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Religionen | Beitrag vom 17.09.2017

Film über Mennoniten in ArgentinienDie Bibel als einziges Schulbuch

Nora Fingscheidt im Gespräch mit Anne Françoise Weber

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Eine Mutter mit ihrem Kind in einer Mennonitenkolonie in Paraguay, aufgenommen am 18.7.2007 (imago / imagebroker)
Eine Mutter mit ihrem Kind in einer Mennonitenkolonie in Südamerika (imago / imagebroker)

Möglichst fromm und entfernt von modernen Errungenschaften: Der Film "Ohne diese Welt" zeigt das Leben von Mennoniten in Argentinien. Die Regisseurin Nora Fingscheidt stieß vor vielen Jahren zufällig auf die Gemeinschaft – die sie bis heute fasziniert.

Anne Françoise Weber: Von Reformation ist viel die Rede zurzeit, im Endspurt zum 500. Jahrestag der Veröffentlichung von Martin Luthers Thesen am 31.10. Immer wieder taucht bei dieser Beschäftigung mit der Reformation die Frage auf, wie nah uns diese Zeit heute überhaupt noch ist.

Eine Möglichkeit, ihr näherzukommen, ist, morgen Nacht Ihren Fernseher anzuschalten, denn dann läuft um 0.15 Uhr im ZDF der Film "Ohne diese Welt" von Nora Fingscheidt. Es ist ihre Abschlussarbeit an der Filmakademie Baden-Württemberg, die mit dem Max Ophüls Preis für den besten Dokumentarfilm ausgezeichnet. Der Film zeigt das Leben einer Gemeinschaft von Mennoniten in Argentinien, die möglichst viel von der modernen Welt außen vor halten wollen.

Damit kommt man nicht ganz zurück ins 16. Jahrhundert, in dem ihr Namensgeber, der Reformator Menno Simons als Zeitgenosse von Martin Luther lebte, aber das Ganze ist doch ziemlich weit weg von unserem hoch technisierten Alltag. Warum wollen Menschen so leben? Auch hier in Deutschland gibt es Mennoniten, die sich aber nicht dieser extremen Traditionspflege verschrieben haben. Und wie lässt sich in so einer technikfeindlichen Gemeinschaft überhaupt ein Dokumentarfilm drehen?

Das sind Fragen, die ich vor der Sendung an die Filmemacherin Nora Fingscheidt gestellt habe. Man könnte ja denken, dass diese Menschen schon seit mindestens 100 Jahren in Argentinien leben, aber es sind wohl erst 18. Davor sind sie oder ihre Vorfahren um die Welt gezogen. Welche Geschichte steckt dahinter?

"Als Wiedertäufer angeklagt"

Nora Fingscheidt: Die Geschichte dieser Wanderung beginnt in Friesland im 16. Jahrhundert. Und damals gab es ja relativ viele Splittergruppen, die zum Teil wirklich bis aufs Blut verfolgt wurden, weil sie als Wiedertäufer angeklagt wurden von der katholischen Kirche und deshalb ins Exil gegangen sind. Und die Vorfahren unserer Altkolonier-Mennoniten, wie man genau genommen sagen müsste, sind von Friesland nach Preußen, von dort nach Russland, von dort nach Kanada über Mexiko jetzt in Argentinien gelandet.

Weber: Und warum diese ständigen Umzüge? Warum konnten die nicht mindestens in Kanada bleiben?

Fingscheidt: Das hatte von Ort zu Ort unterschiedliche Gründe. In Russland zur Zeit der Landreform wurde der Militärdienst verpflichtend für alle, die im Land leben. Und da haben dann eben ein Großteil der dort lebenden Mennoniten gesagt: Wehrdienst können wir nicht vereinbaren mit unserem Glauben. Und sind dann ausgewandert, lebten für über 100 Jahre in Kanada bis nach dem Ersten Weltkrieg. Und zu der Zeit hat sich dann die kanadische Regierung gefragt: Was macht eigentlich unsere deutsche Minderheit im Land? Und haben festgestellt: Oh, die lernen ja gar kein Englisch!

Und haben dann gesagt, so, ihr müsst jetzt verpflichtend euren Kindern mindestens eine Stunde am Tag Englisch beibringen in der Schule. Und dann hat sich die Gemeinschaft wieder aufgeteilt. Und nicht alle, sondern ein besonders strenger Kern, würde ich sagen, hat dann eben neues Land gesucht. Und jeweils immer dort, wo die Privilegien vergeben werden – keine Wahlpflicht, kein Militärdienst und keine Schulpflicht an öffentlichen Schulen –, dort sind sie hingezogen.

Weber: Und das war dann auch in Mexiko vor 18 Jahren vorbei und man musste da noch weiter ziehen, nach Argentinien?

Fingscheidt: In Mexiko hatte das wieder andere Gründe, in Mexiko gibt es wahnsinnig viele Mennoniten, die in ganz unterschiedlichen Modernitätsstadien leben, sage ich mal. Also, Teile von Kolonien, die dort leben, inzwischen schon mit Autos oder mit Autos und Strom oder nur Stromanschluss, aber noch Kutschen, also ganz, ganz unterschiedlich. Teile ganzer Kolonien sind auch zu anderen Religionen konvertiert und auch das Land wurde knapp. Und da haben dann wieder kleine Gruppen gesagt: So, wir ziehen jetzt noch mal weiter, um in Ruhe unter uns leben zu können, mit allen, die genauso leben wollen wie wir. Also ohne Stromanschluss im Haus und ohne Autos.

Weber: Sie haben ja schon mit diesem Beispiel des Schulunterrichts gezeigt: Es geht also darum, sich da komplett von der sie umgebenden Welt abzuschotten und also wirklich die Tradition bis hin zu diesem alten Plattdeutsch möglichst rein zu bewahren. Warum ist das so wichtig?

Fingscheidt: Da hat, glaube ich, auch jeder ein bisschen eine andere Antwort drauf, auch innerhalb der Kolonie. Das herauszufinden war unser größter Antrieb, überhaupt auch diesen Film zu machen. Wenn ich das jetzt so vereinfacht sagen kann, dann geht es vor allem um die größtmögliche Sicherheit, ein frommes und schuldfreies Leben zu führen, um danach im Jenseits auf der rechten Seite zu sitzen.

Weber: Also auf der der Gerechten und nicht auf der derer, die in die Hölle kommen.

"Eine relativ große Toleranz für anders Lebende"

Fingscheidt: Genau. Das wird natürlich dadurch, dass die Bibel das einzige Schulbuch ist, sehr wörtlich genommen, was da drinsteht mit dem Jüngsten Gericht und der rechten Hand und der linken Hand. Und für viele Menschen ist das wirklich das, was sie am Ende des Lebens erwartet. Das heißt, es geht darum, ein möglichst frommes, arbeitsames, rechtschaffenes Leben zu führen. Und dabei haben sie kein Interesse, andere zu bekehren, das ist ganz wichtig. Sie wollen nicht missionieren und sie haben auch eine relativ große Toleranz für anders Lebende, also, sind uns auch wirklich mit offenem Herzen begegnet und leben ja auch wirklich mit den Argentiniern quasi Schulter an Schulter. Würden sich da natürlich auch ein bisschen mehr Distanz eigentlich wünschen, aber es ist nun mal logistisch nicht anders möglich.

Weber: Sie haben eine Stelle in dem Film, wo das eben auch so theologisch begründet wird. An vielen anderen Stellen hatte ich so den Eindruck, es geht fast mehr um die Tradition als um die Religion. Es geht darum, unsere Vorfahren haben das schon immer so gemacht und wir wollen vor allem den Regeln unserer Vorfahren entsprechen. Also, dass die religiös begründet sind, ist klar, aber haben Sie wirklich den Eindruck: Ist das ein religiöser Antrieb bei allen?

Fingscheidt: Bei den allerwenigsten. Ich glaube, das hat wirklich vor allen Dingen traditionelle Gründe und natürlich auch Gründe der Gemeinschaft und Zusammengehörigkeit. Das gibt ja auch Sicherheit und stärkt und die Regeln sind ganz klar, die Lebensmöglichkeiten sind auch ganz genau definiert. Und darin entsteht auch wieder eine Freiheit.

Weber: Freiheit ist ja so eine Frage, die man sich stellt, wenn man diesen Film sieht. Wie viel Individualität ist da möglich, wenn alle Frauen die gleichen Hüte und die gleichen Kleider tragen, alle Männer die gleichen Latzhosen und alles so vorgegeben scheint, in welchen Bahnen man da sein Leben zu leben hat?

"Mit unserem Begriff von Freiheit nicht so viel zu tun"

Fingscheidt: Das hat sicherlich mit unserem Begriff von Freiheit nicht so viel zu tun. Ich kann nur sagen, dass Freiheit für die Altkolonier-Mennoniten ein sehr großer Wert ist. Und zwar empfinden sie es als Unfreiheit, wenn ihr Kind auf eine staatliche Schule gehen müsste und vorgeschrieben kriegt vom Staat, was es zu lernen hat. Und haben mich auch gefragt, wie wir es aushalten, so unfrei zu leben.

Weber: Trotzdem merkt man zumindest bei den Interviews, die Sie mit den Jüngeren geführt haben, dass da so ein bisschen eine Sehnsucht ist, doch mehr ausprobieren zu können oder doch auch mal mit einem Auto fahren zu dürfen oder so. Also, ist das nicht doch der Ansatz, dass sich das alles irgendwann ändern wird?

Fingscheidt: Ja, das würde ich auch gern wissen, das habe ich auch oft die argentinischen Nachbarn gefragt: Was meinen Sie, wie sieht es hier in 50, 100 Jahren aus? Wird sich alles vermischen oder nicht? Aber die Kultur ist schon sehr stark. Es hat wirklich viel mit Zusammenhang zu tun. Und klaro wollen die Jugendlichen mal ausbrechen und das Unbekannte erforschen, und ich glaube, auch das ist seit Generationen immer wieder ein Thema. Wie lange das halten wird – keine Ahnung! Es ist natürlich eine Gesellschaft, die unter einem riesengroßen Druck steht, weil sie ja auch auf diese Art der Landwirtschaft und des Handwerks immer weiter zurückbleiben und sich dessen auch bewusst sind.

Weber: Aber sie finden noch Abnehmer für ihre Produkte.

"Sie sind wahnsinnig arbeitsam"

Fingscheidt: Ja, sie sind halt wahnsinnig arbeitsam und arbeiten wirklich von Montag bis Samstag von Morgengrauen bis nach Sonnenuntergang. Und das ist auch wieder ein Grund, weil Sie fragten: Theologie oder Tradition? Also, die meisten Menschen haben ehrlich gesagt gar keine Zeit und keine Energie mehr, da groß über Theologie nachzudenken, weil man wirklich von morgens bis abends körperlich sehr hart arbeitet.

Es ist sehr heiß dort, es war am heißesten Tag 52 Grad und der Boden ist zum Teil sehr trocken, es regnet selten, das Grundwasser ist arsenverseucht, das heißt, Ernten gehen regelmäßig kaputt. Es ist wirklich ein hartes, hartes Leben, was sie dort führen. Und da haben die wenigsten Zeit, danach ernsthaft abends noch was zu lesen, sondern wollen dann einfach nur noch die paar Stunden schlafen, bis sie wieder rausmüssen.

Weber: Die Frage ist, bei so einer abgeschiedenen Gemeinschaft, wo ja auch die Heirat immer innerhalb der Gemeinschaft passieren soll, mit 700 Menschen, die in dieser Kolonie wohl leben: Gibt es da nicht auch die Gefahr der Inzucht und letztendlich des eigenen Ruins der Gemeinschaft dadurch?

Fingscheidt: Auch das kann ich nicht so ganz greifen. Das haben wir uns natürlich auch gefragt und auch mal mit Ärzten gesprochen. Und na klar, der Blutkreislauf wird eng, aber es ist jetzt nicht so, dass Geschwister untereinander heiraten, auch nicht Cousins und Cousinen. Kommt aber auch vor, dass dann schon Kinder von Cousins und Cousinen heiraten. Und manchmal, wenn ein Mann keine Frau findet, fährt er auch in eine andere Kolonie und sucht da. Also, durch diese Wanderschaft gibt es da auch immer wieder minimale Vermischung, aber natürlich, es ist ein Thema, ja.

Weber: Sie haben schon gesagt, Sie wurden gut aufgenommen. Das klingt ja erst mal nicht selbstverständlich. Wie kamen Sie überhaupt dazu, diesen Film und dieses Thema anzugehen?

Fingscheidt: Ich war vor langer, langer Zeit, mit 16 in der 10. Klasse, Austauschschülerin in Argentinien, in einer Stadt, die heißt Resistencia, oben im Norden. Und wurde eines Tages angerufen, ich sollte sofort ins Krankenhaus kommen zum Übersetzen. Irgendwer hatte um fünf Ecken herausgefunden, da wohnt ein deutsches Mädchen in der Stadt. Es ist eine touristenarme Stadt, in einer armen Region, und da gibt es nicht so viele. Also kam ich ins Krankenhaus und da war ein kleines mennonitisches Mädchen, die Diabetes hatte und wirklich nur noch 20 Kilo wog und in Lebensgefahr schwebte.

Und jetzt sollte jemand ihr und ihrem Vater erklären, dass sie sich täglich Insulin spritzen muss. Und dann dachten die Argentinier: Na ja, die beiden oder die drei werden sich schon irgendwie verstehen, sind ja alles Deutsche! Und das hat natürlich überhaupt gar nicht so funktioniert, sondern ich habe das alte Plattdeutsch nicht verstanden. Die zwei haben mein Hochdeutsch nicht verstanden. Und am Ende habe ich irgendwie handschriftlich versucht, die Medikamente zu übersetzen. Das ging dann, aber so richtig viel gebracht hat die Begegnung, glaube ich, auf medizinischem Sinne nichts.

Das Mädchen hat dann trotzdem überlebt und spritzt sich nun auch täglich Insulin, das ist sicher den argentinischen Ärzten zu verdanken, aber die Begegnung hat mich eben lange Zeit nicht mehr losgelassen.

Weber: Die Sprache ist auch in diesem Film zu hören, wirklich nur zu verstehen, wenn man sich reingehört hat. Wie haben Sie da gearbeitet?

"Einige sprechen auch Spanisch"

Fingscheidt: Unterschiedlich. Denn einige sprechen ja auch Spanisch. Gerade die Männer, die Handel treiben, oder auch die Jungs, die natürlich neugierig sind, die sprechen sogar lieber Spanisch und fanden das dann ganz gut. Die etwas gebildeteren Männer sprechen Hochdeutsch, oder die drei unverheirateten Frauen auch, weil sie viel lesen und auch im Gesangbuch lesen. Und da hat man sich dann so miteinander langsam eingegroovt.

Wenn es jetzt wirklich Leute waren, die nur das Plattdeutsch sprechen, da hat es dann echt ein paar Wochen gebraucht, bis wir uns mit Händen und Füßen verstanden haben. Aber auch das ging dann irgendwann irgendwie. Also, wir hatten keinen Übersetzer dabei.

Weber: Wie lange waren Sie denn mit wie vielen Personen dort?

Fingscheidt: Wir waren meistens zu dritt, aber es gab noch eine vierte Person, die Petja, unsere Schnittassistenz, die war im argentinischen Nachbardorf und hat dort eben die Akkus geladen und die Festplatten gesichert. Meistens waren wir, unser Kameramann, unser Tonmann und ich, zu dritt auf Dreh, insgesamt waren wir zweieinhalb Monate in der Kolonie und haben auch dort übernachtet.

Weber: Meinen Sie denn, dass Ihr Aufenthalt dort etwas verändert hat für die Leute?

Fingscheidt: Ja, mit Sicherheit. Also, das war ja dann, als ich irgendwann wieder da vor der Tür stand und im Krankenhaus die Adresse herausfinden wollte, und keiner hatte mehr die Akten und keiner konnte es sagen, und eine Krankenschwester meinte: Fahr einfach irgendwie in die Stadt da irgendwo im Nirgendwo, da leben die schon! Und so war es dann auch!

Ich bin da mit meinem kleinen Sohn einfach in irgendeinen Bus gestiegen, fünf Stunden, und stand in dieser Stadt und traf einen Mann auf einer Kutsche und erzählte dem lang und breit die Geschichte. Und der sagte sofort: Alles klar, ja, Sie sind das Mädchen von damals, wollen Sie mitkommen in die Kolonie! Weil die Begegnung umgekehrt genauso eindrücklich war.

Denn Deutschland ist ja als Heimat ein großer Sehnsuchtsort, wo man ursprünglich war, wo es sicher einfacher ist, das Land zu bewirtschaften, und wo die meisten aber auch gar nicht so ganz genau wissen, wo es eigentlich liegt und wie man da hinkommt. Und dadurch, durch diese Verbindung von damals und dadurch, dass wir aus Deutschland kamen, war natürlich eine große Neugier und Offenheit da und wir wurden ganz, ganz viel gefragt, wie es denn bei uns ist und wie wir heutzutage leben.

Und insofern hat es, glaube ich, viele Leute dann doch auch positiv bereichert. Es gab natürlich auch innerhalb der Kolonie Konflikte. Nicht alle fanden das gut, dass wir da waren, und nicht alle wollten mit uns sprechen.

Weber: Und wahrscheinlich auch nicht sich alle filmen lassen von dieser komischen Kamera, oder?

"Viele waren auch neugierig mit der Kamera"

Fingscheidt: Ganz genau. Viele waren auch neugierig mit der Kamera und haben sich das mal so genau angeschaut, aber manche Familien haben auch ganz klar gesagt: Bitte nicht! Oder haben uns gar nicht gegrüßt. Und das war natürlich auch dann so ein bisschen die Absprache mit der Kolonie. Wir haben nur die Leute gefilmt oder sind auf die Höfe gegangen, wo wir auch willkommen waren.

Weber: Was war denn Ihr eigenes Gefühl, oder vermutlich hatten Sie verschiedene Gefühle in der langen Zeit dort: Blieb Ihnen das immer total fremd, hatten Sie so den Eindruck, das ist wirklich überhaupt nicht meine Welt? Oder hatten Sie manchmal auch so eine Sehnsucht und dachten: Ach Mensch, die können was, was ich überhaupt nicht mehr kann, oder da ist was, was zumindest dem Leben meiner Großmutter noch näher ist?

Fingscheidt: Also, die Sehnsucht, dort jetzt für immer zu bleiben, die hatte ich nicht. Aber es gab natürlich immer mal Momente, wo ich diese Ruhe und die Abwesenheit von Telefon, von Internet, von Nachrichten, auch die Abwesenheit von Spiegeln, die Abwesenheit von Individualismus, schon ein gewisse Ruhe im Gespräch total genossen habe. Weil das einen schon extrem runterbringt. Das dauert ein bisschen, bis man sich darauf einlassen kann, auch so eine Kutschfahrt dauert ja einfach ewig, das sind Formen von Zeitfluss, die wir gar nicht mehr so richtig aushalten können. Und die sind dann sehr angenehm.

Was meistens passiert, ist, dass wir sehr viel über unsere Welt nachgedacht haben. Also, das Spannende war eigentlich, irgendwann den Blick von außen mal auf unsere moderne Welt zu lenken und darin Schönes, aber auch Grausames und vor allen Dingen völlig Absurdes zu entdecken, was einem so im Alltag völlig normal vorkommt.

Weber: Vielen Dank, Nora Fingscheidt, Filmemacherin des Films "Ohne diese Welt" über die Mennonitengemeinschaft in Argentinien. Er läuft in der Nacht auf Dienstag um 0:15 Uhr im ZDF. Wenn Sie so lange nicht wach bleiben wollen, können Sie ihn auch schon ab Montag in der Mediathek abrufen, eine ganze Woche lang.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Deutschlandfunk Kultur macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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