Seit 20:03 Uhr Konzert
 

Freitag, 19.01.2018

Kommentar / Archiv | Beitrag vom 22.05.2012

Erwachsenwerden in der Sackgasse

Soziale und wirtschaftliche Schäden durch dramatische Jugendarbeitslosigkeit

Von Annette Riedel, Studio Brüssel

Podcast abonnieren
Ein erhebliches Potenzial - Jugendliche brauchen eine echte berufliche Perspektive. (Bernd Voigtländer)
Ein erhebliches Potenzial - Jugendliche brauchen eine echte berufliche Perspektive. (Bernd Voigtländer)

Jung sein heißt, dass einem noch alle Wege offen stehen. Jung sein heißt, die Wahl zu haben. Jung sein heißt, sich entwickeln, sich sein Leben aneignen zu können. Was aber, wenn Jungsein in Europa für mindestens ein Fünftel, in einigen Ländern gar für fast die Hälfte der Jugendlichen und jungen Erwachsenen bedeutet, anstatt an einer Wegkreuzung zu stehen, schon in der Sackgasse zu stecken?

Nichts Gutes. Nicht für die betroffenen 15- bis 24-Jährigen aber auch nicht für Europa, für den europäischen Gedanken. Für junge Leute ist Europa als Friedensgarant Geschichte, hat als sinnstiftende Idee ausgedient. Für sie zählt, dass sie mehr als jede Generation vor ihnen von offenen Grenzen, offenen Märkten profitieren. Theoretisch. Praktisch lassen sich die damit verbundenen Freiheiten nur mit der Sicherheit und den finanziellen Mitteln leben, die lediglich eine echte berufliche Perspektive geben kann.

Wenn Europa einem so großen Teil seiner Jugend diese berufliche Perspektive nicht anbietet, dann verliert es ein gutes Stück seiner aktuellen Daseinsberechtigung. Und dann verspielt es zudem ein erhebliches Potenzial in einer Altersgruppe, die schließlich diejenige sein soll und muss, die das Europa von morgen und übermorgen baut und trägt. Ein Europa, das sich in der globalisierten Welt zu behaupten hat.

Europa muss Zukunft für alle seine Bürger möglich machen, wenn es will, dass der europäische Gedanke weiterlebt. Vielleicht war und ist es tatsächlich alternativlos in der Krise, mit Milliarden Staatsbankrotte zu verhindern, Banken zu retten. Mindestens genauso alternativlos ist es aber, junge Menschen nicht mit dem Gefühl von Nutzlosigkeit, Perspektivlosigkeit, Hoffnungslosigkeit erwachsen werden zu lassen - in der Sackgasse eben.

Fast alles, was an Ansätzen denkbar ist, um jungen Leuten einen ihnen entsprechenden Arbeitsplatz anbieten zu können, muss versucht werden - von Steuerleichterungen und Lohnzuschüssen für Unternehmen, über EU-weite Netzwerke und Initiativen zur Arbeitsvermittlung bis zur aktiven Unterstützung beim Übergang aus den Bildungssystemen in die Berufswelt, Spracherwerb und, und, und.

Klar, das gibt es mit Sicherheit nicht umsonst. Wenn aber ein Gutteil einer ganzen Generation in der Sackgasse beruflicher Perspektivlosigkeit steckt anstatt zum Leistungsträger zu reifen, entstehen soziale und wirtschaftliche Schäden, die dann noch weit höher wären.

Kommentar

Proteste im IranAbsage an den Gottesstaat
Iranische Studenten liefern sich Auseinandersetzungen mit der Polizei am 30. Dezember in Teheran (AFP / STR)

Trotz Verhaftungen demonstrieren im Iran weiterhin tausende Menschen gegen das islamische Regime. Die Proteste haben auch einen Machtkampf zwischen Reformern um Präsident Rohani und Hardlinern um den Revolutionsführer Khamenei ans Tageslicht gebracht, erklärt der Journalist Kamran Safiarian.Mehr

Orbán und die CSUSchulterschluss mit dem Star der ganz Rechten
CSU-Parteichef Horst Seehofer (l-r), der Ministerpräsident von Ungarn, Viktor Orbán, und Landesgruppenchef Alexander Dobrindt befinden sich am 05.01.2018 in Seeon (Bayern), im Kloster Seeon bei der Winterklausur der CSU-Landesgruppe.  (picture-alliance / dpa / Andreas Gebert)

Der Ministerpräsident von Ungarn ist zu Gast bei der CSU-Winterklausur. Und Viktor Orbán einzuladen, heiße in der konservativen Zeichensprache, Angela Merkel den Mittelfinger zeigen, kommentiert Stephan Ozsváth. Seehofer und Dobrindt profilierten sich auf Kosten der Kanzlerin.Mehr

weitere Beiträge

Politisches Feuilleton

GroKo-VerhandlungenNeustart für Europa?
Bei einer Kundgebung im französischen Toulouse schwenken pro-europäische Aktivisten EU-Flaggen. (imago stock&people)

Der SPD-Sonderparteitag am Sonntag stimmt darüber ab: Wird die GroKo verhandelt, ja oder nein? Es wird zugleich ein Votum für oder gegen einen politischen Neustart in der EU sein, glaubt Jörg Himmelreich. Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur