Donnerstag, 24.05.2018
 

Im Gespräch | Beitrag vom 27.04.2018

Dirigent Leon BotsteinAnwalt vergessener Komponisten

Moderation: Susanne Führer

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Leon Botstein in einem Lehnsessel, umgeben von Regalen mit Büchern und Fotos (Steve Pyke)
Der Dirigent Leon Botstein wurde nach einem Onkel benannt, der im Warschauer Aufstand gestorben war. (Steve Pyke)

Leon Botstein ist ein Mann mit vielen Interessen und Posten: Chefdirigent des American Symphony Orchestra, Ehrendirigent des Jerusalem Symphony Orchestra und Präsident des Bard College. Als Musiker widmet er sich vor allem den Komponisten, denen Unrecht geschah.

Geboren wurde Leon Botstein 1946 in der Schweiz, in New York wuchs er als jüngstes Kind ost-jüdischer Einwanderer auf. Seine Kindheit sei wie ein Märchen gewesen, denn worüber zu Hause gesprochen wurde, kannte er nur aus den Erzählungen der Erwachsenen. "Wir haben nur von einer vergangenen und vernichteten Welt gehört, von Menschen, die gestorben sind." Seine Eltern, beide Ärzte, haben als Einzige ihres Abiturjahrgangs überlebt. "Wir haben keine Schulfreunde von meinen Eltern je kennengelernt."

"Wir haben nur Emigranten zu Hause gehabt"

Leon Botstein wurde nach einem Onkel benannt, der im Warschauer Aufstand gestorben war, sein Foto hing in der Eingangshalle der elterlichen Wohnung in der Bronx. "Wir haben nur Emigranten zu Hause gehabt in New York, keine Amerikaner, und keiner hat englisch gesprochen. Das Englisch, das sie gesprochen haben, war ein komisches."

Als Präsident des Bard College legt Botstein großen Wert auf eine humanistische Bildung und die Künste. Als Musiker widmet er sich vor allem den vergessenen Komponisten. "Ich wollte schon als Kind die Vergessenen verteidigen." Einige Komponisten, aber auch Schriftsteller, seien aus politischen Gründen vergessen. "Mein Lebenswerk ist es, wunderbare Musik zu verteidigen." Denen, denen Unrecht geschah, nachträglich zum Recht zu verhelfen, sieht er als seine Aufgabe. 

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