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Interview | Beitrag vom 20.09.2017

Die Zukunft des LesensWie liest die Generation Smartphone?

Henning Lobin im Gespräch mit Ute Welty

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Ein junger Mann steht auf einem Bahnsteig und liest auf seinem Smartphone (Clem Onojeghuo / unsplash.com)
Liest er einen Tweet oder doch ein E-Book? Auch die Generation Smartphone lese lange Texte, behauptet jedenfalls Medienwissenschaftler Henning Lobin. Immerhin sei sie eigentlich die "Generation Harry Potter" (Clem Onojeghuo / unsplash.com)

140 Zeichen, Emojis, animierte Bilder: Junge Menschen sind es gewohnt, sich kurz zu fassen. Verstehen sie überhaupt noch Romane? Der Sprachwissenschaftler Henning Lobin beruhigt: Ja, natürlich. Und sagt voraus, dass Autoren künftig mehr auf Digitalisierung setzen werden.

Thomas Mann und seine langen Sätze: Über zwölf Zeilen auf der ersten Seite der "Buddenbrooks" - die passen auf kein Display. Hat mehr als 140 Zeichen, keine Emojis und keine animierten Bilder. Multi-Medialität aber ist die Gegenwart des Lesens für Viele - besonders der jungen Generation.

Aufgewachsen mit Harry Potter

Was verheißt das für "die Zukunft des Lesens"? Diese Frage stellt sich die Internationale Buchwissenschaftliche Gesellschaft auf ihrer Jahrestagung in München. Und am heutigen Eröffnungstag wird sich Henning Lobin von der Uni Gießen mit dem "Lesen im Zeichen der 4. Revolution" auseinandersetzen. Er ist Professor für Angewandte Sprachwissenschaft und Computerlinguistik.

Die heutige Generation Smartphone ist mit dem Lesen von dicken "Harry Potter"-Büchern aufgewachsen  (dpa- / Peter Endig)Die heutige Generation Smartphone ist mit dem Lesen von dicken "Harry Potter"-Büchern aufgewachsen (dpa- / Peter Endig)

Selbst wer die Korrektur-Funktion benutze, müsse die Sprache sehr genau kennen, sagt Lobin. Die heutige Smartphone-Generation sei außerdem diejenige, die mit "Harry Potter" aufgewachsen sei und "sieben, acht Bände verschlungen" habe. Das sei eine "Lesesozialisation", wie sie ältere Generationen in der Form vielleicht gar nicht mitgemacht hätten. Die Fähigkeit, sich auf einen Roman zu konzentrieren, hätten also auch Jüngere, so Lobin.

Die Integration von Medien biete Möglichkeiten

Für die Zukunft von Literaturformen wiederum sieht Lobin vielversprechende Möglichkeiten durch die Digitalisierung. Bis jetzt sei das gedruckte Buch vorherrschend. Aber:

"Wenn sich ein Autor davon löst, dann bedeutet das beispielsweise, dass bestimmte Formen der Textdarstellung, der Verlinkung, (…) der Integration anderer Medien sehr viel leichter möglich ist. Ich denke das ist etwas, was auch Autoren zunehmend entdecken werden, was auch unseren Umgang mit dem, was wir Literatur nennen, ändern wird, sodass wir, glaube ich, einige sehr spannende Entwicklungen auch noch vor uns haben."

(bth)

Henning Lobin spricht heute auf der Jahrestagung der Internationalen Buchwissenschaftlichen Gesellschaft in München zu dem Thema: "Lesen im Zeichen der 4. Revolution". Die Tagung vom 20.-22. September 2017 steht unter dem Motto "Die Zukunft des Lesens".

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