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Montag, 18.12.2017

Zeitfragen / Archiv | Beitrag vom 28.06.2016

ElektrofahrzeugeGut für die Umwelt und für das Portemonnaie

Von Philip Banse

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Ein Stromkabel ist am 10.05.2016 in Berlin (Berlin) an der Steckdose eines Elektroautos angeschlossen und am Auto ist der Schriftzug "NULL CO2" zu sehen.  (dpa / picture alliance / Tobias Hase)
Lohnt sich der Einsatz von Elektroautos für Gewerbetreibende? (dpa / picture alliance / Tobias Hase)

Elektroautos schonen die Umwelt, aber lohnen sie sich finanziell? Das Öko-Institut hat jetzt einen Kostenrechner ins Netz gestellt: Gewerbetreibende können damit ausrechnen, ob und ab wann sich - rein wirtschaftlich betrachtet - ein Elektrofahrzeug für sie lohnt.

Das ist ein Streetscooter, ein Zustell-Auto der Deutschen Post – angetrieben nur von Strom. 700 dieser Elektro-Lieferwagen hat die Post aktuell im Einsatz, bis 2020 will sie 30 Prozent Ihrer CO2-Emissionen einsparen. Achim Kampker von des posteigenen Unternehmens Streetscooter hat das Elektro-Auto der Post mitentwickelt:

"Ich habe viele Anfahrbewegungen und Stoppbewegungen, ich bin im Stadtverkehr, im typischen Stop-and-Go, verbrauche deshalb auch viel Benzin oder Diesel zurzeit, der Motor wird nicht richtig warm, das ist das ideale Einsatzgebiet für ein E-Fahrzeug."

Schon heute werden 84 Prozent der Elektroautos gewerblich zugelassen.

Strom ist günstiger als fossiler Kraftstoff

Unternehmen eigenen sich einfach sehr gut, um auf Elektroautos umzusteigen, sagt Moritz Mottschall, der als Forscher am Öko-Institut einen Kostenrechner entwickelt hat, mit dem Firmen prüfen können, ab wann sich Elektroautos für sie lohnen. Firmen haben oft mehrere Autos, brauchen also keine Angst zu haben, wenn doch mal eine Batterie leer sein sollte. Zudem können Unternehmen auf ihrem Gelände leicht Ladesäulen installieren und die gut auslasten, was die Kosten senkt. Generell gelte: Strom ist billiger als fossiler Kraftstoff und Elektroautos gehen mit der Energie viel effizienter um.

"Elektrofahrzeuge lohnen sich, je höher meine gesamte Fahrleistung ist, damit dieser Verbrauchskostenvorteil durchschlägt. Man kann auch davon ausgehen, dass im innerstädtischen Verkehr Elektrofahrzeuge sich eher rentieren. Gerade, wenn ich viel Stop-and-Go habe, entstehen hohe Wartungskosten für die Bremsscheiben und Belege, die beim Elektrofahrzeug geringer ausfallen, weil ich dort eben das elektrische Bremsen habe. Und wenn ich als Unternehmer einen günstigen Stromtarif habe, könnte es sich auch rechnen."

Aber wie sieht das denn im konkreten Einzelfall aus? Dazu rufe ich mal den Kostenrechner im Web auf, den Mottschall entwickelt hat. Ich bin ein Pflegedienst, der zehn Kleinwagen anschaffen will, um viele, aber sehr planbare Touren zu fahren. Ich wähle Elektro, lleines Auto, Kaufjahr 2016. Fährt das Elektro-Auto vier Jahre lang 30.000 Kilometer pro Jahr, sind die Gesamtkosten nach vier Jahren bei knapp 16.000 Euro. Darin eingerechnet sind Kaufpreis von 20.000 Euro, Energiekosten, Versicherungen, Reparaturen, aber auch der Widerverkaufswert nach vier Jahren.

Jetzt klicke ich das gleiche Auto mit Diesel-Motor. Ergebnis: Schon wenn ich 9000 Kilometer pro Jahr fahre, kommt mich das Elektro-Auto billiger. Bei 30.000 Kilometer pro Jahr spare ich über vier Jahre gerechnet rund 2000 Euro. Nehme ich statt eines kleinen Autos einen LKW, ist die Elektro-Variante sogar sofort am billigsten. Erst bei über 40.000 km pro Jahr wird der Diesel billiger. Man kann sehr viele Parameter verändern, vom Strompreis, über die Kosten für Versicherung, Reparatur und Reifen bis zum Einfluss der 4000 Euro Kaufprämie, die Bundesregierung zahlen will.

"Ohne diese Kaufprämie wäre der Punkt der Kostengleichheit von konventionellem Fahrzeug und Elektroauto, bei einem kleinen Fahrzeug bei ungefähr 40.000 bis 45.0000 Kilometer pro Jahr. Durch die Kaufprämie rutscht das in so einen Bereich von 10.000 Kilometer, was in der Praxis ja auch häufig vorkommt."

Vergleich konkreter Autotypen nicht möglich

Die Entwicklung des Kostenrechners wurde vom Bundeswirtschaftsministerium bezahlt, sei aber ohne politischen Einfluss und auf wissenschaftlicher Grundlage entstanden, sagt Entwickler Moritz Mottschall. Allerdings hat der Rechner zwei Schwächen. Es können keine konkreten Autotypen verglichen werden, sondern nur fünf Fahrzeugkategorien von Kleinwagen bis Laster.

"Eine weitere Schwäche, und das ist vielleicht der entscheidende Punkt, ist die Annahmen hinsichtlich des Restwerts. Es ist ein relativ neuer Markt, es gibt eigentlich noch keine gesicherten Erkenntnisse wie sich der Restwert der Fahrzeuge in den nächsten vier, fünf, sechs Jahren entwickeln wird. Und da mussten wir auch zu methodischen Kniffen greifen, um einen plausiblen Restwert zu ermitteln."

Elektroautos, so die Bilanz, sind für manche Betreibe nicht nur umweltfreundlich, sondern rechnen sich auch.

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