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Kompressor | Beitrag vom 17.04.2018

Filmhistoriker Lars Henrik Gass im InterviewRettet das Kino!

Moderation: Max Oppel

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Ein voller Kinosaal kurz vor dem Filmstart (imago stock&people)
Ein voller Kinosaal kurz vor dem Filmstart (imago stock&people)

Die Pflege des Kinos darf nicht auf die Förderung neuer Filme reduziert werden, fordert der Filmhhistoriker Lars Hendrik Gass: Ähnlich wie die Theater sollten auch Kinos erhalten, unterstützt und gefördert werden.

Der Filmhistoriker Lars Henrik Gass fordert eine breitere Würdigung des Kinos als schützenswürdige Kulturpraxis. Ähnlich der Unterstützung und Finanzierung von Theater, Oper und klassischer Musik brauche es für das Kino eine klare Förderung für den Erhalt von historischen Kinos und auch für deren Betrieb, sagte der Leiter der Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen. "Die darstellenden Künste beanspruchen im Jahr weit über drei Milliarden an öffentlichen Mitteln und das ist richtig, aber es ist allerhöchste Zeit, darüber nachzudenken, wo eine geregelte Musealisierung eingeleitet werden kann und wie die aussehen soll." 

Andere Wahrnehmungsmuster beim gemeinsamen Kinogang

Gass spricht von einem klaren "Ende der gewerblichen Auswertung von Kino", denn dafür gebe es derzeit keine "wirtschaftliche Notwendigkeit" mehr. "Allein seit der Jahrtausendwende hat das Kino ein Drittel der Einnahmen verloren", so Gass. Hier brauche es einen neuen gesellschaftlichen Aushandlungsprozess darüber, wie wir mit dem Kino umgehen.

Kino sei medien- und kulturhistorisch eine besondere kulturelle Praxis, die sich dadurch auszeichnet, dass sie "einen Zwang zur Wahrnehmung etabliert", sagte Gass. Kino habe die Wahrnehmungsmuster über mehr als einhundert Jahre und damit über Generationen geprägt. Filme im Kino zu sehen unterscheide sich deutlich von der zunehmenden Praxis, Filme im Onlinestream anzusehen, da hier eben die Wahrnehmung nicht konzentriert auf dieses eine Medium sei, also auf dem einen Film liege.

Außerhalb des Kinos könne heute der Film eben auch oft unterbrochen werden, werde direkt kommentiert oder auch schlicht an verschiedenen Orten rezipiert. "Wir betrachten nun Filme anders, als wir das früher taten", so Gass. Und er ergänzte: "Weniger tief, viel abgelenkter!"

Gemeinsam zwei Stunden einem Film folgen war gestern

Der Aspekt des gemeinsamen Ins-Kino-Gehens als wichtige kulturelle Praxis sei in der Pflege und dem Erhalt dieser Kultur bislang versäumt worden, so Gass. "Man spricht eigentlich nur noch über das Filmerbe, dass also etwa die Filme digitalisiert werden müssten." Um hier die Kulturtechnik "Kino" angemessen zu erhalten und zu pflegen genüge ein Blick zum Theater. Hier sei lange klar, dass die Pflege der kulturellen Praxis "Theater" nicht einfach nur erfolgen könne, indem man etwa Dramen verlegt und druckt:

"Kino ist mindestens der Film, mindestens die Aufführung, mindestens auch der Ort."

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