weniger Stunden mehr als doppelt so viel bekommen.

Zur Olivenernte aufs Festland

Derzeit leben sie mit 200 anderen Flüchtlingen im Camp. Die meisten kommen Anfang Mai. Wenn die Kartoffeln im Juli abgeerntet sind, ziehen sie weiter aufs Festland, erzählen sie. Nach Puglia und Kalabrien, wo sie Oliven pflücken.

2336456866_Philipp Eins.jpgReporter Philipp Eins über seine Eindrücke:

"Menschen ohne gültige Dokumente pflücken für ein paar Euro Kartoffeln, leben im Müll, haben ihre Hoffnung auf eine bessere Zukunft aufgegeben. Die Behörden wirken überfordert. Und die Einwohner Siziliens wollen von den Flüchtlingen nichts mehr wissen. Sieht so Europa im 21. Jahrhundert aus?" (Bild: privat)

Dann plötzlich liegt das Camp vor uns: eine Ansammlung von Zelten, einige bestehen lediglich aus alten Plastikplanen, die über eine Leine gespannt wurden. Strom gibt es hier nicht, auch kein fließendes Wasser. Einer der Männer hat ein Smartphone eingeschaltet, es spielt arabische Musik.

Müll. Das ganze Camp ist voller Müll. Ich laufe zwischen alten Getränkedosen, durchlöcherten Schuhen und ausrangierten Fernsehern entlang, die sich zwischen den aus blauen Plastikplanen geflickten Unterkünften türmen. Alles, was auf den Straßen gefunden wurde und verwertbar erschien, liegt hier rum.

Umgeben von Müll sorgen die Flüchtlinge füreinander

Es ist Ramadan, kurz vor dem Fastenbrechen zu Sonnenuntergang. Die Männer sind hungrig, gereizt. Etwa 30 von ihnen versammeln sich vor einem langen Tisch vor der Ruine. Darauf stehen Plastikteller mit Salat, Tomaten und Datteln. Limonade wird aus einem metallenen Topf geschöpft und in Plastikbecher gefüllt. Zwei Männer schleppen riesige Pfannen mit Flouflou ins Freie, einem festen Brei aus Yamswurzel und Kochbananen, den sie über Gaskochern zubereitet haben. Giovanni, der Padre und ich stehen daneben. Auch wir sollen probieren, lehnen aber dankend ab.

"Hier kannst du sehen, wie solidarisch es in dem Camp zugeht. Wenn du heute Arbeit auf dem Feld gefunden hast, zahlst du für das Essen. Wenn du keine Arbeit hattest, isst du trotzdem mit – gratis. Wir haben viel von den Flüchtlingen gelernt. Sie sorgen für einander, lassen niemanden allein."

Viele Flüchtlinge haben Angst, mit mir zu sprechen. Vor zwei Tagen gab es Kontrollen, sie sind jetzt vorsichtig. Einer aber erklärt sich bereit. Er ist 30 Jahre alt, kommt aus dem Senegal. Seit zwei Jahren verdient er sein Geld als Wanderarbeiter.

"Wir wachen für gewöhnlich um fünf Uhr morgens auf. Dann holt uns ein Auto ab. Die Felder, auf denen wir arbeiten, liegen oft weit entfernt. Manchmal 150 Kilometer!"

Ibrahima lebt seit 2007 in Italien. Zweimal hat er einen Asylantrag gestellt. Zweimal wurde er abgelehnt. Schließlich landet er wie so viele in der Kirche von Padre Carlo in Syrakus. Dort bringen ihn andere Flüchtlinge auf die Idee, als Wanderarbeiter Geld zu verdienen. Weil er Frau und Kinder in Senegal unterstützen muss, lässt er sich schließlich darauf ein.

Die Flüchtlinge machen die Arbeit, den Profit machen andere

Seit zwei Jahren arbeitet Ibrahima auf den Feldern Siziliens. Immer auf Abruf. Immer in Angst vor den Kontrollen der Polizei. Alle Flüchtlinge hier nehmen die Jobs an, weil sie keine andere Chance haben. Den Profit aber machen andere: die Landwirte und Obstbauern, aber auch illegale Arbeitsvermittler, Caporale genannt.

"Das Caporalato ist wie ein Mafia-System. Der Caporale vermittelt dich an einen Job beim Landwirt und nimmt dein Geld – mehr macht er nicht. Wenn du neun Stunden auf dem Feld arbeitest, behält der Caporale einen Euro pro Stunde von jedem Arbeiter ein. Für den Transport zum Feld und zurück musst du pro Tag weitere fünf Euro zahlen. Wenn der Caporale zehn Arbeiter vermittelt, erhält er 90 Euro pro Tag und Feld. Deshalb versucht er, so viele Arbeiter wie möglich auf verschiedenen Feldern unterzubringen. Er verdient mehr, als wir für unsere Arbeit bekommen."

Das Caporalato ist in Italien verboten, aber auf Sizilien scheint sich niemand darum zu scheren. Ohne die Vermittler haben Arbeiter wie Ibrahima keine Chance auf einen Job. Die ganze Kommunikation läuft über sie, oft über Messengerdienste wie WhatsApp. Auch die Caporale sind meist Fremde, die sich in der Illegalität hochgearbeitet haben. Häufig kommen sie aus dem arabischen Raum. Ibrahima verdient derzeit 6,50 Euro pro Stunde für die Kartoffelernte. Abzüglich des Geldes für Caporale und Fahrer bleiben ihm etwa fünf Euro Stundenlohn. Viele Landwirte zahlen noch weniger – wenn überhaupt.

Die Begegnung mit den Flüchtlingen im Camp, die inmitten von Müll leben, aber auch mit Nachtarbeitern wie Abdou – sie lassen mich ratlos zurück. Die Migration macht eine Branche groß, die ich in Europa für beinahe ausgerottet hielt: die der Wanderarbeiter und Tagelöhner. Sie kommen mit großen Träumen. Verrichten Arbeiten für einen Hungerlohn, ganz ohne staatliche Sicherung. Sie sind nicht erwünscht, werden ausgebeutet, sie sind moderne Arbeitssklaven. Haben wir ihnen in Europa wirklich nichts Besseres zu bieten?

Am nächsten Tag, zurück in Syrakus, in der Gemeinde von Padre Carlo. Auf dem eingezäunten Fußballfeld neben dem Gemeindehaus kicken einige der jungen Flüchtlinge, die bei Padre Carlo im Pfarrhaus wohnen. Auch Abdou, der 19-Jährige aus Gambia, spielt hier regelmäßig.

Gute Nachricht für Abdou

Ich will mich von ihm und dem Padre verabschieden. Morgen reise ich zurück nach Berlin. Das Ziel, was für viele hier weit weg erscheint, für mich liegt es nur knappe zwei Stunden mit dem Flugzeug entfernt. Es gibt gute Nachrichten, erzählt Abdou. Wenn er noch zwei Monate durchhält, könnte er eine feste Stelle für die Nachtschichten im Schnellrestaurant erhalten – mit Vertrag.

1500 statt 600 Euro – für Abdou ein großer Sprung. Er könnte bei Padre Carlo ausziehen, sich ein eigenes Zimmer suchen. Eigentlich will er aber noch immer studieren, etwas aus sich machen. Auch wenn er daran längst nicht mehr richtig glaubt.

"Ich bin immer noch enttäuscht von Europa. Meine Vorstellung war ganz anders. Ich habe nur nicht den Mut, nach Gambia zurückzukehren. Wenn ich mit leeren Händen zurückkomme, denkt meine Familie schlecht von mir. Das ist das einzige, was mich hier hält. Ich möchte nicht, dass jemand schlecht über mich denkt."

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