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Buchkritik | Beitrag vom 06.09.2017

Douglas Preston: "Die Stadt des Affengottes"Gefährliche Spurensuche im Dschungel

Von Günther Wessel

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Das neue Buch von Douglas Preston: Abenteuer-Trip in den honduranischen Dschungel (picture alliance / dpa / Yannick Tylle / DVA)
Das neue Buch von Douglas Preston: Abenteuer-Trip in den honduranischen Dschungel (picture alliance / dpa / Yannick Tylle / DVA)

Auf der Suche nach einer verschollenen Kultur: Der US-amerikanische Schriftsteller Douglas Preston hat sich Expeditionen in den honduranischen Dschungel angeschlossen. Ein lebendig und spannend erzählter Sachbuchthriller, urteilt unser Rezensent.

Die "Stadt des Affengottes" oder die "Weiße Stadt" gehört in Honduras zu den Mythen und wird seit mehr als hundert Jahren von Abenteurern und Archäologen gesucht. Angeblich ist sie im Urwald an der Mikito-Küste verborgen, einem der unzugänglichsten Regenwälder der Erde: Dornengestrüpp, fürchterliche Giftschlangen, Moskitos, die mit dem Malaria- oder Dengue-Fieber-Erreger infiziert sind, Skorpione, giftige Ameisen und nicht zuletzt Sandmücken. Zudem ist die Region Rückzugsgebiet brutaler Drogenkartelle. Und damit das perfekte Setting für einen abenteuerlichen Sachbuchthriller – und nichts anderes ist dieses Buch.

Lebendig und spannend, mitunter aber auch etwas detailverliebt, berichtet Douglas Preston von den archäologischen Expeditionen, denen er sich seit 2012 immer wieder anschließen konnte. Dabei setzten diese anders als alle anderen zuvor verstärkt auf technische Hilfsmittel: Etwa auf Lidar ("light detection and ranging"), eine Technik, ähnlich dem Radar, mit der man durch Laserstrahlen auch verdeckte Strukturen beispielsweise im Regenwald aufdecken kann.

Große Steinskulpturen, aber keine Goldarbeiten

Prompt entdeckte das Archäologenteam dann auch eine knapp zwei Quadratkilometer große Siedlung, bewohnt von einer Zivilisation, die vermutlich mit den Maya in kulturellem Austausch stand – auch wenn ihre Bauten meist aus Lehm und Holz errichtet waren, nicht aus Stein wie die der Maya. Sie hinterließ große Steinskulpturen, aber keine Goldarbeiten.

Ist das nun die mythische "Stadt des Affengottes"? 

Preston lässt die Antwort bewusst offen. Vielmehr beschreibt er, was die Archäologen fanden, referiert wissenschaftliche Theorien zur Deutung der Bildsprache auf den Steinskulpturen und wendet sich der Frage zu, warum diese Zivilisation um 1500 plötzlich endete: Gab es den Fluch der Stadt wirklich? Dem Mythos nach sind alle Einwohner und auch die, die den Ort nur aufgesucht hatten, tödlich erkrankt. Preston glaubt das. Er erläutert, wie ganze Völker in Windeseile von Infektionskrankheiten, die europäische Eroberer eingeschleppt hatten, ausgelöscht wurden. Oft drangen die Krankheiten schneller vor als die Eroberer.

Plötzlich erkrankten alle Expeditionsteilnehmer

Und wie ein Thriller endet das Buch auch: Monate nach seiner Rückkehr in die USA erkranken Preston und zahlreiche andere Expeditionsteilnehmer plötzlich. Ist es der Fluch der "Weißen Stadt"? Schließlich stellen Ärzte am "National Institut of Health" (NIH) fest, dass alle an Schleimhautleishmaniose leiden, einer Krankheit wie aus einem Horrorfilm, bei der von Sandmücken übertragene Parasiten beim Menschen die Schleimhäute zersetzen.

Am Ende geht es gut aus – dank des NIH. Dessen Forschungsarbeit, so  Preston, musste jetzt wegen kurzsichtiger Mittelkürzungen durch die Trump-Regierung um 20 Prozent reduziert werden. Selten treffen Fiktion und Wirklichkeit so passend aufeinander wie hier: Ein archäologischer Thriller.

Douglas Preston: Die Stadt des Affengottes. Eine unbekannte Zivilisation, ein mysteriöser Fluch, eine wahre Geschichte
DVA, München 2017
380 Seiten, 20,00 Euro

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