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Kommentar | Beitrag vom 18.02.2017

Donald TrumpEigenlob und blinde Wut

Von Thilo Kößler

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US-Präsident Donald Trump bei seiner ersten Solo-Pressekonferenz im Weißen Haus am 16. Februar 2017 (AFP/ Nicholas Kamm)
US-Präsident Donald Trump bei seiner ersten Solo-Pressekonferenz im Weißen Haus am 16. Februar 2017 (AFP/ Nicholas Kamm)

Der angeblich mächtigste Mann der Welt benimmt sich vor der Presse wie ein politisches Rumpelstilzchen − das zeige, dass Trump an seine Grenzen stößt, kommentiert Thilo Kößler. Das Schicksal des neuen US-Präsidenten hänge wegen der Russland-Connection bereits an einem seidenen Faden.

Am Ende dieser ersten vier Wochen im Amt ist festzustellen: Der Präsident hat nicht nur ein Problem. Er hat viele Probleme. Eigentlich hat er nur Probleme – und eines davon ist er selbst.

Donald Trump hat einen derartig unstillbaren Hunger nach Anerkennung, dass er sich wie ein Drogenabhängiger – wo immer er geht und steht – einen Schuss Eigenlob setzen muss. Es ist ganz offensichtlich, dass ihn das verletzlich, angreifbar, ja sogar bestechlich macht – die "great guys" sind stets diejenigen, die ihn beklatschen. Die anderen, die Zweifel äußern oder sogar Kritik, sind die "bad guys" und werden fallengelassen, denunziert, bekämpft. Das prägt sein Verhältnis zu den Gerichten, zu den Geheimdiensten, zu den Medien – und es prägt sein Verhalten in einem Maße, dass seine politische Wahrnehmung und Urteilsfähigkeit deutlich eingetrübt erscheinen. Das ist im höchsten Maße gefährlich. Denn am Ende ist Donald Trump nicht nur Donald Trump, sondern der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika – und somit der angeblich mächtigste Mann der Welt.

Mehr zerstört als aufgebaut

Donald Trump hat in den ersten vier Wochen seiner Amtszeit wie ein Besessener agiert – getrieben von dem Gedanken, seine atemberaubenden Wahlversprechen ruckzuck einlösen zu müssen, hat er sich über das politische Erbe seines Vorgängers hergemacht. Und wo immer er Hand anlegte, mehr zerstört als aufgebaut. Seine dunklen Hintermänner und ideologischen Einflüsterer Stephen Bannon, Stephen Miller und bis zu seinem Sturz in dieser Woche auch Michael Flynn mögen ihm da soufliert haben – die Verantwortung für sein blindwütiges Agieren trägt alleine Trump selbst.

Er hat das Handelsabkommen TPP vom Tisch gefegt und damit China eine unverhoffte strategische Chance im pazifischen Raum eröffnet. Er hat im Eifer des Mauerbauers das wichtige Verhältnis zu südlichen Nachbarn Mexiko zerstört. Er hat ohne Not das Verhältnis zum engen Verbündeten Australien belastet. Er hat gemeinsam mit Benjamin Netanjahu die Zweistaatenlösung für den Nahen Osten beerdigt, ohne ein Wort darüber zu verlieren, was stattdessen als Blaupause für einen Frieden dienen könnte. Er hat die Nato zunächst für obsolet erklärt und im Vorübergehen allen multilateralen Abkommen und Organisationen wie UNO oder EU eine Absage erteilt. Damit hat Donald Trump in nur vier Wochen 70 Jahre internationale Aufbauarbeit für eine tragfähige Nachkriegsordnung in Zweifel gezogen und möglicherweise ins Wanken gebracht. So viel Vertrauen hat noch kein Präsident der Vereinigten Staaten in so kurzer Zeit verspielt.

"Vierte Gewalt" nimmt ihre Wächterrolle wahr

Doch an zwei Baustellen seiner politischen Abrissarbeiten ist Donald Trump auf Granit gestoßen – die Gerichte machten ihm beim ebenso lausig formulierten wie chaotisch umgesetzten Einreisestopp für Bürger aus islamischen Ländern einen Strich durch die Rechnung. Und die Geheimdienste – die er unbedachterweise brüskiert und bloßgestellt hatte – sind ihm in der Frage seiner Russland-Connection auf den Fersen. Die liberalen Medien machen ihrem Ruf als vierte Gewalt alle Ehre und nehmen ihre Wächterrolle ebenso entschlossen wie mutig wahr. Donald Trump ist an seine Grenzen gestoßen. Wie sehr ihm das zusetzt, ist ihm auf seiner jüngsten Pressekonferenz anzumerken gewesen, wo er das politische Rumpelstilzchen gab.

Das politische System der checks and balances formiert sich – aber ob sich Trump noch stoppen lässt, ist völlig offen. Der Machtkampf tobt an mehreren Fronten – innerhalb des Weißen Hauses. Zwischen dem Weißen Haus, der Administration und in zunehmenden Maße: dem Kongress. Zwischen Donald Trump und den Geheimdiensten, die er ebenso gerne an die Kandare nehmen würde wie die Medien, die ihm unnachgiebig nachsetzen.

Mehrfach hatte man in den vergangenen Tagen das Gefühl, das politische Schicksal Donald Trumps hänge nur noch an einem seidenen Faden. Der Verdacht, dass Trumps Mannen mit den russischen Geheimdiensten während des amerikanischen Wahlkampfes zusammengearbeitet haben könnten, schien sich zu erhärten – doch noch gibt es viele Fragezeichen. Gar nicht auszudenken, was es für die Vereinigten Staaten von Amerika bedeuten würde, wenn sich ihr Präsident wirklich dem Kreml ausgeliefert hätte. Wie gesagt: Donald Trump hat viele Probleme. Doch das größte Problem heißt: Donald Trump.

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