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Kompressor | Beitrag vom 10.08.2016

Erfolgsversprechendes Genre: Queer RapHip-Hop-Künstler gegen Stereotype

Von Azadê Peşmen

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Die Rapperin Mykki Blanco bei einer Show beim Roskilde Festival 2013 in Dänemark (imago/UIG)
Die Rapperin Mykki Blanco bei einer Show beim Roskilde Festival 2013 in Dänemark (imago/UIG)

Muskelbepackte Männer, leicht bekleidete Frauen, im Hintergrund die neuesten Autos. So präsentiert sich der kommerzielle Hip Hop - mit Bildern traditioneller Geschlechterrollen. Abseits vom Mainstream gibt es ein Genre, das mit diesen Klischees bricht: Queer Rap.

Es ist eines der gängigsten Klischees über Rap: Alles dreht sich um Geld, Frauen und die neuesten Autos. Was sich gut vermarkten lässt, setzt sich in der breiten Masse durch und prägt Bilder über eine Musikrichtung und deren Produzenten. Aber es geht auch anders:

"Um ehrlich zu sein: Ich bin einer derjenigen, die vor fünf Jahren dieses 'Queer Rap' Genre überhaupt angefangen haben."

Sagt Mykki Blanco. In ihrem Video zum Song Wavvy gibt es - wie im Rapgenre üblich - Partyszenen, allerdings entsprechen die Protagonisten nicht unbedingt den Schönheitsidealen der Hochglanzmagazine. Sie kleiden sich auch nicht so. Mykki selbst rappt und trägt eine Langhaarperücke. Sie ist nicht die einzige Hip Hop-Künstlerin, die traditionelle Geschlechterrollen unterwandert. Zebra Katz, Le1f und Angel Haze werden häufig im gleichen Atemzug mit Mykki Blanco genannt. Einer breiten Masse ist Queer Rap jedoch nicht bekannt. Ist das Absicht?

"Du bleibst nicht im Untergrund, weil du das möchtest. Mein Album kommt im September raus und ich denke, dass mich dass noch stärker in den Mainstream bringen wird. Wir haben unsere eigene Fanbase kreiert, unser eigenes Marketing und ich habe gesehen, dass das, was wir geschaffen haben, mainstreamiger geworden ist und ich denke, wahrscheinlich wird das so weitergehen, vor allem, wenn die Jüngeren zu uns aufschauen."

"Hip Hop war immer auch queer"

Dieser Mainstream, von dem Mykki Blanco ein Teil sein möchte, zeichnet sich vor allem durch Formulierungen wie "no homo" aus, womit Rapper klarmachen, dass sie definitiv nicht schwul sind. Wörter wie "Schwuchtel" sind nicht nur auf Schulhöfen, sondern auch in Rap Texten nach wie vor beliebt. Queeren Rap nimmt man deshalb als eine Art Ausnahme-Erscheinung wahr, obwohl

"Hip Hop auch immer queer war, aber die Künstler_innen, die es in den Mainstream geschafft haben, die waren die, die dem Establishment am liebsten waren, also da fließt halt das Geld hin und das waren vor allem weiße Künstler_innen oder halt schwarze Künstler_innen, die mit den Stereotypen arbeiten, die es so gibt, also die dann schwulenfeindliche Äußerungen bringen oder ähnliches."

Erklärt die Bloggerin SchwarzRund. Sie beschäftigt sich intensiv mit Schwarzer Queerer Musik und hält deutschlandweit multivisuelle Vorträge zu diesem Thema. Dabei analysiert sie Videos von queeren schwarzen Künstlern und regt die Teilnehmenden dazu an, über ihre eigenen Seh-und Konsumgewohnheiten nachzudenken. Der Titel ihres Vortrags "Schwarze Queere Musik als Intervention" ist bewusst gewählt:

"Wenn ich das Wort Interventionen benutze, dann denken Menschen erstmal an total krasse politische Interventionen, zum Beispiel eine Veranstaltung unterbrechen, aber Interventionen kann zum Beispiel auch einfach sein, etwas zu machen, das gesellschaftlich abgewertet wird oder Kultur zu produzieren, die so nicht gewollt ist, oder oder oder."

Mykki Blanco ist der politsche Aspekt ihrer Musik wichtig

SchwarzRund sieht auch Mykki Blancos Musik als eine Form der Intervention an. Der Künstlerin selbst ist der politische Aspekt in der Musik wichtig. In dem Video zu Wavvy ist nicht nur die obligatorische Partyszene – wenn auch mit weniger Bling Bling - zu sehen, sondern auch eine Szene, in der Mykki Blanco von einer Polizistin gejagt wird.

"Es hängt einfach damit zusammen, wer ich bin und auch wegen meiner Identitätspolitik. Vieles von dem, was ich durch meine Musik versuche auszudrücken, ist politisch, weil sie nicht auf Linie ist und nicht dem Status Quo entsprechen. Ich versuche nicht extra politisch zu sein, ich versuche meinen Lifestyle zu zeigen, wie ich lebe und wie Menschen, die ich kenne und respektiere, leben."

In erster Linie geht es im Queer Rap also um eines: Die Darstellung der eigenen Lebensrealität. Und vielleicht findet diese auch bald im Mainstream statt.  

Angel Haze (imago stock&people)Die US-amerikanische Rapperin Angel Haze während eines Konzerts 2013 in Chicago (imago stock&people)

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US-Rapperin Angel Haze - Ihre Religion ist ihre Musik
(Deutschlandradio Kultur, Frühkritik, 29.01.2016)

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