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Dienstag, 16.01.2018

Fazit / Archiv | Beitrag vom 19.05.2010

"Du sollst nicht lieben"

Hannelore Heider über ein sensibles Drama

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Aarons Leben als orthodoxer Jude in Jerusalem und vierfacher Familienvater ist strengen Regeln unterworfen. Als er eine schwule Beziehung mit einem Mann beginnt, werden diese radikal in Frage gestellt.

Israel/Frankreich/Deutschland 2009; Regie: Haim Tabakman; Darsteller: Zohar Strauss, Ran Danker, Tinkerbell, Tzahi Grad, Isaac Sharry, Avi Grainik

In seinem Spielfilmdebüt wagt sich Haim Tabakman an ein absolutes Tabu. In der orthodoxen jüdischen Gemeinde von Jerusalem beginnt ein vierfacher Familienvater eine Liebesbeziehung mit einem jungen Mann. Homosexualität existiert im Talmud nicht, nicht einmal als Sünde ist sie beschrieben, es gibt sie schlichtweg nicht. Und so denkt auch Aaron (Zohar Strauss), der sich in der Ausübung seiner Religiosität bewusst streng an alle Gesetzte hält.

Dass er damit sein Leben und das seiner verständigen Frau Rivka (Tinkerbell) in düsterer Strenge, die der Film in ruhig distanzierten Bildern beklemmend ausmalt, eingesperrt hat, fühlt er spät. Die sinnlichen Erfahrung, die Ezri (Ran Danker) in sein Leben bringt, stellt ihn und seine religiöse Gemeinschaft vor einen nicht lösbaren Konflikt.

Doch nicht die Gewalt, die die ultra-orthodoxe Gemeinde bald gegen den Unbotsamen ausübt, steht im Mittelpunkt dieser ergreifenden Liebesgeschichte, sondern die Qualen Aarons. Sein Versuch, dieses Begehren, erwachsen aus der Entdeckung seiner Körperlichkeit, als Gottesprüfung zu interpretieren und damit zu bekämpfen, schlägt fehlt. Der junge, leidenschaftliche Student hat ein Leben in ihm geweckt, das nicht mehr abzutöten ist.

Zohar Strauss als Aaron und der in Israel berühmte Sänger und Schauspieler Ran Danker als Ezri haben sich mutig für dieses tabubrechende Filmprojekt zur Verfügung gestellt. Ihre eindringliche Darstellung und die immer auf Distanz bleibende Kamera dramatisieren nicht, sie stehen im Dienste eines Konfliktes, dessen Akzeptanz beim Kinopublikum der junge Regisseur als höchstes Ziel formuliert: "Wenn jemand zum ersten mal sagt: 'Ja, ich weiss, das existiert', dann haben wir gewonnen! Zu merken, dass so etwas existiert, ist besser, als gar nicht zu existieren."


Filmhomepage "Du sollst nicht lieben"

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