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Lesart / Archiv | Beitrag vom 26.11.2015

Florian Werner liest Musik"Save a Prayer" von Eagles of Death Metal

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Der Frontmann Jesse "The Devil" Hughes der amerikanischen Band Eagles Of Death Metal, aufgenommen während eines Konzerts beim Eurockeennes Festival im französischen Belfort, im Juli 2015 (picture alliance / dpa / Hugo Marie)
Der Frontmann Jesse "The Devil" Hughes der amerikanischen Band Eagles Of Death Metal (picture alliance / dpa / Hugo Marie)

Die Eagles of Death Metal wollen bald wieder im Pariser Konzertsaal Bataclan auftreten. Dort werden sie wohl auch ihre Coverversion des Duran-Duran-Songs "Save a Prayer" spielen. Unser Autor Florian Werner fragt sich: Muss der Song nach dem Anschlag in Paris neu interpretiert werden?

"You saw me standing by the old corner of Main Street
the lights are flashing on your window sill"

Zwei Personen. Die eine steht draußen an einer Hausecke. Die andere befindet sich in einem nahegelegenen Gebäude, beobachtet die mysteriöse Gestalt im Freien. Lichter flackern, erhellen flüchtig den Fensterrahmen. Sind es die Alarmleuchten eines Polizei- oder Krankenwagens? Und was zum Teufel hat der Fremde da draußen zu suchen?

"All alone ain't much fun, so you're looking for the thrill
And you know just what it takes and where to go"

Es fällt schwer, einen Text wie "Save a Prayer" nach den jüngsten Anschlägen nicht als verklausulierte Beschreibung einer Bedrohungs- oder Terrorszene zu lesen. Ein junger Mensch, der den Nervenkitzel, die Gefahr sucht? Der weiß, was zu tun ist und wo er hingehen muss? Das muss doch ein potenzieller Attentäter sein! Allerdings: Es handelt sich bei der Originalversion des Songs keineswegs um eine musikalische Todesdrohung - sondern um ein Liebesballade.

Gedenken an der Konzerthalle Bataclan (picture alliance / dpa / Foto: Ian Langsdon)Gedenken an der Konzerthalle Bataclan in Paris, wo ein islamistischer Terroranschlag stattfand. (picture alliance / dpa / Foto: Ian Langsdon)

Refrain erscheint in einem völlig anderem Licht

"Don't say a prayer for me now
Save it till the morning after
No, don't say a prayer for me now
Save it till the morning after"

Gerade der Refrain erscheint durch die Kontextverschiebung in völlig anderem Licht. Im Original spricht hier ein narzisstischer Liebhaber, der von seiner Partnerin 'angebetet' wird, aber lieber zur Sache kommen möchte. Im Rahmen der Pariser Attentate erinnert er an die Online-Kampagne #PrayforParis - sowie an den Gegenaufruf des Charlie Hebdo-Karikaturisten Joann Sfar, man möge sich doch bitte die Gebete sparen, und stattdessen lieber leben, lieben, Musik hören und Champagner trinken.

"And you wanted to dance, so I asked you to dance, but fear is in your soul
Some people call it a one-night stand, but we can call it paradise"

Leichter gesagt als getan. Selbst ein positiv besetzter Begriff wie 'Paradies' bekommt im Angesicht islamistischer Selbstmordattentäter eine andere Konnotation, klingt nicht nach sexueller Ekstase, sondern eher nach 72 Jungfrauen. Und das Stichwort dance erinnert plötzlich an einen Totentanz. Meint der one-nightstand womöglich ein Rendezvous mit dem Knochenmann? Die kalte Umarmung des Todes?

Hinein in die düstere Logik des Terrors

Franz Schubert: "Der Tod und das Mädchen"

"... sollst sanft in meinen Armen schlafen."

Stop! Schluss damit! Wer Songtexte so interpretiert, der begibt sich mittenmang in die düstere Logik des Terrors. Es geht in "Save a Prayer" einfach nur um einen Mann und eine Frau. Um eine Verführung, eine Liebesnacht.

Und wenn es um Angst geht, dann allenfalls um die Furcht, dem Partner beim Stehblues auf die Füße zu treten. Kein Grund zum Beten. - Zumindest bis morgen früh. Dann bedeutet der Text vielleicht schon wieder etwas ganz anderes.

"Save a prayer till the morning after
Save a prayer till the morning after"

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