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Mittwoch, 22.11.2017

Lesart / Archiv | Beitrag vom 04.04.2017

Felix Weil und die Frankfurter SchuleBiografie über einen vergessenen Mäzen

Jeanette Heufelder im Gespräch mit Joachim Scholl

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Der Soziologie-Professor Theodor Adorno am 28.05.1968 während eines Vortrags im Großen Sendesaal des Hessischen Rundfunks in Frankfurt am Main. (dpa/ picture-alliance / Manfred Rehm)
Ihn kennen alle: Theodor W. Adorno. Ohne Felix Weil hätte es jedoch sein berühmtes Institut für Sozialforschung nie gegeben. (dpa/ picture-alliance / Manfred Rehm)

Ohne Felix Weil wäre das weltberühmte Frankfurter Institut für Sozialforschung nicht möglich gewesen. Der reiche Unternehmer war der hochgebildete und wissenschaftlich interessierte Geldgeber im Hintergrund. Jeanette Heufelder erinnert in ihrer Biografie "Der argentinische Krösus" an ihn.

Einem sehr einflussreichen und klugen, aber dennoch heute vergessenen Mann und Mäzen hat die Autorin Jeanette Erazo Heufelder in ihrer Biografie  "Der argentinische Krösus. Kleine Wirtschaftsgeschichte der Frankfurter Schule" ein Denkmal gesetzt: Felix Weil, Sohn und Erbe einer steinreichen Getreidegroßhändler-Familie, geboren 1898 in Argentinien. Ohne ihn hätte es eine legendäre Einrichtung wohl nie gegeben: das Institut für Sozialforschung an der Universität Frankfurt – wissenschaftliche Heimat von Max Horkheimer, Herbert Marcuse und Theodor W. Adorno.

Weil legte den Grundstein für die Frankfurter Schule

An die 60 Millionen Euro – nach heutigem Wert – habe Weil im Laufe seines Lebens in das international renommierte Institut gesteckt, sagt Jeanette Heufelder, die in Buenos Aires eher zufällig auf Spuren von Weil stieß. Am Ende seines Lebens habe er deshalb eher bescheiden gelebt.

Schon die Gründungskonstellation des Instituts erscheint heute skurril: Ein Kapitalist und Millionär spielt Geburtshelfer für ein rein marxistisch ausgerichtetes Forschungsinstitut. Erst mit dem Einzug von Max Horkheimer, 1930, änderte es diesen strikten Kurs – davor aber war es wie ein klammheimlich eingeschlepptes Kuckucksei an der eher konservativen Frankfurter Uni.

Als Weil während des Ersten Weltkrieges zum Studium nach Deutschland kam, begeisterte er sich für ­Revolution und Sozialismus.Nach 1920 versammelte er einen schillernden ­Freundeskreis aus Künstlern und Wissenschaftlern um sich. Die Gründung des Instituts war wohl nur die logische Konsequenz. Während des Nationalsozialismus rettete er es mit raffi­nierten Schachzügen vor dem Zugriff der Nazis und er­lebte noch, wie es nach 1945 zu Weltruhm gelangte.

Wanderer zwischen den Welten

Warum aber kennt man Weil heute nicht? Jeanette Heufelder erklärt sich das folgendermaßen:

"Ich glaube, das kommt  dadurch, dass Felix Weil sich immer zwischen den Welten bewegt hat. Er wurde von den Gelehrten nicht als Vollgelehrter akzeptiert, da er auch gleichzeitig Kaufmann geblieben ist – er musste die elterliche Firma weiterführen."

Es lag aber nicht nur an einem gewissen Standesdünkel in der Wissenschaft, dass man Weil damals schwierig zuzuordnen fand – er war auch buchstäblich ein Wanderer zwischen den Welten: Weil sei permanent zwischen Kontinenten und Ländern gependelt, sei, wenn er sich in Europa aufgehalten habe, zwischen dem Firmensitz in Rotterdam, dem Institut in Frankfurt und Berlin, wo er sich um das Kulturleben verdient machte, hin und her gereist.

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