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Interview / Archiv | Beitrag vom 06.02.2014

FilmfestivalBabelsberg goes Berlinale

Chef der Filmstudios Babelsberg über Clooney, Serien und Geld

Moderation: Ute Welty

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Christoph Fisser, Vorstand der Studio Babelsberg AG (picture alliance / ZB)
Christoph Fisser, Vorstand der Studio Babelsberg AG (picture alliance / ZB)

Wenn es um Filmförderung geht, seien die Kreativen in Deutschland noch benachteiligt, bemängelt Babelsberg-Chef Christoph Fisser. Dennoch konnte die Großproduktion "The Grand Budapest Hotel" in Babelsberg gedreht werden.

Ute Welty: Nach „Schlaflos in Seattle“ bereitet sich die Filmwelt auf einen weiteren Klassiker vor, nämlich „Busy in Berlin“. Für Filmschaffende ist die Berlinale die vielleicht anstrengendste Zeit des Jahres, mit vielen Meetings tagsüber und vielen Partys am Abend. Christoph Fisser kann davon mehr als ein Lied singen. Seit zehn Jahren nun schon leitet er zusammen mit Carl Woebcken die Filmstudios in Babelsberg. Guten Morgen!

Christopher Fisse: Guten Morgen!

Welty: Noch klingen Sie enorm ausgeschlafen.

Fisse: Ja, das wird sich wahrscheinlich, wie Sie schon angedeutet haben, im Laufe der Tage etwas ändern, aber wir haben versucht, Kraft zu tanken für die Berlinale.

Welty: Wie macht man das, vorschlafen?

Fisse: Vorschlafen, anders ist nicht möglich, ja.

Welty: Wie sieht denn Ihr Terminkalender aus für die nächsten zehn Tage? Die Studios Babelsberg sind ja mit drei Weltpremieren vertreten, die alle betreut werden wollen. Das klingt nach Klonen, respektive Beamen wäre schon praktisch.

Fisse: Ja, also das eine, die Premieren, da sind die Tage fast geblockt für uns, weil es auch noch Interviews gibt und wir uns natürlich auch um die Schauspieler und um die Produzenten kümmern müssen und wollen natürlich auch, und die Tage sind wirklich voll. Also bei uns geht es um acht Uhr morgens los eigentlich mit Terminen. Es sind doch auf der Berlinale mittlerweile eigentlich alle wichtigen Produzenten da, das heißt, das Filmfest ist auch für die Akquise für uns ein ganz wichtiger Zeitpunkt im Jahr.

Welty: Wie haben Sie denn die Akquise bisher betrieben, wie haben Sie Stars wie Wes Anderson oder George Clooney Babelsberg schmackhaft machen können?

Fisse: Also wir sind ja bestimmt sechs, sieben Mal im Jahr in Los Angeles, und meistens läuft es auch so, allerdings kommen eigentlich alle großen Projekte … landen bei uns irgendwann auf dem Tisch und wir haben zumindest die Chance, die Möglichkeit, ein Vergleichsbudget zu erstellen, weil wir bei diesen Produktionen doch mit vielen Ländern auf der Welt konkurrieren. Aber das Wichtigste sind die Reisen nach Los Angeles, da kommen eigentlich … Die meisten Filme sind so entstanden hier.

"Berlin kann noch so hip sein"

Welty: Funktioniert das dann alles über den Preis oder gilt der alte Grundsatz, dass Menschen vor allem von Menschen kaufen?

Fisse: Nein, ich sage mal: Je teurer eine Produktion wird, desto mehr entscheiden da eigentlich die Finanzvorstände und nicht die Kreativen, wo sie hingehen. Es sind enorme Summen, die da im Spiel sind. Wir sind da im Übrigen auch etwas benachteiligt, zum Beispiel gegenüber England, Kanada, Ungarn, die alle sogenannten Tax Credit haben und einfach …

Welty: Das heißt?

Fisse: Das heißt, die Produktion bekommt 20 Prozent von dem Geld, das er in dem jeweiligen Land ausgibt, bekommt sie, das heißt, wenn ein großer Film, 200 Millionen, Harry Potter, sagen wir mal, wenn der in England produziert wird, bekommt der 40 Millionen Zuschuss, und in Deutschland ist das leider nicht möglich. Das heißt, wir haben hier einen sogenannten Cap: Wir können nur bis zu vier Millionen beantragen pro Film und dann gibt es Ausnahmen bis zu zehn Millionen. Aber da sieht man schon, bei den ganz großen Produktionen – wenn da von mir aus 20 Millionen mehr kommen in einem anderen Land, dann können wir noch so nett sein und Berlin noch so hip sein und Babelsberg das älteste Studio der Welt sein, dann schaut es oft schlecht aus für uns.

Welty: Würden Sie sagen, Deutschland ist Diaspora in Sachen Filmförderung?

Fisse: Nein, überhaupt nicht. Das sind die Gegebenheiten hier, und wir versuchen natürlich, das Ganze zu verbessern, aber wir haben ja sehr schöne Produktionen. Die Produktionen, die auf der Berlinale laufen, der Wes-Anderson-Film ist wirklich …

Welty: Der Eröffnungsfilm heute.

Fisse: … der Eröffnungsfilm, ist ein … Da sind wir wahnsinnig stolz drauf. Es ist ein wunderschöner Film geworden, und ich glaube auch, zumindest für mich der schönste Eröffnungsfilm, seitdem ich auf die Berlinale gehe.

"Letztes Jahr haben wir wirklich ganz besondere Filme gemacht"

Welty: Großes Kino ist das eine – was ist mit den kleinen Brötchen, die auch Sie backen müssen mit Fernsehserien zum Beispiel?

Fisse: Ja, wir selber produzieren ja nicht fürs Fernsehen und wir haben bei uns auf dem Gelände „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“, das passt auch sehr gut zu dem Studio, das könnte auch der Titel für das Studio sein, insofern sind wir auch froh, dass diese Produktion hier ist. Aber wir konzentrieren uns schon auf Kinofilm. Und da gibt es natürlich auch kleinere Brötchen. Das heißt, wir sind an jedem Film interessiert, auch an kleineren deutschen Produktionen, oder wir haben jetzt eine wunderschöne kleine dänische Produktion dann hier vor Ort, und uns macht es einfach Spaß, Filme zu produzieren.

Welty: In den USA boomen ja anspruchsvolle Fernsehserien. Ist das ein Markt, der in Deutschland noch entdeckt werden will?

Fisse: Ich glaube ja, sagen wir mal, die Qualität dieser Serien hat in den letzten Jahren in den USA enorm zugenommen. Allerdings muss man auch sagen, stehen da ganz andere Budgets zur Verfügung. Also wenn man dann jeweils für 500.000 Euro drehen muss einen 60-Minüter oder von mir aus für eine Million einen 90-Minüter, dann sind da einfach vier oder fünf Millionen da, weil einfach die Auswertungsmöglichkeiten ganz andere sind, wenn ein Film englischsprachig gedreht wird.

Welty: Und das sieht man auch direkt, sagen Sie?

Fisse: Ja, also ich … Ja, das sieht man, ja, die schauen einfach besser aus, die Serien, muss man neidlos …

Welty: Inwieweit? Ist das Make-up dann besser, ist die Klamotte besser, ist die Kulisse besser?

Fisse: Die Kulisse, der gesamte Look dieser Produktion kommt schon dem Kino nahe. Also wenn man jetzt sieht, dass letztes Jahr HBO „Behind the Candelabra“ gemacht hat – das ist ein richtig teurer Film gewesen, fürs Fernsehen produziert, der ist in den USA überhaupt nicht im Kino gelaufen, ich weiß nicht, ob Sie das … mit Michael Douglas und Matt Damon ist der, und ist dann vom Rest der Welt auch im Kino ausgewertet worden, aber es ist eine Fernsehproduktion gewesen mit einem Riesen-Produktionsvolumen und absolut kinotauglich.

Welty: Aus dem Handgelenk und mit der Bitte um Widerspruch würde ich sagen, 2013 ist nicht schlecht für Sie gelaufen. Was können Sie uns jetzt schon für 2014 in Aussicht stellen?

Fisse: Also bei uns, wir reden ja immer nicht über die Produktionen, die noch kommen – aus gutem Grund, weil manchmal ist so ein Film … kommt dann doch nicht, auch wenn man mit ihm rechnet. Das ist ein Grund. Der andere ist, dass wir gerne in Ruhe, möglichst in Ruhe produzieren. Ist natürlich schwierig, wenn dann George Clooney da ist, dann kann man das schlecht verheimlichen, aber bei den anderen Produktionen. Aber was wir sagen können, dass wir davon ausgehen, dass dieses Jahr finanziell zumindest besser wird als letztes Jahr, weil wir wirklich große Studioproduktionen haben, und die Produktionen, die wir letztes Jahr gehabt haben, waren nicht alle im Studio. Also wir sind da wirklich gereist. Wir waren mit „Monuments Man“ wirklich in Deutschland unterwegs, in Goslar und Halberstadt und überall, mit „The Grand Budapest Hotel“ waren wir lange in Görlitz. Und die Produktionen, die wir dieses Jahr haben werden, sind sehr studiolastig. Insofern schaut es geschäftlich dieses Jahr besser aus. Ob die Filme besser werden, weiß ich nicht, weil letztes Jahr haben wir wirklich ganz besondere Filme gemacht.

Welty: Wir sind gespannt. Christoph Fisser leitet die Filmstudios Babelsberg und macht sich bereit für die Berlinale. Ich wünsche ein erfolgreiches Festival, und immer dran denken: Das letzte Glas Wein ist meistens irgendwie schlecht. Das weiß ich aus eigener Erfahrung.

Fisse: Da danke ich Ihnen noch mal ganz herzlich für den Tipp.

Welty: Aber bitte, gerne.

Fisse: Danke!

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