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Kalenderblatt / Archiv | Beitrag vom 10.12.2012

Ein Geiger der Superlative

Vor 25 Jahren starb Jascha Heifetz

Von Michael Stegemann

Falsche Töne gab es bei Jascha Heifetz nicht, der als einer der größten Geiger aller Zeiten gilt. Auch wer sein Spiel als unterkühlt empfand, musste seine makellose Virtuosität bewundern. Am 10. Dezember 1987 starb er in Los Angeles.

"Es gibt viele Geiger – und es gibt Jascha Heifetz."

Nicht nur sein Kollege David Oistrach zollte ihm Respekt und Bewunderung: Jascha Heifetz galt (und gilt auch heute noch) als der vielleicht größte Geiger des 20. Jahrhunderts. Heifetz wurde am 2. Februar 1901 im heute litauischen, damals russischen Vilnius als Sohn eines jüdischen Musikers geboren und zeigte schon früh eine spektakuläre Wunderkind-Begabung; bereits mit Sieben debütierte er mit dem Violinkonzert von Felix Mendelssohn.

Mit neun begann er sein Studium bei dem legendären Leopold Auer am Petersburger Konservatorium, mit Zehn spielte er ein Freiluft-Konzert vor 25.000 Zuhörern, mit 13 gab er (1914) sein Debüt mit den Berliner Philharmonikern unter Arthur Nikisch, drei Jahre später emigrierte Heifetz in die USA; 1925 wurde er amerikanischer Staatsbürger. Wer immer ihn hörte, traute seinen Ohren nicht – etwa der Geiger Fritz Kreisler:

"Uns bleibt nur eines, meine Herren: unsere Fiedeln über den Knien zu zerbrechen."

Ein Geiger der Superlative – bis hin zu der 2010 erschienenen "Album Collection", die mit 103 CDs als größte Edition eines klassischen Musikers den Rekord in den Guinness World Records hält. Natürlich gab es auch Kritik: Das oft überschnelle Spiel des Hyper-Virtuosen, das intensive, flackernde Vibrato seines Tons, die sentimentalen Portamenti, die perfektionistische Berechenbarkeit – etwa in der Unerbittlichkeit des Tempos, die er auch seinen Schülern abverlangte.

Jascha Heifetz: "Nicht ungefähr – sofort auf den Punkt muss das Tempo da sein; egal welches, aber ein genaues Tempo."

Immer wieder liest man, Heifetz' Spiel sei kalt und emotionslos gewesen – was wohl auch mit der Art seines Auftretens zu tun hatte: Unnahbar, mit versteinerter Miene, fast regungslos. Der Geiger Carl Flesch beschrieb ihn als

"… ein Bild ohne Gnade, eine vollkommene Statue aus kaltem, unbelebtem Marmor."

Aber welche Intensität glüht unter diesem scheinbaren Panzer aus Eis!

Wie hier in der "Havanaise" von Camille Saint-Saëns.

In durchschnittlich 200 Konzerten pro Jahr spielte Heifetz nicht nur das gesamte klassisch-romantische Kern-Repertoire an Sololiteratur und Kammermusik, sondern auch zahllose eigene Bearbeitungen und viele Werke, die eigens für ihn komponiert wurden – etwa Franz Waxmans "Carmen-Fantasie" oder die Konzerte von Erich Wolfgang Korngold und William Walton. Und alles mit derselben atemberaubend perfekten Technik und Intonation – einer "übermenschlichen Vollkommenheit", die schon G. B. Shaw an Heifetz bewundert hatte:

"Ich rate Ihnen dringend, jeden Abend vor dem Zubett-Gehen ein paar falsche Töne zu spielen, statt zu beten. Kein Sterblicher sollte es wagen, so makellos zu spielen."

Heifetz selbst reagierte auf solches Lob gelassen:

"Ich finde, egal, was man macht – wenn man es gut macht, oder wenn man es besser macht als jemand anderes, dann sollte man stolz darauf sein, denn es ist eine Leistung."

Am 23. Oktober 1972 gab Jascha Heifetz - mit 71 Jahren - sein letztes öffentliches Konzert, in Los Angeles, wo er auch am 10. Dezember 1987 – 86-jährig – gestorben ist.

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