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Donnerstag, 22.02.2018
 
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Kulturnachrichten

Montag, 12. Februar 2018

Ex-Verfassungsrichter: Christliche Kultur nicht leugnen

Abnahme von Kreuzen in Gerichtssälen nicht sinnvoll

Der ehemalige Bundesverfassungsrichter Paul Kirchhof sieht keinen Grund dafür, aus Rücksicht auf den Islam und andere Religionen die christliche Prägung Deutschlands zu verleugnen. Der Staat müsse "in seinem Personal, seinen Erscheinungsformen und seinen Institutionen seine Identität wahren und braucht auch seine gewachsene Kultur - einschließlich christlicher Feiertage, kultureller Symbole und Zeichen - nicht infrage zu stellen", sagte Kirchhof der Katholischen Nachrichten-Agentur. Eine Abnahme von Kreuzen in Gerichtssälen etwa oder die Feier von Winterfesten anstelle von Weihnachtsfeiern sei nicht sinnvoll. Gleichwohl aber müsse der Staat allen Religionen umfassende Freiheiten gewähren, so Kirchhof. "Voraussetzung ist, dass die Kernmaßstäbe des Grundgesetzes - Friedlichkeit, Freiheit jedes Menschen, Gleichberechtigung von Mann und Frau, Achtung vor dem Gesetz - eine Selbstverständlichkeit bleiben."

Jay Asher aus US-Schriftstellerverband ausgeschlossen

Ausschluss erfolgte vergangenes Jahr wurde jetzt bekannt,

Der amerikanische Schriftsteller Jay Asher ist nach Vorwürfen sexueller Belästigung aus der Gesellschaft der Kinderbuchautoren und Illustratoren ausgeschlossen worden. Das bestätigte die Direktorin der SCBWI, Lin Oliver, der Nachrichtenagentur AP in einer E-Mail. Asher, dessen Roman "Thirteen Reasons Why" ("Tote Mädchen lügen nicht") 2017 für eine Netflix-Serie adaptiert wurde, habe gegen den Kodex der Gesellschaft ebenso verstoßen wie der Illustrator David Diaz ("Smoky Night"), erklärte Oliver. Der Ausschluss beider sei bereits im vergangenen Jahr erfolgt. Informationen darüber kamen aber erst mit der #MeToo-Bewegung ans Licht. Ashers Bücher "Thirteen Reasons Why" und "The Future of Us" wurden Bestseller. In dem ersten Buch waren nach Beobachtung von "Buzzfeed" Einschüchterung und sexuelle Gewalt zentral. Asher sagte dazu, die Erzählung sei "unbequem, aber das ist OK. Es muss so sein."

Berliner Stiftung bekommt Riefenstahl-Nachlass

Riefenstahls Rolle in der NS-Zeit wird bei Aufarbeitung von zentraler Bedeutung sein

Berlin bekommt den gesamten Nachlass der wegen ihrer Nazi-Propagandafilme zeitlebens umstrittenen Filmregisseurin und Fotografin Leni Riefenstahl. Sie werde die umfangreichen Fotografie- und Filmbestände, Manuskripte, Briefe, Akten und Dokumente aufarbeiten, teilte die Stiftung Preußischer Kulturbesitz mit. Dabei werde eine Kooperation mit der Stiftung Deutsche Kinemathek angestrebt. Riefenstahls Rolle im Nationalsozialismus werde bei der Aufarbeitung des Nachlasses von zentraler Bedeutung sein. Nach Angaben der Stiftung verfügte Riefenstahls frühere Sekretärin und Alleinerbin Gisela Jahn die Schenkung nach Berlin. Der fotografische Bestand soll im Museum für Fotografie am Bahnhof Zoo untergebracht werden. Der Schriften-Bestand des Riefenstahl-Archivs mit Korrespondenzen, Tagebüchern und Manuskripten soll von der Handschriftenabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin betreut werden, hieß es.

Sänger Vic Damone gestorben

Damone war bekannt für romantische Balladen im Stil Frank Sinatras

Der italienisch-amerikanische Sänger Vic Damone, der mit Gesang im Stil Frank Sinatras und Dean Martins Millionen Platten verkaufte, ist tot. Damone sei am Sonntag in einem Krankenhaus im Alter von 89 Jahren in Miami gestorben, berichteten die "Washington Post" und der Sender "Fox News" unter Berufung auf die Familie. Damone war vor allem in den 1940er und 50er Jahren erfolgreich. Er sang romantische Balladen, vereinzelt aber auch italienische Volkslieder und versuchte sich parallel als Schauspieler und TV-Moderator. Im Lauf seiner Karriere nahm er mehr als 2000 Platten. Mit Sinatra, Martin, Tony Bennett und Perry Como zählte Damone zu einem goldenen Zeitalter romantischer Sänger nach dem Zweiten Weltkrieg.

Ägypten verbietet Comedy-Sendung

Aufsichtsbehörde setzt arabische Version von "Saturday Night Live" ab

Ägypten hat im Rahmen seines Kampfs gegen angebliche moralische Verfehlungen in Medien und Kultur die arabische Version der US-Comedy-Sendung "Saturday Night Live" verboten. In dem Programm seien ständig "sexuelle Ausdrücke, Sätze und Gesten" vorgekommen, die den Zuschauern nicht zugemutet werden könnten und die "ethische und professionelle Standards" verletzt hätten, erklärte die Medien-Aufsichtsbehörde des Landes. Unter Präsident Abdel Fattah al-Sisi reagieren die Behörden derzeit besonders hart auf angebliche Verstöße gegen das Moralgesetz. Im Dezember hatte ein Gericht in Kairo eine zweijährige Haftstrafe gegen die Popsängerin Shyma verhängt. Sie hatte sich in Unterwäsche lasziv in einem Musikvideo gezeigt. Zuvor war die Fernsehmoderatorin Doaa Salah zu drei Jahren Gefängnis verurteilt worden, weil sie in ihrer Sendung über außereheliche Schwangerschaften gesprochen hatte. Auch mehrere Filme konnten in Ägypten seither nicht gezeigt werden.

Studie über effizienten Umgang mit Filmfördergeldern

Regisseurinnen arbeiten effizienter als ihre männlichern Kollegen

Regisseurinnen gehen einer Untersuchung der Universität Rostock zufolge effizienter mit Filmfördergeldern um als ihre männlichen Kollegen. Pro Kinobesucher habe eine Regisseurin durchschnittlich 13 Euro aus Fördergeldern aufgewendet, ein Regisseur hingegen 41 Euro, teilte die Universität mit. Bei der Produktion zeige sich ein ähnliches Bild: Während eine Produzentin 17 Euro pro Besucher benötigte, seien es bei Produzenten 42 Euro gewesen. Die Medienwissenschaftlerin Elizabeth Prommer betrachtete für die Untersuchung eigenen Angaben zufolge 117 deutsche Kinofilme, die 2016 herauskamen. Über die Gründe könne sie jedoch nur mutmaßen. Die Studie soll laut Prommer am 16. Februar auf der Berlinale vorgestellt werden.

Partizipative Berlin-Ausstellung im Humboldt-Forum

Schau soll sich von klassischen Museumspräsentationen unterscheiden

Die Ausstellung des Landes Berlin im künftigen Humboldt Forum soll sich von klassischen Museumspräsentationen unterscheiden und zum Mitmachen einladen. Das kündigte Chefkurator Paul Spies im Kulturausschuss des Abgeordnetenhauses an. "Es wird eine sehr partizipative Ausstellung." Die Schau, die mit dem Humboldt-Forum Ende 2019 eröffnet, soll nach den Worten von Spies mindestens sieben Themenwelten umfassen: Revolution, Freiheit, Grenzen, Vergnügen, Krieg, Mode und Migration. "Jeder Raum wird eine Welt für sich", sagte er. Neben Berlin werden auch die Humboldt-Universität und die Stiftung Preußischer Kulturbesitz den Museumskomplex nutzen.

Ticketverkauf für Berlinale hat begonnen

Schwarzer Teppich als Zeichen gegen Missbrauch gefordert

Der Ticketverkauf für die Berlinale hat unter großem Publikumsinteresse begonnen. Die Berlinale beginnt am Donnerstag, mit mehr als 300 000 verkauften Tickets ist sie das weltweit größte Publikumsfestival. Schauspielerin Claudia Eisinger forderte Berlinale-Direktor Dieter Kosslick unterdes auf, angesichts der #MeToo-Debatte den roten Festivalteppich schwarz einzufärben. "In Hollywood trugen die Schauspielerinnen schwarz. In Berlin wollen wir einen schwarzen Teppich", schreibt Eisinger in ihrer Petition auf der Kampagnenplattform change.org. Paz Lazaro, Leiterin der Sektion Panorama, sagte unterdessen auf dpa-Anfrage, dass die Berlinale den mit Gewaltvorwürfen konfrontierten südkoreanischen Regisseur Kim Ki-duk bewusst zum diesjährigen Festival eingeladen habe. "Kim Ki-duk hat uns zugesagt, sich dieser Debatte, die über seinen Film hinausgehen mag, zu stellen", so Lazaro. Eine südkoreanische Schauspielerin hatte dem Regisseur vorgeworfen, sie bei den Dreharbeiten zu seinem Film "Moebius" 2013 mit Gewalt zu nicht im Drehbuch enthaltenen Sex- und Nacktszenen gezwungen zu haben. Festivaldirektor Dieter Kosslick betonte, ein koreanisches Gericht habe den Vorwurf der sexuellen Nötigung im vergangenen Jahr mangels Beweisen zurückgewiesen. Deshalb habe die Sektion Panorama sich entschieden, nicht in eine Vorverurteilung zu gehen.

Ralph-Giordano-Bibliothek in Hamburg wird eingeweiht

Der Schriftsteller hatte seine Kindheit im Stadtteil Barmbek verbracht

Hamburg bekommt eine Ralph-Giordano-Bibliothek. Sie umfasst rund 3300 Bücher und soll am Freitag eingeweiht und in die Bibliothek der KZ-Gedenkstätte Neuengamme eingegliedert werden. Bei der Bibliothek des 2014 gestorbenen jüdischen Intellektuellen und Schriftstellers Ralph Giordano handelt es sich demnach um die zweite Sammlung, die der KZ-Gedenkstätte Neuengamme zur Verfügung gestellt wird. Ralph Giordano (1923-2014), der sich in seinen Werken vor allem mit dem Holocaust und dessen Folgen auseinandersetzte, hatte im Stadtteil Barmbek seine Kindheit und Jugend verbracht. Der autobiografisch geprägte Roman "Die Bertinis" erzählt die Geschichte der Verfolgung seiner jüdisch-italienischen Familie.

Regisseur del Toro wird Jurypräsident in Venedig

"Das Flüstern des Wassers" war Gewinner des Goldenen Löwen

Der mexikanische Regisseur Guillermo del Toro wird Jurypräsident der 75. Filmfestspiele von Venedig. Das teilte das Festival am Montag mit. Mit "Shape Of Water - Das Flüstern des Wassers" hatte del Toro im vergangenen Jahr den Goldenen Löwen in Venedig gewonnen. Das Fantasy-Märchen ist mit dreizehn Nominierungen auch Favorit bei der Oscar-Verleihung Anfang März. Die Filmfestspiele von Venedig finden vom 29. August bis 8. September statt.

Karin Henkel erhält Berliner Theaterpreis

Auszeichnung wird beim Berliner Theatertreffen im Mai vergeben

Die Regisseurin Karin Henkel wird für ihre Verdienste um das deutschsprachige Theater mit dem Theaterpreis Berlin geehrt. Sie erhält die mit 20.000 Euro dotierte Auszeichnung der Stiftung Preußische Seehandlungen beim Berliner Theatertreffen im Mai. Henkel untersuche in ihren Inszenierungen konsequent die Grundbedingungen sozialen Zusammenlebens, erklärte die Jury. "So wie ihre Tragödien bisweilen mit sarkastischem Witz gesättigt sind, zeigen ihre Komödien die tragische Grundierung von Humor, und ihr feines Gespür für ihre Schauspielerinnen und Schauspieler ermöglicht es Karin Henkel, diese Grenzen beständig neu auszuloten." Die 1970 in Köln geborene Theatermacherin arbeitet seit den 1990er Jahren an verschiedenen namhaften Bühnen. Von 2011 bis 2015 war sie fünf Mal in Folge beim Theatertreffen eingeladen.

Stiftungsrat Bergen-Belsen will AfD-Einzug verhindern

Zahl der Landtagsvertreter soll auf vier reduziert werden

In der Diskussion über einen Einzug der AfD in den Stiftungsrat der niedersächsischen Gedenkstätten trifft die angestrebte Lösung auf Zustimmung. "Ich begrüße jede Regelung, deren Ergebnis ist, dass die AfD keinen Vertreter im Stiftungsrat hat", sagte der Geschäftsführer der Stiftung, Jens-Christian Wagner. Überlebende des Konzentrationslagers Bergen-Belsen hatten dagegen protestiert, dass demnächst ein Mitglied der AfD in dem Gremium sitzen könnte und ihre Mitarbeit infrage gestellt. Nach ihrem Einzug in den niedersächsischen Landtag steht der AfD ein Sitz in dem Stiftungsrat zu. Um dies zu verhindern, haben CDU, SPD, FDP und Grünen einen gemeinsamen Gesetzentwurf vorgelegt, wonach die Zahl der Landtagsvertreter in dem Gremium auf vier reduziert werden soll. Damit bliebe die AfD als kleinste Fraktion außen vor. Im KZ Bergen-Belsen starben während der Nazi-Herrschaft mehr als 20.000 Kriegsgefangene und rund 52.000 Häftlinge, darunter auch Anne Frank, die mit ihren Tagebüchern später weltbekannt wurde.

Louvre schafft Säle für "herrenlose" Werke

Museum reagiert damit auf Kritik wegen schleppender Provenienzrecherche

In Frankreichs Museen schlummern rund 2000 "herrenlose" Werke. Viele befinden sich im Louvre, der ihnen nun zwei Säle am Ende der Rubensgalerie widmet, einem der meist besuchten Ausstellungsräume des Louvre in Paris. Noch fehlt die große Informationstafel, die darauf hinweist, dass hier sogenannte MNR ausgestellt sind - Werke, die nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs den französischen Nationalmuseen mit dem Auftrag übergeben wurden, die rechtmäßigen Eigentümer herauszufinden. Unter ihnen Raubkunst und Bilder, die über den deutschen Galeristen Hildebrand Gurlitt gehandelt wurden, einem der Haupteinkäufer für Hitlers Museum in Linz. "Wir wollen damit Sensibilisierungsarbeit leisten. Ziel ist es, sie den rechtmäßigen Besitzern zurückzugeben, denn diese Werke gehören uns nicht", sagte Sebastien Allard, der Direktor der Gemälde-Abteilungen des Louvre. Man sei nur vorübergehender Hüter. In den vergangenen Jahren ist Frankreich wegen seiner schleppenden Provenienzrecherche immer wieder kritisiert worden.

Verkauf von Weinsteins ehemaligem Studio geplatzt

Entschädigungen von Opfern seien in Gefahr gewesen

Nach einer neuen Klage gegen den gestürzten Hollywood-Produzenten Harvey Weinstein ist der Verkauf des von ihm gegründeten Filmstudios an eine Investorengruppe gescheitert. Die eingereichte Klage habe zu viel Unsicherheit erzeugt, so dass der Deal nicht durchgeführt werden könne, berichteten das "Wall Street Journal" und die "New York Post". Der US-Bundesstaat New York hatte Weinstein und dessen früheres Unternehmen nach neuen Enthüllungen über sexuelles Fehlverhalten gestern verklagt. Zuvor hatte eine Gruppe von Investoren rund 500 Millionen US-Dollar für das Unternehmen geboten, die Übernahme von rund 250 Millionen Dollar Schulden eingeschlossen. Der Abschluss des Verkaufs war für Sonntag erwartet worden. New Yorks oberster Staatsanwalt erklärte, die eilige Klage-Erhebung gehe teilweise auf den bevorstehenden Verkauf zurück. Die Entschädigungen von Opfern Weinsteins seien in Gefahr gewesen, wäre das Studio verkauft worden.

Documenta-Kunst kommt ins Dresdner Albertinum

Mobile Skulptur wird im Lichthof des Albertinums stehen

Die auf der documenta 14 ausgestellte Installation "Demos" des griechischen Künstlers Andreas Angelidakis hat im Dresdner Albertinum ein neues Domizil. Die mobile Skulptur aus 74 Modulen wurde von der Gesellschaft für Moderne Kunst Dresden angekauft und als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt. Es sei ein "ganz besonderer Beitrag für den Bestand der modernen Kunst", sagte Vereinsvorstand Axel Bauer bei der Ankunft des Kunstwerks im 18 Tonnen-Truck. Er sprach von einer "wunderbaren Intervention" im Lichthof des Gebäudes. "Demos" besteht aus 74 gepolsterten, betongrau bezogenen Modulen, die 2017 Basis des documenta-Programms "The Parliament of Bodies" im Athener Teil der weltgrößten Schau zeitgenössischer Kunst waren. "Sie ist nicht nur dialoganregendes Objekt, sondern selbst ein Ort, an dem Dialog stattfinden kann", freute sich Museumschefin Hilke Wagner. Der Lichthof als Raum für Austausch und Begegnung sei der perfekte Ort dafür. Auf den bis zu 1,40 Meter hohen Modulen kann man stehen und sprechen oder sitzen und zuhören, sie sollen jeweils montags neu kombiniert werden.

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