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Samstag, 20.01.2018

Kompressor | Beitrag vom 12.01.2018

Facebook ändert Newsfeed"Die Nutzerinhalte sind richtig viel Geld wert"

Martin Giesler im Gespräch mit Gesa Ufer

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Der Gründer von Facebook, Mark Zuckerberg, spricht am 18.04.2017 in San Jose, Kalifornien (USA), zur Eröffnung der jährlichen Facebook-Entwicklerkonferenz F8. Er kündigte eine neue Plattform rund um die sogenannte "erweiterte Realität" an, bei der virtuelle Objekte in die reale Umgebung integriert werden. (picture alliance / dpa / Andrej Sokolow)
Facebook will wieder persönlicher werden: Mark Zuckerberg hat angekündigt, dass die Beiträge von Freunden und Familie im Newsfeed stärker in den Vordergrund rücken. (picture alliance / dpa / Andrej Sokolow)

Weniger Meldungen von Medien, dafür mehr Inhalte von Freunden und Bekannten: So soll der künftige Newsfeed von Facebook aussehen. Damit wolle der IT-Konzern die Nutzer dazu bringen, wieder mehr von sich preiszugeben, sagt Social-Media-Experte Martin Giesler.

Zwei Milliarden reguläre Nutzer weltweit, das klingt erstmal beeindruckend. Doch die Jugend tummelt sich schon länger nicht mehr auf Facebook. Einige nutzen das soziale Netzwerk als "personalisierte Zeitung", andere für den Gruppenchat mit Kollegen oder um Nachrichten über die Messengerfunktion auszutauschen. Es werde kaum noch genutzt, um sich selber auszudrücken, Urlaubsfotos zu posten oder Postings von Freunden zu kommentieren, sagt der Journalist Martin Giesler, der das Social Media Watchblog betreibt:

"Da will Facebook ansetzen und mit einem Trick Leute wieder dazu bringen, selber wieder mehr von sich mitzuteilen, von sich preiszugeben und mehr mit Inhalten zu interagieren. (...) Der Newsfeed als das zentrale Produkt von Facebook, über den die Aufmerksamkeit der Nutzer gesteuert wird, funktioniert einfach nicht mehr. Der ist kaputt. Da mussten sie jetzt nachjustieren."

Vom Politischen zum Privaten?

Gehen die Nutzer dann in Zukunft wieder mehr auf Nachrichten-Websites? Agieren sie noch mehr in geschlossenen Facebook-Gruppen? Wird es eine Entwicklung weg vom Politischen und hin zum heimeligen plüschigen Biedermeier geben? Martin Giesler meint:

"Nein, überhaupt nicht! (...) Politische Auseinandersetzungen sind ja häufig die emotionalsten, die man auf Facebook erleben kann."

Facebook will Daten über Inhalte generieren

Für Werbung fließt derzeit von Unternehmen viel Geld zu Facebook. Will der Facebook-Gründer Mark Zuckerberg darauf in Zukunft verzichten?

"Am Ende ist Facebook an den regulären zwei Milliarden Nutzern interessiert, dass die mit Freude die App weiter nutzen und maximal viel Zeit mit der App verbringen und Dinge von sich mitteilen. Nur dann kann Facebook auch Daten aufnehmen, wenn Nutzer mit Inhalten interagieren. (...) Und genau das ist für Facebook richtig Geld wert. Dagegen mögen all jene gesponserten Beiträge oder wenn Medienunternehmen versuchen, größere Reichweiten zu erzielen, dagegen sind das fast Peanuts wahrscheinlich."

(cosa)

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