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Kulturnachrichten

Sonntag, 13. August 2017

Experte warnt vor schwindendem Wissen über DDR

Hubertus Knabe fordert eine neue Gedenkkultur

Der Direktor der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, Hubertus Knabe, sieht das Wissen über die DDR zunehmend schwinden. Die Jugendlichen von heute könnten mit den Namen Erich Honecker oder Erich Mielke nichts mehr anfangen, sagte Knabe der Oldenburger "Nordwest-Zeitung": "Und sie haben keine Ahnung, warum aus der schönen kommunistischen Utopie ein Land mit Mauer, Stacheldraht und Gefangenlagern wurde." Der Direktor der Gedenkstätte im früheren Stasi-Gefängnis Hohenschönhausen forderte deshalb eine weitere wissenschaftliche Aufarbeitung der DDR-Diktatur und eine neue Gedenkkultur. Der 17. Juni als Jahrestag des Volksaufstandes der DDR und der 13. August als Jahrestag des Mauerbaus eigneten sich etwa als Gedenktage. Sie müssten jedoch auch mit Inhalten gefüllt werden und dürften nicht zu Ritualen verkommen. Der 27. Januar, der Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus, sei ein gutes Vorbild. Vor allem in den Schulen werde dann viel Erinnerungsarbeit geleistet.

Trauergottesdienst für Kurator Martin Roth

Politik und Kultur gedenken des Museumsmachers in Berlin

In einem Trauergottesdienst haben Freunde und Wegbegleiter in Berlin Abschied von dem kürzlich verstorbenen renommierten Museumsmacher Martin Roth genommen. Unter den Teilnehmern waren auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sowie Außenminister Sigmar Gabriel (SPD). Es kamen auch zahlreiche namhafter Museumsleiter und Kulturleute. Roth galt als einer der erfolgreichsten Museumsmacher der Welt. Er war vergangenen Sonntag nach schwerer Krankheit mit 62 Jahren in Berlin gestorben. Der Kulturwissenschaftler hatte seine Karriere in Dresden begonnen - zunächst als Direktor des Deutschen Hygiene-Museums, später als Generaldirektor der Staatlichen Kunstsammlungen. 2011 wurde Roth Leiter des Victoria and Albert Museums in London - der erste Deutsche an der Spitze eines britischen Topmuseums. Im vergangenen Jahr kehrte er nach Deutschland zurück und übernahm noch kurz vor seinem Tod das Ehrenamt als Präsident des Instituts für Auslandsbeziehungen in Stuttgart.

Tänzer protestieren gegen Regenwaldvernichtung

Museum verzeichnet Auftritt in Indonesien als Rekord

10.000 Männer haben in Indonesien mit einem gemeinsamen Tanzauftritt auf die Regenwaldvernichtung in ihrem Land aufmerksam gemacht. Das indonesische Museum der Rekorde bezeichnete den Auftritt als nationalen Rekord. Die Männer, gekleidet in traditionellen Kostümen, saßen in Reihen nebeneinander und klatschten simultan auf ihre Schenkel und Schultern. Der so genannte "Tanz der tausend Hände" wurde 2011 in das immaterielle UNESCO-Weltkulturerbe aufgenommen. Tausende Zuschauer beobachteten das Spektakel in der Provinz Aceh im Westen des Inselstaats. Der Tanz, begleitet von einem Musikstück, soll die Einheit der Menschen zum Ausdruck bringen. In dem Lied ging es um den Schutz des Regenwalds in der Region: In dem lokalen Mount Leuser Nationalpark leben vom Aussterben bedrohte Sumatra-Tiger und Elefanten. Der Bestand der Tiere wird durch die Ausweitung der Palmöl-Produktion in der Region gefährdet.

Kunst-Installation erinnert an Berliner Mauer

Stefan Roloff schmückt Rückseite der East Side Gallery

Die Installation "Beyond the Wall/Jenseits der Mauer" des Künstlers Stefan Roloff erinnert vom heutigen 56. Jahrestag des Mauerbaus an daran, wie der Alltag der deutschen Teilung aussah. Um eine historische Darstellung der DDR geht es Roloff nicht, sagte er dem RBB. Er sehe in der Mauer ein zeitloses Symbol der Angst. Der deutsch-amerikanische Künstler gruppiert in "Beyond the Wall/Jenseits der Mauer" großformatige Schwarz-Weiß-Silhouetten von DDR-Zeitzeugen und Videostills des ehemaligen Grenzgebietes zu Triptychons und hat damit die Rückseite der East Side Gallery geschmückt. "Ich will keine historische Darstellung der DDR machen, sondern ich will zeigen, was es heißt, eine Mauer zu bauen, Menschen voneinander abzugrenzen und gegeneinander aufzuhetzen und einzusperren", sagte Roloff dem Sender rbb.

Lehrerverband warnt vor "Zickzack-Kurs"

Politiker sollen in der Bildungspolitik nicht zu viel versprechen

Der Deutsche Lehrerverband begrüßt die Aufwertung des Themas Schulpolitik im Superwahljahr 2017, warnt die Parteien allerdings vor übertriebenen Reformversprechen. "Generell ist es gut, wenn Bildung in Wahlkämpfen eine große Rolle spielt", sagte Verbandschef Heinz-Peter Meidinger. "Was aber oft zu kurz kommt, ist Kontinuität. Stattdessen erleben wir dann immer nur einen Zickzack-Kurs." Lange habe Bildung als Thema gegolten, "mit dem man eigentlich nur Wahlen verlieren kann", sagte Meidinger. So habe es vor einigen Jahren die CDU in Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg, aber auch die CSU in Bayern getroffen. "Jetzt haben wir eine Phase, wo die Parteien meinen, mit Bildung Wahlen gewinnen zu können." Der Vorsitzende der Bundestagsfraktion von CDU und CSU, Volker Kauder, forderte in der "Bild am Sonntag", Lehrer-Verträgen weitgehend nicht länger zu befristen. Gute Lehrer werde man nur finden, wenn der Staat fair mit ihnen umgehe.

93 000 Besucher bei Luther-Ausstellung in Wittenberg

Die Hälfte der Gäste kommt aus dem Ausland

Die Nationale Sonderausstellung "Luther! 95 Schätze - 95 Menschen" in Wittenberg hat zur Halbzeit rund 93 000 Gäste angezogen. Das teilte die Stiftung Luthergedenkstätten Sachsen-Anhalt mit. An dem Ort, wo Reformator Martin Luther (1483-1546) mehr als 35 Jahre wirkte, dem Augusteum, sind bis zum 5.
November Exponate aus seinem direkten Lebensumfeld ausgestellt. Seit kurzer Zeit ist auch Luthers originales Testament aus Budapest zu sehen. "Etwa zur Hälfte kommen unsere Besucher aus dem Ausland, darunter viele aus Südkorea, aber auch aus den USA, Skandinavien, den Benelux-Staaten und der Schweiz", hieß es in der Zwischenbilanz. Die Ausstellung ist eine von drei Nationalen Sonderausstellung zum Reformationsjubiläum. Auf der Eisenacher Wartburg wird gezeigt, wie sich das Bild der Deutschen von Luther über die Jahrhunderte geändert hat. In Berlin geht es unter dem Titel "Der Luthereffekt" um die internationale Bedeutung der Reformation, die 1517 mit dem überlieferten Thesenanschlag Luthers an die Wittenberger Schlosskirche ihren Anfang nahm.

Goldener Leopard für Dokumentation "Mrs. Fang"

Isabelle Huppert beste Schauspielerin

Den Hauptpreis des 70. Internationalen Filmfestivals Locarno, den Goldenen Leoparden, hat die Jury überraschend an die Dokumentation "Mrs. Fang" des chinesischen Regisseurs Wang Bing vergeben. Das gab die Jury unter Vorsitz des französischen Regisseurs Olivier Assayas bekannt. Der Film, der das Sterben einer an Alzheimer leidenden alten Frau beobachtet, wurde von deutschen, französischen und chinesischen Produzenten finanziert. Als beste Schauspieler wurden die Französin Isabelle Huppert als zickige Lehrerin in "Madame Hyde" (Frankreich/Belgien) und der Däne Elliott Crosset Hove als gewalttätiger Arbeiter in "Winterbrüder" (Dänemark/Island) ausgezeichnet. Der Preis für den besten Regisseur ging an den Franzosen F.J. Ossang für "9 Finger". Sein surrealer Spielfilm überzeugt sowohl als Parabel auf die bürgerliche Gesellschaft als auch als rätselhafter Thriller. Den Spezialpreise der Jury erhielt der brasilianisch-französischen Spielfilm "Gute Manieren" (Regie: Juliana Rojas, Marco Dutra). Das Drama erzählt vom Leben einer jungen Frau und ihres angenommenen Sohnes, der sich bei Vollmond in einen Werwolf verwandelt. Unmittelbar vor Abschluss des Festivals ist die Spannung groß, wie die Zuschauer entschieden haben. Sie vergeben den begehrten Publikumspreis für einen Film aus dem Piazza-Programm. Die deutschen Beiträge "Iceman" ("Der Mann aus dem Eis") und "Drei Zinnen" gehören zu den Kandidaten. Diese Entscheidung wird erst während der um 21.30 Uhr beginnenden Preisgala verkündet.

Einheitswippe: Denkmalsockel soll erhalten bleiben

Berlins Landeskonservator will geschützten Sockel im Denkmal integrieren

In der Debatte um den Bau des Einheits- und Freiheitsdenkmals neben dem Berliner Schloss hat sich Berlins Landeskonservator Jörg Haspel für den Erhalt des historischen Denkmalsockels samt dazugehörigen Mosaiks ausgesprochen. "Dass der Sockel des Kaiser-Wilhelm-Nationaldenkmals in der Berliner Denkmalliste verzeichnet ist und ein Bodenmosaik besitzt, war allen Verfahrensbeteiligten von Anfang an bekannt", sagte Haspel dem Evangelischen Pressedienst. Deshalb sollte es erhalten und in die Gestaltung eines neuen Denkmals integriert werden. Gegen die Bebauung des Sockels durch das Einheits- und Freiheitsdenkmals in Form einer großen Wippe wird seit Tagen regelmäßig vor Ort protestiert.

Stolperstein vor Dienstvilla des Bundespräsidenten?

Gutachten spricht vom "freiwilligen Verkauf" des Vorbesitzers

Das Bundespräsidialamt steht in einer Auseinandersetzung um die Dienstvilla des Bundespräsidenten in Berlin-Dahlem. Die Villa gehörte bis 1933 dem jüdischen Kunstperlenfabrikanten Hugo Heymann, der sie 1933 nach der Machtergreifung Hitlers offenbar unter Druck verkaufte, wie die "Bild"-Zeitung berichtete. Den Fall hatte demnach der Berliner Historiker Julien Reitzenstein aufgedeckt. Reitzenstein habe einen Stolperstein des Künstlers Gunter Demnig gestiftet, den er vor der Villa in Dahlem in den Boden einlassen wollte. Das Bundespräsidialamt ließ freilich ein Gutachten erstellen, das der Zeitung zufolge einen "freiwilligen" Verkauf des Gebäudes ausweist. Das Präsidialamt nahm am Samstag zur Berichterstattung der "Bild"-Zeitung Stellung, die von einer Ablehnung des Stolpersteins sprach: "Mit der Beauftragung des Gutachtens sollte nicht geklärt werden, ob Stolpersteine verlegt werden können oder nicht; diese Entscheidung obliegt nicht dem Bundespräsidialamt." Mit dem Gutachten liege aber nun eine differenzierte Untersuchung vor, die dem Präsidialamt als Grundlage für die Würdigung der Geschichte des Hauses und dem Gedenken an seine früheren Eigentümer dienen solle. Entscheider über eine Stolpersteinverlegung seien die zuständige Bezirksregierung und der Künstler Demnig.

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