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Sonntag, 19.11.2017

Rang I | Beitrag vom 11.11.2017

Filmemacher Brüggemann debütiert im Theater"Oper würde mich sehr reizen"

Dietrich Brüggemann im Gespräch mit Susanne Burkhardt

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Regisseur Dietrich Brüggemann (imago/Jakob Hoff)
Der Regisseur Dietrich Brüggemann bringt sein erstes Theaterstück "Vater" in Berlin auf die Bühne. (imago/Jakob Hoff)

Film-Regisseur Dietrich Brüggemann - unter anderem bekannt durch die Hitler-Satire "Heil" - debütiert am Theater. Für ihn sei die Arbeit am Deutschen Theater in Berlin ein befreiendes Erlebnis, erzählt er. Und er hat schon weitere Träume.

Bei diesem Stoff war von Anfang an klar: Das Thema gehört auf eine Bühne. "Als Film wäre mir das nie eingefallen", sagt Dietrich Brüggemann. In der kleinen Spielstätte "Box" vom Deutschen Theater Berlin hatte der Filmemacher einige Arbeiten gesehen, die ihn für sein erstes Theaterstück "Vater" inspirierten. Denn hier, an den kleinen Bühnen, so Brüggemann, fände man oft die spannendsten Arbeiten.

In "Vater", das er nun mit Alexander Khuon (Sohn) und Michael Gerber (Vater) in der Box inszeniert, sitzt ein Sohn am Krankenbett seines sterbenden Vaters. Er versucht "dem Vater eine Bilanz aus der Nase zu ziehen". Die Zwischenbilanz des eigenen Lebens sei "uneindeutig" – ein – so Brüggemann  - "Stochern im Nebel, ein dialektisches Um-Sich-Schlagen". Ein Kreisen um die existenziellen Grundfragen, an denen niemand vorbeikommt: "Mit wem verbringe ich mein Leben, wie verbringe ich mein Leben, pflanze ich mich fort und wenn ja mit wem?" Und wieviel spielt sein eigener Vater in das Stück hinein?

"Paranoid, psychatisch, neurotisch und kompliziert"

Eigentlich kaum, sagt Dietrich Brüggemann. "Mein eigener Vater war ein höchst spezifischer Spezialfall – der war paranoid, psychatisch, neurotisch und kompliziert."  Also habe er ihn weitgehend rausgelassen, zum einen, weil er "keine Lust" habe, sich an ihm abzuarbeiten – aber auch, weil er ihm  "gar nicht diese Ehre erweisen" wolle.

Alexander Khuon (rechts) spielt mit Michael Gerber am Deutschen Theater in dem Schauspiel "Vater" von Dietrich Brüggemann. (picture alliance / Paul Zinken / dpa)Alexander Khuon (rechts) spielt mit Michael Gerber am Deutschen Theater in dem Schauspiel "Vater" von Dietrich Brüggemann. (picture alliance / Paul Zinken / dpa)

Befreiung im Theater

Im Gegensatz zum Filmemachen fühlt sich Brüggemann bei seiner Theaterarbeit befreit: Hier müsse er keine "straighte Story erzählen", sondern könne "wirklich sehr viele Assoziationen durcheinanderwerfen und trotzdem hat das Ding einen roten Faden und Zug drin". Auch seien die Personen "leibhaftig da" – und das Publikum mache eine "andere Achse auf".  Ansonsten gebe es zwischen Theater und Film viele Ähnlichkeiten, vor allem wenn man auf einer kleinen Bühne spiele.

Viel schwieriger sei es da mit großen Häusern – weil schnell alles weit weg und so klein gerät: "Ich finde zum Beispiel die Volksbühne viel zu groß, das ist einfach so ein Riesenkasten, das ist wahnsinnig schwer, da effektives Theater zu machen."

Theatermachen ist sehr erholsam

Die Probenarbeiten in der Box des Deutschen Theaters empfindet Brüggemann als "sehr erholsam"- schließlich gebe es hier keinen so enormen Zeitdruck und Riesen-Technik-Apparat wie beim Film: "Diese Probenzeit am Theater fühlt sich wie ein Spaziergang an – im Vergleich zum Film machen. Dreharbeiten fressen einen total auf und spucken einen halbtot wieder aus". Eine Wiederholung seines Theater-Regie-Gastspiels ist also durchaus denkbar für den Filmemacher Brüggemann:  "Wenn‘s nach mir geht: Ich  hab so ein Operninteresse –Oper würde mich sehr reizen."

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