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Im Gespräch / Archiv | Beitrag vom 18.10.2017

Entertainerin Desirée Nick "Ich verdiene mehr als die Kanzlerin"

Moderation: Katrin Heise

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Desiree Nick mit ihrer Show "Die letzte lebende Diseuse - Blandine Reloaded" in der Volksbühne in Köln am 21.09.2017 (imago / stock & people)
Desiree Nick mit ihrer Show "Die letzte lebende Diseuse - Blandine Reloaded" im September 2017 in Köln. (imago / stock & people)

Das breite Publikum kennt sie als "Big Brother"-Insassin und RTL-"Dschungelkönigin". Weniger bekannt ist: Bevor Desirée Nick als spitzzüngige Diva berühmt wurde, studierte sie Religion und beschäftigte sich mit der Frage, warum der Papst rote Gucci-Schuhe trägt.

Eigentlich wollte sie Ballett-Tänzerin werden – doch mit ihrem Gardemaß von 1.78 Metern konnte dieser Wunsch nicht in Erfüllung gehen, obwohl sie bereits ein Engagement an der Deutschen Oper in Berlin hatte. Nach dieser Enttäuschung – "Das ist so, als wenn ein Geiger die Arme verliert" – sucht sie nach Antworten in einem Theologiestudium.

Ballett, Religionsstudium, Bühnenkarriere

Dieses Studium schließt Desirée Nick erfolgreich ab und wird katholische Religionslehrerin. Leider werden ihre Lehrinhalte von der Kirche nicht wirklich wertgeschätzt:

"Wir haben zeitgemäße, aktuelle Sachen diskutiert, beispielsweise die Interpretation der unbefleckten Empfängnis, was bedeutet Jungfräulichkeit, warum trägt der Papst rote Krokoschuhe von Gucci, einen Spiegel-Artikel durchgenommen und so weiter. Das war so nicht erwünscht. Ich habe dann freiwillig darauf verzichtet und mich von der katholischen Kirche getrennt."

Vom Lehrerpult kehrt Desirée Nick zurück auf die Bühne – sie übernimmt Parts in verschiedenen Theaterstücken und ist schließlich mehr und mehr solo auf der Bühne zu sehen.

"Die letzte lebende Diseuse"

Ihr aktuelles Programm "Blandine Reloaded" hat sie der Muse und Ehefrau von Friedrich Holländer, Blandine Ebinger, gewidmet. Sich selber nennt sie "Die letzte lebende Diseuse". Auf die Frage, was denn eine Diseuse sei, antwortet sie:

"Eine ausgestorbene Kunstgattung, verdrängt von Chansonetten, Schlagertanten, DSDS-Nutten und R&B-Schlampen. Eine Diseuse hat eine urdeutsche Kunstform definiert, die Hollywood und die Welt erobert hat, nämlich das Couplé, das Chanson in 3-4 Strophen, welches mit Sprechgesang schauspielerisch interpretiert wird."

Ruf als exzentrisches Lästermaul

Neben ihren Fernseh- und Bühnenauftritten schreibt sie noch Bestseller: 2016 erschien "Säger und Rammler", ein Buch, in dem sie sich der Männerwelt und ihren Klischees zuwendet, und das sie für ihr witzigstes bisher hält.

Die Berliner Entertainerin wird für ihre Schlagfertigkeit und ihren Biss geliebt – und gefürchtet. Legendäre Bonmots und Promi-Beleidigungen haben ihr den Ruf des exzentrischen Lästermauls eingebracht, doch sie selbst sagt über sich:

"Von Natur aus bin ich schüchtern, bescheiden und zurückhaltend."  

Dabei hat sie keine Scheu, öffentlich über ihr Einkommen zu sprechen.

"Ich verdiene mehr als die Kanzlerin."

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