Seit 17:00 Uhr Nachrichten
 
  • facebook
  •  
  • twitter
  •  
  • instagram
  •  
  • spotify
 
Seit 17:00 Uhr Nachrichten
 
 

Kompressor | Beitrag vom 21.04.2016

Elektronische MusikRhythmicon – der Vater der Drumcomputer

von Esther Schelander

Podcast abonnieren
Das Rhythmicon gilt als erster Drumcomputer und wurde 1931 von Leon Theremin in der damaligen Sowjetunion  (Andrey Smirnov)
Das Rhytmicon gilt als erster Drumcomputer überhaupt und wurde 1931 von Leon Theremin in der damaligen Sowjetunion konsturiert. (Andrey Smirnov)

Das Rhythmicon ist über 80 Jahre alt und gilt als die erste "Drum-Maschine". Es entstand 1931 in der Sowjetunion, zu einer Zeit, als solche Entwicklungen ein Politikum waren. Das Haus der Kulturen der Welt in Berlin zeigt den Ur-Technocomputer im Rahmen des Festivals "Technosphärenklänge #2".

"Eigentlich ist es Müll; Gerümpel. Also natürlich ist es kein Müll, sondern eine fantastische und absolut präzise Maschine. Aber zu der Zeit hat es in der Sowjetunion an allem gemangelt. Da gab es keine Bauteile für elektronische Instrumente zu kaufen. Um sich ein Instrument zu bauen, musste man elektronische Komponenten aus dem Sperrmüll klauben oder aus militärischen Einrichtungen stehlen." 

Andrey Smirnov leitet das Theremin Center für elektroakustische Musik In Moskau. Seit mehreren Jahrzehnten dokumentiert und sammelt er frühe elektronische Musikinstrumente aus Russland. Viele seiner Fundstücke zeugen vom russischen Pioniergeist der späten 10er- und frühen 20er-Jahre.

"Es war eine sehr widersprüchliche Zeit. 1917 hatten wir zwei Revolutionen: Die Februar- und die Oktoberrevolution. In dem Zwischenraum funktionierte die Gesellschaft quasi anarchistisch. Viele Leute dachten damals, dass eine zukünftige Gemeinschaft auf einem Netzwerk von Kreativen fußen muss. Sogar Trotzki fand dass Künstler Boten sind, die die Ideen der Zukunft  überbringen.

Eine zentrale Figur der russischen Avantgarde ist der Erfinder und Ingenieur Leon Theremin. Er reiste damals durch das Land und warb für die Elektrifizierung.

Es war also sehr zweiseitig: Einerseits gab es diese absolut utopische Idee einer glänzenden Zukunft, in der die Künstler eine zentrale Rolle spielen und andererseits waren sie Werber einer neuen Staatsmacht."

Bauweise schloss an Erfahrungen der russischen Avantgarde an

Die künstlerische Freiheit endete abrupt: mit der wachsenden Macht von Josef Stalin Ende der 20er-Jahre. Zu dieser Zeit tourte Leon Theremin durch die USA, wo er auf den Musiker Henry Cowell traf. Die Beiden beschlossen ein polyrhythmisches elektronisches Instrument zu entwerfen: Das Rhythmicon. Bis heute gilt es als allererster Drumcomputer. Seine Bauweise schloss an die russische Avantgarde und ihre Erfahrungen an.

"An einer Klaviatur sind 15 Lampen befestigt. Jeder diese Lampen ist mit einer einzigen Taste verbunden. Wenn ich eine Taste drücke, schalte ich die Lampe ein. Ihr Lichtstrahl fällt durch Löcher, die auf zwei rotierenden Scheiben angebracht sind. Wegen der Rotation wird der Lichtstrahl regelmäßig unterbrochen. Hinter den Scheiben ist eine Fotozelle, sie registriert das Licht und wandelt es in Strom."

Das Rhythmicon kann gleichzeitig 15 verschiedene Rhythmen spielen und orientierte sich dabei an einem einfachen Prinzip der Musik: Ein Klang besteht aus einem  Grundton und aus mehreren Obertönen. Steht die Frequenz des Grundton in einem ganzzahligen Verhältnis zu seinen Obertönen, dann erklingt eine harmonische Schwingung.

Kann man einen harmonischen Rhythmus bauen? Was passiert, wenn verschieden gestimmte Töne in einem ganzzahligen Verhältnis zu einander pulsieren?

"Die beiden mussten schließlich feststellen, dass sie mit dem Instrument  kein Konzert aufführen konnten. Dabei hatte Henry Cowell extra ein Stück für das Instrument komponiert. Das originale Rhythmicon wurde damals ausschließlich für Demonstrationszwecke genutzt."

Originalklänge erzählen vom Anfang der elektronischen Musik

Bis heute gibt es nur drei Modelle des Rhythmicon. Eines davon besitzt Andrey Smirnov. Aktuell ist Smirnov zu Gast in Berlin. Im Rahmen der Veranstaltung "Technosphärenklänge #2" wird er heute Abend eine weiteres Mal die Musikalität des frühen Instruments prüfen und ein Konzert spielen.                                                                        

Die Situation heute ist eine ganz andere: Die Hörer sind vertrauter mit polyrhythmischen Strukturen. Tempolastige Musikstile wie Techno haben in der Zwischenzeit unsere Ohren geöffnet.

Doch die Originalklänge erzählen uns auch vom Anfang der elektronischen Musik, von einer Zeit voller Erfindergeist und Tatendrang. Und von Pionieren, die ganz auf die Versprechen der Elektrizität und auf die unbeschränkten Möglichkeiten des musikalischen Ausdrucks bauten.

Das Festival "Technosphärenklänge #2" läuft noch  bis Freitag, 22. April 2016.

Andrey Smirnov spielt heute Abend um 20 Uhr im Berliner Haus der Kulturen der Welt (HKW) das welterste Konzert auf dem Rhythmicon. 

Für alle die es nicht ins HKW schaffen: Andrey Smirnov  wird aus dem Mitschnitt des Rhythmiconkonzert eine Klangarbeit komponieren. Wir senden das Stück am 14. Oktober um 00:05 Uhr in der Klangkunst.

Mehr zum Thema

Instrumente aus Gemüse - Klangvolles aus der Biotonne
(Deutschlandfunk, Corso, 18.04.2016)

Masha Qrella: "Keys" - Zwischen Understatement und Perfektion
(Deutschlandradio Kultur, Tonart, 13.04.2016)

Electro-Trio Moderat - Technobeats mit Soul und Wärme
(Deutschlandradio Kultur, Tonart, 04.04.2016)

Fazit

Der Maler und sein berühmter SchülerWürdigung eines Übergangenen
Arno Rink Atelier II, 2011 Öl auf Leinwand 180 x 140 cm Foto Uwe Walter, Berlin courtesy Galerie Schwind, Leipzig, Frankfurt, Berlin VG Bild-Kunst, Bonn 2017 (Uwe Walter / Galerie Schwind Leipzig / VG Bild-Kunst)

Als Maler und Professor hatte Arno Rink die Neue Leipziger Schule maßgeblich geprägt. Mit der Wende sank jedoch der Stern des heute an Krebs erkrankten Künstlers - zu Unrecht, findet dessen berühmtester Schüler Neo Rauch. Der verbeugt sich nun in einer gemeinsamen Ausstellung tief vor seinem Meister.Mehr

weitere Beiträge

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur